Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 6 (1926-1927)
- Issue
- 9 (12.1926)
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 178 (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 178 Nr. 9 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. die Dauer behaupten kann; dann kamen die Siegestage von Groß-Beeren und Dennewitz vor den Toren der Stadt, treue Lazaretipflege, Errichtung von allerdings recht mangelhaften Schanzen im Süden, schlimme Lähmung namentlich der Berliner Industrie durch die Kontinentalsperre, nach dem Frieden drückende Armut, besonders unter den Arbeitern. Für sie ließ ein findiger .Kopf, v. Wülknitz, vor dem Hamburger Tore riesige Kasernen errichten, in denen er je eine Stube gegen wöchentliche Miete abgab. Jeder hatte mit sich zu tun, um wieder einigermaßen auf eine Höhe zu kommen. Daher war für allgemeine Bedürfnisse wenig Sinn vorhanden. Die 1812 eingeführten Droschken und das seit 1818 auf der Spree verkehrende Dampfschiff wirkten kaum irgendwie auf den Verkehr ein. Erst die seit 1836 immer zahlreicher werdenden Eisenbahnen bewirkten nach Ueberwindeng der Notzeit, daß der Blick sich hob und beträchtlich erweiterte; 1838 wurde die erste Eisenbahnlinie zwischen Zehlendorf und Potsdam eröffnet. Eine Reihe anderer gewerblicher Betriebe entstand; 1826 errichtete' eine englische Gesellschaft die erste Gasanstalt; der geniale Beuth entwickelte den Maschinenbau; Egels, Borsig, Hossauer, Heckmann gründeten stattliche Eisenwerke. So hob sich das Sclbstbewußtsein eines kräftigen Bürgertums, und das patriarchalische Verhältnis zwischen Fürst und Volk verschjvand immer mehr. . Auch die Kunst verschönerte wieder das Leben; Schinkel gab ihr das Gepräge. Trotz der romantischen Richtung, die seinen ' Geist bannte, baute er in klassischem Stile, und die Königswache (1818), das Schauspielhaus (1821), die Werdersche Kirche (1824), das Alte Museum (1828), die Bauakademie (1834), sowie Schloßbaüten. in der Umgebung der Stadt sind bedeutende Denkmale seines Genies. Die Musik fand Pflege in der Singakademie (1836) im Kastanienwäldchen; sonst ist Berlin auch eine eigentliche Musikstadt kaum gewesen, obwohl die berühmt gewordenen Mund- und Handharmoniken hier erfunden worden sind-—. Die Dichtung fand nach Kleists tragischem Tode ' 1811) und des genialen E. T. A Hoffmanns Hingang (1822) nur noch etwa in Chamisso und Franz von Gaudy erwähnenswerte Vertreter. Aber die Wissenschaft zeigte an der Universität glänzende Köpfe: Humboldt, Ritter, Hegel, Lachmann, Savigny, Schleiermacher seien genannt. Wir sind auf unserm schnellen Gang durch Berlins Vergangenheit an einem Wendepunkt angelangt; Es ist 1840, das Todesjahr Friedrich Wilhelms III. Mit mächtigen Pulsschlägen kündeten sich die Wehen einer neuen Zeit an, und stärker noch als zuvor ist die Geschichte der werdenden Weltstadt die von Preußen-Deutschland. Noch ist längst nicht alles durchforscht, was sich in Archiven verbirgt, und überwältigt von der Fülle neuer Quellen glaubt ertrinken zu müssen, wer sich einen Zutritt zu ihnen bahnt. So jubelnd der neue König auch von der Berliner Bevölkerung begrüßt wurde — Mißstimmung über ihn griff bald immer stärker um sich, obwohl er ein geborener Berliner war und den Volkswitz meisterhaft beherrschte. Aber sein Geschmack, der auf allen Gebieten, namentlich dem der Kunst — wie erst jetzt deutlicher zu werden beginnt —, fein gebildet war, unterschied sich doch allzusehr von dem der Hauptstädter. Enttäuschungen blieben nicht aus und verstimmten ihn tief und andauernd. Vergeblich war .auch sein Bemühen, Berlin zu einem Musensitze zu erheben: Tieck hatte sich überlebt; Rückert war froh, aus „der staubigen Residenz" fliehen zu können, in die die Spree als „Schwan" hereintrete und als „Schwein" hinausfließe; von Willibald Alexis, dem Entdecker der märkischen Schönheit, glaubte der König sich verletzt; Freiligrath wollte nicht Fürstendiener sein. Aehnlich stand es auf dem Gebiete der bildenden Künste. Schinkel starb 1841, der Bau des Domes und des Campo santo blieb in den Anfängen stecken. Nur Rauch (Friedrichsdenkmal) hielt sich auf der Höhe. Das Neue Museum von Stüler ist gewiß epigon, prächtig seine Schloßkapelle. Die modernen führenden „Historienmaler" sollten die innere Auschmückung der Bauten liefern; aber Cornelius und Kaulbach ließen kalt und blieben ohne Folge. Menzel wurde erst viel später entdeckt. Der Sinn der Berliner huldigte nicht den romantischen Ideen ihres Königs. Sie verspotteten alles, Sßichiensiein ifichirme 7)at atIasajxa Q^&sx/irruick (5Iüdmmnfdje unb £ln3 eigen 311c Verlobung, jur IpocfjjeU, füc {Jubiläen in fein ft ec, oornebmec Ausführung ©amenfpenben, praktifcfye (&efd>enke £*3uergen3 ^apiechauä JUesanberpI. L. i NI \X WC ß E R L I N W 8 Unter Jen Linden 5 ^ptvialh.ius für SilberwdreVi in m> fernen und antiken Stiiaricn S i!> e r 11 e ß e s t e c k / / UNION \ 4 Kohlen-Handelsoesellschati m Berlin"NW7 I liefert liefert Bunsenstr. 2 0r#urlröhlenhjos' FmomcMr: ZNtrw U7N1S705 zeatrun 15720-15729 4 25, 9 45, 13 60, 18/80 Der Wasen des verwöhnten Publikums Konkurrenzlos preiswert Günstige Zahlungsbedingungen Autohaus F. ö R. Adler Berlin W 15, KurfOrsInndamni 215 Bismarck 2S42-2S«. für “ Ogupon Brot, Behack, Schokolade hergestellt unter Aufsicht eines staatlich approbierten Nahrungsmittel - Chemikers Konditorei F. Ul. fiumpert Hygienisch# Abteilung BerlinC2, Königstr. 22-24 Merkur 2108-2113 von M. 4750.— an