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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1926-11-01 · 8 (11.1926) · p. Seite 149

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
6 (1926-1927)
Issue
8 (11.1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 149 (sequence 13)
Language
German
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V Nr. 8 MONATSSCH DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Seite 149 Havelberg, Lebus und die Aebte jvon Zinna, Lehnin und Chorin 1 Grundbesitz in der Stadt erwarben. Tetzel kam 1517 her, fand aber wenig Anklang: Joachim I. SfcAr zwar-strenger Katholik,, gleichwohl war der religiöse Sinn in der Bürgerschaft nicht mehr so stark, daß | sie an die angeblichen Wunder einer von Judeji. 1510 geschändeten Hostie, glauben wollte, und der Plan, Berlih zum Wallfahrtsorte zu machen, ging fehl.. Den Juden wurdh damals übrigens der Aufenthalt in' Berlin, wo sie im noch heute vorhandenen Großen Jüdcnhofe und dem jetzt verschwundeneh Kleinen Jüdenhofe wohnten, auf ewige Zeiten verboten. Das ist im Laufe der Jahrhunderte mehrmals geschehen. Viel umstritten ist die Frage, ob Joachi- II. 1539 hier oder in Spandau zur evangelischen Lehre übern at: gewichtige Gründe sind für beide Städte vorgebracht wordene nur die größere Wahrscheinlichkeit spricht für Berlin. Wichtig in kunstgeschichtlicher Hinsicht ist der Umbau des Schlosses, den er und sein Nachfolger Johann Georg (1571—1598) im Renaissancestil unternahmen. Casper Theiß war der Erbauer; von ihm stammt Juch das (unzugängliche) Jagdschloß Grunewald für Joachim. Damals entstand hier eine Wasserleitung und — die erste Druckerei im Franziskaner-Kloster, dem heutigen Gymnasium zum Grauen Kloster, das 1574 eröffnet wurde. Ein glänzendes Leben herrschte unter dem Einflüsse des Hofes in Berlin: Die Pluderhosen und der infolge verschwenderischer Hofhaltung an dem Münzjuden Lippold begangene Justizmord seien als wenige — einander entgegengesetzte — Beispiele erwähnt. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts zählte Berlin vielleicht 12 000 Eipwohncr. Von den Religionsstreitigkeitcn innerhalb der evangelischen Kirche zu Anfang des 17. Jahrhunderts sind auch die «Berliner Bürger nicht unberührt geblieben; ein Aufruhr entstand,' als Johann Sigismund zur reformierten Lehre übertrab, Wie weit die Stadt ihm hörig war. erhellt daraus, daß er die Drohung aussprechen konnte, er werde seinen Hof und das Kammergericht an einen andern Ort verlegen, wenn sich die aufsässigen Bürger nicht zufrieden gäben; das half. Namentlich sein Hinweis darauf, daß nach seinem Abzüge die Stadt so aussehen werde wie einst in den Pestzeiten, schreckte sehr. Gleichwohl nahm Berlin dies Aussehen an,, als es unter seinem Nachfolger Georg Wilhelm die wechselnden Stürme des Dreißigjährigen Krieges kcnnenlerntc. Bis 1635 kamen der Pomp und die Pracht glänzender Kriegshaufen und Heldenbesuche: englische Hilfstruppen eilten dem geschlagenen Winterkönige Friedrich V. von der Pfalz zu Hille, zwar an den Toren der Stadt vorbei; aber am 22. Juni' 1628 führ Herzog Wallenstein in prächtigem Aufzuge« durch die Breite Straße, um die Kurfürstin Marie Eleonore' zu' besuchen; im Mai 1630 erschien Gustav Adolf vor der Stadt, ' um* den Kurfürsten, seinen Schwager, zu einem Bündnis zu zwingen — schon vorher soll er heimlich und verkleidet hier gewesen sein. Zwar ist es nie zu einer Belagerung der Residenz gekommen, der Hof war nach Königsberg und die Behörden nach Spandau geflüchtet, abcr/'\ als der Kurfürst sich 1635 dem Träger Frieden und damit dem . Kaiser anschloß, traten hier beim häufigen Abschluß von der Außenwelt Hungersnöte und Krankheiten auf, darunter die furchtbare Pest. Als dann schwedisches Volk die Stadt bedrohte, ließ ' der katholische Ratgeber des Kurfürsten, Graf Adam Schwarzenberg, die Scheunen und Vorwerke auf der Berliner und-der Köllncr Seite 1640'und 1641 voreilig abbrennen und abbrechcn. Das Volk behauptete deswegen, er sei heim- ", lieh enthauptet worden; in Wahrheit liegt sein Leichnam unversehrt in der. Nicolaikircbe zu Spandau. Die schlimmsten Schäden erlitt Berlin überhaupt erst in den letzten Kriegsjahren, und sie sind sehr übertrieben worden. Die Abnahme der Bevölkerung läßt sich nicht beurteilen, weil ihre Zahl vor [dem Kriege, nicht genau ermittelt werden kann. Die erste Zählung" von 1654 ergab für beide Städte 6197 Einwohner; da cs'sich aber nur um eine Feststellung für die Kopfsteuer handelte, für die. nach damaligen Grundsätzennipht alle in die Listen aufgenommen wurden, so gibt diese Zahl nicht die Einwohner an. Es sind hinzuzurechnen alle Kinder unter 15 Jahren,. Familien der Geistlichen und Lehrer ,u. v.’a. m., so daß ungefähr eine Gesamteinwohnerzahl von 10000 vermutet werden darf. Daß der eigentliche Bürgerstand verarmte, lag wesentlich mit an der hergebrachten ungerechten Stcuervertcilung. ^Brillen u. ^Kneifer für jeden Qebrauchszweck SSäro, Sport, ‘Gheqter, QeeeUtchajt, Straß^ Bestt Einrichtung für Uesummmig der richtigen äitfcKjr/ü.ur _J_e. f __. RODENSTOCK NACHF. 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