Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 6 (1926-1927)
- Issue
- 7 (10.1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 125 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Seite 125 L MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B fette Tantiemen cinzusdckcn, sondern weil seine Lebensauffassung jhm „Dienst" dn solchem Platze befahl. Es ist ein Charakterzug an ihm, der nur in Deutschland ^verständlich ist' — Amerika muß er kurios erscheinen.—, daß er wiederholt sich geradezu fieberhaft gegen den Vqrwurf verteidigt, ein* „Geschält" zu führen, um des „Verdienste*“ willen. „Geschäft ist cs nicht", erklärt er, „in künftigen Zeiten wird man uns vielleicht einmal Organisatoren nennen. Wir dienen mit Leidenschaft und Liebe; doch glaube ich bei freier Selbstprüfung sagen zu können: nicht! um Geld und Macht, nicht anders als Soldaten, Staatsmänner oder Forscher. Wie diese, lieben wir die Verantwortung; doch diese Liebe und Leidenschaft gilt nur der Saphe, sie gilt nur außerhalb des Kampfes i.nd Spiels, nicht für dahinter stehende Zwecke." J Und was das Genießertum betrifft,, so bestand cs in einem aufreibenden Leben intellektueller Arbeit als Schriftsteller und Industrieller, fast ohne Erholung und Atempause, bei kärgstem Schlaf, unter fast vollständiger Abkehr von allen so Genannten Genüssen und Freuden der Moderne. Hier ist ein dann der Stille und Konzentration, mehr nach innen gekehrt als nach außen, zwar kein asketischer Verächter des Irdischen, abifr es nicht in Luxus, im Lärm oder im Liebesspiel suchend, sondern in den feinen, intimen, beseelten Verzückungen der Kultur, der Künste, des Intellektes. Wie er gegen das „gesättigte Bürgertum", so spricht kein selbst gesättigter Bürger. Schon aus des Sicbcnundzw'anzigjährigem Mun'de klingt cs wie ein Schwur: „Des besseren oder schlechteren Lebens willen werde: ich niemals einen Entschluß fassen oder ändern." Und Jahrzehnte Arbeit um nichts »als der „Leistung"- willen haben ihn des’- Strcbcns nach individuellen Freuden so entwöhnt, daß er sieh schließlich gar selbstentfremdet und ' selbstabgestorben vorkommt. ■ Das Innenle.ben, Der Mensch Rathenau hätte Ursache 'gehabt zu Eitelkeit und Uebcrhebung. Was wußte und konntej er nicht alles! „Er wußte", sagt treffend Emil Ludwig, „er wußte Porträts zu malen, sein Haus zu zeichnen, den Stuck darin zu formen, Turbinen zif bauen, Holzplastiken zu bestimmen^ Montaigne anzugreifen, Bilanzen zu entschleiern, Fabriken umzustellen, Verse zu schreiben, Staatsverträge zu schließen, die Waldsteinsonate zu spielen." Nein — Rathenati wi_ßte und konnte viel mehr; ein philosophisches System runden und vollenden, eine neue Form menschlichen Zusammen- und Wirtschaftslebens konzipieren, der Literatur geniale Sprachwerke geben, politische Weisheit und Führerkraft vor Ländern und Völkern bandelnd erweisen. Und doch ist nichts in der Welt ihm ferner als sich aufzuspielen , und zu affichieren. In tiefster Seele verhaßt ist ihm Reklame. Nicht einmal sein Lebenswerk will er damit fördern, daß er es an die große Glocke hänge oder .durch andere hängen ließe. Unzählige Male bitten ihn Anhänger und freunde, seine epochalen Ideen in die Massen zu tragen, in populäre Vorm zu gießen, eine „Bewegung" zu kreieren, -sich an die Spitze zu stellen; immer wieder bietet man ihm an, ihm dabei zu helfen, über und für ihn zu schreiben, ihm eine Zeitschrift zur Verfügung zu stellen. Unerschütterlich lehnt . er ab, bescheiden, zurückhaltend und vornehm Distanz wahrend zugleich: ihm ist cs genug, am stillen Tische auszudenken und zu gestalten Die Wirkung nach außen (wenn nicht schöpferische Wirkung) gilt ihm gar nichts; er fühlt sich nicht dazu geboren, Eindruck oder Beifall zu suchen oder zu fördern. Hätten nicht Krieg und Revolution seines Landes gebieterisch sein werktätiges Eingreifen gefordert — gebieterisch auch, im Sinne seiner inneren Stimme, der er nicht anders könnte aLs folgen —, er wäre sichcrlfch als „anonymer" Schriftsteller in seinem Arbeitszimmer gestorben. Ein Doppelleben und seine Tijagik. Wenige haben zu seiner Zeit begriffen, daß dieses stille Denker- und Schreiber-, man kann sägen Einsiedlerleben des Weither Rathenau eigentliches Dasein war. Alle sahen sie nur den Menschen des Draußen, den Großindustriellen, den cfnh ■ ‘'f ictcrr r/Jtein cftacäftHefie / fßanefes c7/ ( my ter JyxfbCLTLcLfUTLCJ iSexnbfVtechei y(/nt CttwipZatx. **22 ItsS - cfcrUfl&t/Z CHxxtle jeete*jbtt,m und anjS&t ^46ctn <vv%tasiae usvuwi&tsuifiche