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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1926-10-01 · 7 (10.1926) · p. Seite 126

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
6 (1926-1927)
Issue
7 (10.1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 126 (sequence 10)
Language
German
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Seite. 126 Nr. 7 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B. B.. Politiker, den .Mann der Organisation und des Erfolges. Was sonst an ihm war und von ihm geleistet wurde, hielten sic für leichte Spielerei des begabten Geldmenschen, der sich solchen Zeitvertreib gestatten konnte', für zwar erstaunliche, aber zweitrangige, unwesentliche Regsamkeit. Anfangs macht ihm' dieses Mißverständnis zwischen ihm und. der Welt ein gewisses diebisches Vergnügen. Er kommt sich, obwohl im Brennlichte der Oeifentlichkeit stehend, doch wie in einer Tarnkappe verborgen vor; anonym, wie ein heimlicher König; er hat ein Putzend Gleichnisse, das darzustellen, und. einen feinen Humor, darüber zu spotten. „Lieber ", heißt es einmal, „ich warne Sie. Wenn Sie nicht in das abgestempelte Urteil cinstimmen, das .lautet; „geistreich ". kühl, Dilettant auf sechszehn. Gebieten, leidlicher Kaufmann", so werden Sie ausgelacht. Die Leute wollen mich so haben und ich bin zufrieden, wenn sie mich als unschädlichen Narren gewähren lassen. Sie fragen mich. „Wo finden Sie nur Zeit für solche Allotria?", und wenn ich ihnen sagte, daß das mein L e b e n ist, so w ürden sie zum Arzt schicken." . , * Nach und nach aber vergeht Rathenau dieses heimliche Vergnügen. - Er w ar kein Schreiber um des Schreibens willen Die Gedanken seiner Schriften sollten Volk. Land. Menschheit umgestalten. Die Verkennung aber, die aus seinem Doppelleben entsprang, dauernd und unerschütterlich als Mauer /wischen Wollen und Wirken zu sehen, beunruhigte ihn doch .TffT Ende, verletzte und schmerzte ihn. ja gab ihm. da er reifte und seine Tage schwinden sah. einen tief tragischen Zug. Doch damit nicht genug — da war noch die andere, schlimmere Seite: die Wenigen, die seine Gedanken ernst nahmen, wie er sichs wünschte, sich von ihnen fassen und erschüttern lassen, verstehen wiederum seine Außenexistenz nicht. Sein Dasein als Großkauimann und im Genüsse ansehnlichen Reichtums scheint ihnen eine faktische Widerlegung dessen, was er predigt. Ein Si-elenkundiger sogar wie Hermann Bahr steckt in diesem Unecrständnis, und mancher Fremdersichende fällt ihn wütend an, er lebe nach dem Satze; „Richtet euch nach meinen .Worten, nicht nach meinen-Taten." Rathenau ist geduldig, unermüdlich, zuweilen sehr bestimmt und stolz, das Mißverständnis aufzuklären — es will ihm nicht gelingen. Das bringt ihn schier zur Verzweiflung, füllt den Kelch seiner Lebenstragik immer wieder von neuem. Diese Tragik begräbt allerdings nie seinen Glauben an sich. Das Gefühl seiner Kraft verläßt ihn niemals. Er weiß es zutiefst, er hat der Menschheit zu geben. Und nicht nur er weiß, er glüht auch, es zu tun. das Schwert des Propheten steht hinter ihm, er kann nicht anders,"seiner Mission muß er folgen. „Ein Motor bin ich" — so empf*ndet er sich, und es ist sein Fatum; „Wir müssen überall unseren Weg bis zum Ende gehen!" So heiliges Gefühl von sich Eitelkeit und Ueberhebung zu nennen, wäre nur dann berechtigt, wenn die . Qualität seiner Ideen und Leistungen damit in Widerspruch stünden, wenn sie nicht nach den höchsten Slernen griffen. Es war in Wahrheit die Bescheidenheit des ^noßen Könners, der unwiderstehlich empfindet, daß. er, der kleine Erdenwurm, nicht etwa Quelle, sondern nur Instrument einer höheren Kraft ist und eines ge-1 bietenden Willens über ihm, aber ein Instrument, das rc'in und stark zu erhalten, oberstes Gesetz seines Seins und Wesens ist. - D i‘e Seele. Den Menschen Rafhgnau, wie er zu innerst war, haben nur die Intimsten erkennen können: seine Mutter, sein Vater und sein früh verstorbener, schwer betrauerter, junger Bruder, dann die überaus wenigen, denen er Freundschaft spendet (nur selten darf man sagfcn, von denen er Freundschaft erfährt), die zwei oder drei Frauen, die seinem Herzen schwesterlich, nich! anders, nahestehen. Aber auch — merkwürdig —' die Rat- und Hilfesuchenden, selbst solche, die ihm Fremde sind. Die weite-! sten, innersten Selbstoffenbarungen sind ihnen gegeben; der arbeitgehetzte Mann, der kaum drei Zeilen hat für die Allernächsten,, hat Zeit für stundenlange Episteln an junge Dichter oder Studenten, die nach ihrem inneren Weg suchen, an Irrende, deren Glauben er retten, deren seelische Orientierung er zu- KJÜgw Chemische Reinigung Auf- und Umfärbung aller Arten kleidungs stucke und Gebrauchsgegenstände Mechanisch klopfen I Chemisch Reinigen aller Arten Teppiche Auf- und Umfärben J Fctrberciund Cficm Wctfcli-Anftciit > BERLIN N.20 KOLONIESTR * t t t t t t t t t t t t *, JOSEF ZOLLER Oekonomieder Berliner Logen U. O. B. B- Berlin / Kleist Str. IO / Nellendf. 6144 Unter Aufsicht des hiesigen Rabbinats VORZÜGLICHE KÜCHE Reichhaltige Speisenkarte und kaltes Büfett Täglich Mittagessen von 12—4 Uhr Ausrichtung von Hochzeiten und aller Art Festlichkeiten in und außer dem Haus in jeder Preislage I t t t t t t t t t t t Manuskripte und Anzeigentexte erbitten wir uns stets bis zum 15. eines jeden Monats Brüder-Verlagsgesellschaft m. b. H. Berlin W 62. K urfürsten Strafte 11 5/11 6 " Zeitsdirifi des hrüdervercins z. g. U. und Monatsschrift der Berliner Logen U. O. B. B. ' f

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