Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 6 (1926-1927)
- Issue
- 3 (6.1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 53 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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c Nr. 3 * MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Seite 53 Straße. Diese beiden Familien träten überhaupt am meisten hervor und werden am häufigsten genannt. Ich möchte hier noch auf eine Frage eingehen, die der zwangsweisen Porzellanabnahme durch die Juden. Es ist bekannt,«daß „die Juden in allen königlichen Provinzen genöthigt •wurden, bei Erhaltung von Konzessionen, zur Ansetzung ihrer Kinder, zur Verheirathung, zum Handel oder zum Hauskauf eine vorgeschriebene und gesetzlich festgestellte Quantität berlinisches Porzellain zu übernehmen, und hoch dazu solches außerhalb Landes abzusetzen" hatten. Sie mußten in der Regel für 300 Taler kaufen, für die „Ertheilung eines Generalprivilegii' aber für 500, 600 und 1000 Taler. (AuGh die Lotteriepacht- Sotietät war gezwungen, jährlich für 10 000 Täler Porzellan zu konsumieren.) Jedoch auch für geringe Vorteile mußte Porzellan entnommen werden — so hatte Abel Levin zu Freienwalde lür eine „Cohcession als publiquer Bedienter bei dortiger Judenschaft in der Qualität eines Todlengräbers" für 28 Taler Porzellan zu kaufen. Also für eine Stellung eines Juden innerhalb der Judenschaft mußte eine Abgabe an den Staat gezahlt werden! — Im übrigen erwies sich diese Maßnahme bald als ein finanzpolitischer Mißgriff. Die Juden mußten nämlich, um wieder zu ihrem Gelde zü kommen, das Porzellan mit Verlust verkaufen, so daß es im' Ausland einen schlechten Nameh infolge der Schleuderpreise bekam, ferner hütete sich jeder Ausländer, die Ware auf normalem Wege über die Manufaktur zu bestellen,^da er sic von den Juden billiger bekam; auch wurde viel über die Grenze zurückgcschmuggelt und im Inland zu billigeren Preisen wieder verkauft.) Daß der Befehl nach knapp zwanzigjährigem Bestehen wieder! aufgehoben wurde, ist also nicht allein dem Betreiben der Ober-I landesältesten zuzuschreiben, als vielmehr auch dem Mißerfolg der Einrichtung. Dennoch mußte als Ablösung noch die Summe von 40000 Talecn erlegt werden. > Es ist hier jedoch in diesem Zusammenhang noch einer Anekdote zu widersprechen, daß nämlich der angesehenste von ihnen, Moses Mendelssohn, zwanzig lebensgroße porzellanene Affen auf diese Weise habe erwerben müssen. Tatsächlich haben sich in der Familie solche Affen erhalten, von denen mir «v-t drei zur Kenntnis kamen: einer in Erlangen, einer in Königsberg und einer in Hamburg.*) Die Erzählung ist durch das Buch von Sebastian Hensel über die Familie Mendelssohn populär geworden. Hensel scheint weniger über die Maßnahme als solche empört zu sein als besonders über die Affen, dve er als Ladenhüter der. Manufaktur bezeichnet. — Jedoch an der Geschichte ^stimmt Verschiedenes nicht. Erstens: Mendelssohn soll die Affen haben kaufen müssen, um die Konzession zur Heirat zu bekommen. Er heiratet 1763. Im gleichen Jahre übernimmt Friedrich die Manufaktur aber erst von Gotzkowsky. Zudem stammt der Befehl über den Abnahmezwang erst aus. dem Jahre 1769 — aus zwei Gründen kann also Mendelssohn im Jahre 1763 überhaupt noch kein Porzellan haben abnehmen können und die Erzählung ist hier zum mindesten ungenau. Ganz unwahrscheinlich aber wird sie durch die Tatsache, daß in Berlin überhaupt so große Affen niemals « hergestellt worden sind, wie wir aus den Modellbüphem aus der Kcgierungszeit Friedrichs wissen. Die erhaltenen Affen stammen aus Meißen und sind um 1730 hergestellt worden/**) Friedrichhat sich nun zwar im Siebenjährigen und früher im zweiten schlesischen Krieg große Mengen Porzellan aus ,Meißen (zum Teil auch gegen Bezahlung) liefern lassen, aber die warennur für seinen eigenen Gebrauch bestimmt. Es ist undenkbar, daß er diese glücklich erbeuteten und leidenschaftlich geliebten Stücke so lieblos fortgegeben hatyto. sollte, als hätten sie für ihn nur den Geldwert. Die Berliner Juden wurden zu dieser Abgabe gezwungen, um den Absatz der Fabrik zu steigern, nicht zum Gelderwerb für Friedrich. -«-- ') Ich verdanke die Mitteilung lür den ersten, Herrn, Dr. Hcnschcl, für den zweiten Hcrin Di.' Klar und für den dritten Herrn Dr. Bambcrger von der Bibliothek der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. **) Herr Professor Dr. Paul Hensel in Erlangen hatte die Liebenswürdigkeit,, mir über den einen Affen, den er besitzt, Auskunft zu geben. Er bemerkt tinc Signatur FR-in ziemlich schwacher blauer Farbe, Auf Gruod dieser Schwäche glaube uh annchmen zu dürfen, daß bei der Lesung ein Irrtum unterlaufen ist, und daB cs entweder AR, Augustus Rex, zu heißen hat (das ist auch die Signatur des einen großen Aff» n, der 1920 aus den Beständen des Johanneums in Dresden, versteigert \ .jde), oder aber, was den Irrtum noch erklärlicher, erscheinen laOt, FA,! .icdrich August, eine äußerst seltene Marke. Eine anerkannt gufe Waschanstalt ist die Groß Wäscherei Glesecke Berlin SO 33, Schlesische Str. 29-30 Anrut; Morifzplalz 1,418 und 10838 Preise sehr niedrig Preisliste gern zu Diensten / . /..... """\ „Schmücke Dein Heim — mit Teppichen von Haim“ constaniinopie D.I.HäimdCO. 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