Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 6 (1926-1927)
- Issue
- 3 (6.1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 54 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 54 Nr. 3 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LÖGEN U.O.B.B. Die. Anekdote ist aber nicht nur historisch, sondern auch 1 ' psychologisch falsch. Denn man daTf nicht vergessen, daß die I-iebe des 18. Jahrhunderts zum Porzellan an Besessenheit grenzte, und überdies ist es ein grundlegender Irrtum, daß Porzcllanaffen Ladenhüter waren. Diese Einstellung ist typisch für das 19. Jahrhundert und gar nicht im Sinne de»-achtzehnten, dessen Modetier der Affe gewesen ist. Wo und wie man konnte, formte man ihn. und es gibt Porzellanaffen in vielen Variationen _^tund in fast allen Fabriken: als Gefäß, in Berloqueform, als "fiüh nerhändler. als Orgelspieler, einen, der eine Zitrone (rißt und eine ganze Altenkapelle — eine Aufzählung, die nur als zu« fällige Auswahl anzusehen ist und die zeigt, daß da^ Entstehen über die Affen unberechtigt ist, weil man sie in! Rokoko begehrt und geliebt hat. Daß §ber solch eine Anekdote entstehen und sich halten konnte, scheint erklärlich, wenn man bedenkt, daß ein Mensch des 19. Jahrhunderts, dieser in Geschmacksdingen \ illig humor- und anmutlosen Zeit (Wilhelm Öusch bleibt eine rühmliche Ausnahme), gegenüber mehreren großen Porzellanaffen hilflos sein mußte. Hensel konnte nicht verstehen, daß sich jemand freiwillig solche Untiere zulegte, und so kombinierte er;<>der sein Gewährsmann aus der Generation vor ihm) das Vorhandensein der Tiere mit dem Zwang der Porzc.llanabnahmc zu einer Geschichte, die nicht aufrecht erhalten werden kann. Es bleibt vielmehr keine andere Möglichkeit als anzunehmen, daß >ich Mose« Mendelssohn die Affen freiwillig gekauft ha* i Sch m zu dieser Zeit* waren die Juden nicht nur Kunstliebhaber. sondern betrieben auch den Handel. Wir wissen durch - Nicolai von zweien, die beide eher marchands-amatcurs waren als Händler und die er auch unter der Rubrik der Gemäldesammlungen v ,n Privatpersonen autliihrt: „Hr. Daniel Br< schwitz (der Pi.st gerade aber) ist ein guter Kenner von Malercyer.. *at r;r.e ziemliche Menge meist ausgesuchter schöner Stücke, womit er auch handelt" "und ..Hr. Meyer Warburg fam W asser an der langen Brücke .hat eine beträchtliche Sammlung von französischen und engländischen Kupferstichen, desgleichen sonst viele Kunstsachen, womit er auch handelt." Schaffende Künstler waren Juden um diese Zeit selten. Der künstlerische Beruf stand ihnen zwar frei'— ihre Beschäftigungen unterlagen einer sirengen Kontrolle und vieles -war ihnen untersagt —, aber die „freyen Künste" auszuüben, widersprach ihrer Tradition, die Lebendiges wiederzugeben verbot, auch war ihre bedrückte soziale Lage solcher Betätigung höchst ungünstig. So berichte.t Nicolai nur von einigen Malern, Stempelschneidern und Pettschierstechern. Namentlich führt er'nur zwei an und es mag um 1780 auch keine, andern von dinigem Euf gegeben haben; es sind dies 4>e Medailleure und Stempelschneider Jakob Abraham und Sein Sohn Abraham Abramson. Der Vater hat nichts Wesentliches geleistet, er führt eigentlich nur die Entwürfe anderer Künstler aus, dagegen arbeitete der Sohn, der bis ins 19. Jahrhundert hinein lebte, nach eigener Erfindung. Er fertigte Denkmünzen auf wichtige Vorfälle friedlicher und kriegerischer Art und Medaillen auf Gelehrte und hohe Personen. Es gab ferner einen jüdischen Komponisten, Wessely. „Am 23. May (1786) ward dem Verstorbenen (Moses Mendelssohn) zu Ehren, in dem korsikaschen Konzertsaale eine Trauermusik aufgeführt. Den Text dazu hatte Raiyimler, und die Komposition ein junger jüdischer Tonkünstler, Namens Messely besorgt." Er w^ar später Musikdirektor beim Prinzen Heinrich in Rheinsberg, gab aber nach dessen Tode seine musikalische Laufbahn auf uhd wurde Subalternbeamter bei der Regierung. In dieser Zeit begründete und leitete er einen Verein für klassische Musik in Potsdam. Außer jfen Trauerkantaten für Moses Mendelssohn komponierte er Opern, Lieder und Streichquartette, auch schrieb er einiges über Musik. Es ist hier nichts von dem geistigen Leben unter dcn^Judcn. nichts von dem geselligen Verkehr gesagt. z*wei Faktoren, die beide weit über ihre Kreise hinaus gewirkt haben —■ darüber sind Bücher und Bücher geschrieben worden: es sollte lediglich ciniTeil des Rahmens gezeigt werden, in dem sich dieses Leben abspielte. .ilUjli: :,.i,iiumWLlllUlllllUilllitlllilllllilllllillillllll: :' - Kein Stillstand! In unserer eigenen Fabrik, der größten Berlins, haben wirdiirfth weitestgehende Arbeitsteilung die Produktioh gesteigefCum Ihnen höchste Qualitäten zu nochv fiMmrän^ Preisen verkaufen zu können. LeiserModell^^t garantiert edelstem Material hergestellt,/entsprechen stets der Jüngsten Weltmode. YDarsj größte Schuty-Jpezialhaas mit der größten Auswahl Tierlins. ui;.,", Hill.;:! IT Kit C66A