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Bibliographischer Vierteljahresbericht für die jüdische Literatur · 1914-06-01 · 1 (1.6.1914) · p. Seite 18

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Journal
Bibliographischer Vierteljahresbericht für die jüdische Literatur
Volume
1 (1914)
Issue
1 (1.6.1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 Lebensschauplatzes Vorzügliches zu vollbringen, sondern stets zu Ganzheit und Geschlossenheit der Daaeinswirksarnhcit schreitet, macht sie eigentlich schon erhaben über das bloße Interesse aa äußerem Nutzen und Erfolg. So tritt schon hier eine Innerlichkeit zutage, deren reine, ungehemmte Entfaltung freilich erst durch den Aufbau einer wcltüberlegenen, autonomen geistigen Wirklichkeit gewährleistet wird. Es ist der Zog zur Freiheit, zur Ursprünglichkeit eines stets sich erneuenden Lebens der Seele, wonach deutsche Art immer verlangt hat. Er hat seine Ausprägung gefunden in der reinen Innerlichkeit deutscher Religiosität. Was hier die Mystik und Religionsphilosophie des Mittelalters begonnen, das setzte die Philosophie der neuen Zeit fort. So haben vor allen Leibniz und Kant den Menschen im Selbst seines Geistes verankert. Die"Größe und Macht des Menschengeistes wurden das Fundament, von dem aus die Überwindung der äußeren Wirklichkeit geschehen sollte; die Philosophie selber wurde Weiterbildung der Wirklichkeit, charakteristische Entfaltung des Lebens. Parallel mit dieser Lehre ging die deutsche Erziehungskunst; sie wollte die Seele vertiefen und kräftigen, auf sich selber stellen, die so gerüstet werden sollte zum Wirken in der Welt. Nicht anders steht es um Kunst und Literatur. Schiller forderte, daß wir die Angst des Irdischen von uns werfen und uns in das Reich der Ideale flüchten; und Goethe verkörpert beide Reiche, so das ideale Ziel in harmonischer Durchdringung des Sichtbaren mit der Idee offenbarend. Daß die Innerlichkeit deutschen Wesens vor allem in der Lyrik und in der Musik zutage treten mußte, liegt nahe. Hier haben die Deutschen ihren Ruhm, das Volk des Gemütes zu sein, bewährt. Sie haben sich in alledem eine Innenwelt von unvergleichlicher Kraft und Schönheit aufgebaut; und alle äußeren Schwierigkeiten, die Enge und Kleinheit der einzelmenschlichen Leistung, haben nur dazu geführt, daß Goethes Wort seine sichtbare Wahrheit fand: .Der beste Ratgeber ist die Notwendigkeit." Indem der Mensch die Geisteswelt, das Unsichtbare in sich selber als selbständige Realität erlebte, erlebte er zugleich die Macht seines Geistes. So konnte gerade im deutschen Leben Individualität zum höchsten Werte werden. Wäre sie als bloßes Faktum, als pure Gegebenheit verstanden, so mochte solche Würdigung lediglich krasse Selbstsucht fördern, aber als Ziel war sie gedacht, und ihre Erarbeitung wurde zur heiligen Pflicht, das Bekenntnis zur Innenwelt als der wahren Wirklichkeit. Die notwendige Ergänzung dieser Tatsache ist .das Hangen des Deutschen am Weltgedanken und die Gestaltung seines Lebens von diesem Gedanken her". Dem Menschen, dem im Geist sein wahres Selbst sich offenbart, soll seine Stellung im Sein des Alls genau bezeichnet werden. Darum soll seine Religion ihm zu allererst die unmittelbare Beziehung zum göttlichen Urgrund geben, und seine Ethik ist weniger die Sorge für die Erhöhung der Gesellschaft als für die seiner selbst seines geistigen Seins. Das heißt aber, daß in Wahrhaftigkeit und in Freiheit sein Charakter sich entfaltet. Die Wahrhaftigkeit bewährt steh in dem Streben, seinen Ort im Universum zu finden und festzuhalten; die Freiheit offenbart sich am deutlichsten in dem Zuge ins Unendliche, der für den deutschen Geist so' bezeichnend ist. Durch all das wird die Eigenart des deutschen Idealismus umschrieben: der Hang zur Innerlichkeit führt nicht zu matter Weltflucht, weü die Versenkung in universales Sein dessen

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