Bibliographischer Vierteljahresbericht für die jüdische Literatur
- Journal
- Bibliographischer Vierteljahresbericht für die jüdische Literatur
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 1 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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17 Anmaßungen, in der Überzeugimg. dafl in deutscher Art der Innerlichkeit und Selbstgenügsamkeit des Geistes von jeher eine Heimat bereitet gewesen wie bei keinem andern Volke, eine nahe Verwandschaft mit dem Idealismus Fichtes. Daa Werk gliedert sich in Tier Abschnitte. Die Einsicht in .die Lage der Gegenwart" zeigt uns. wie gerade die Ausbreitung der technischen Kultur — dieses Wort in weitestem Umfange verstanden — im deutschen Volke wahrend des 19. Jahrhunderts seine hervorragendsten Förderer gefunden. Wir sind so reich, so wohlorganisiert, so trefflich und ehrlich verwaltet, so schlagfertig gerüstet, mit einem so brauchbaren Unterrichtswesen ausgestattet wie nicht leicht eine andere Nation. Wissenschaft, In* dustrie, gewerbliches Leben danken es einer vorzüglichen Organisation, dafl wir in allen diesen Dingen an der Spitze der Kulturvolker marschieren. Aber all das darf nicht darüber wegtäuschen, dafl in die Seele des deutschen Volkes eine Mattigkeit, eine innere Unlust eingezogen ist wie nie zuvor. lodern die Empirie unerhörte Triumphe gefeiert hat, ist der empirische Mensch unversehens zum alleinigen Zielpunkt aller Arbeit geworden. Alle praktischen Erfolge der sozialen Ethik können dem tiefer Blickenden nicht das Auge verschließen, dafl darüber der wahre, der innerliche Mensch immer mehr. zu kurz gekommen. .Der Höhe der Arbeitskultur entspricht heute nicht die der Innenkultur." Die religiöse Lebensordnung früherer Zeiten ist durch den Realismus und Positivismus des 19. Jahrhunderts, die allein der Ausbildung und Beglückung des sichtbaren Menschen galten, beiseite geschoben worden. Aber das bloße Menschengetriebe, daa den absoluten Wert weltüberlegener Innerlichkeit nicht anerkennt, hat den Menschen, der nichts anderes sein will als natürliches, die Handhaben der Natur technisch geschickt ausnutzendes Wesen, als ein besonders begabtes Tier, als klein und über die Mafien leer offenbart. Die bloße Menschenkultur unserer Zeit, die in der raffiniert eingerichteten .Kulturfabrik" erzeugt wird, ist früherer Zeit unbestreitbar unendlich überlegen. Aber sie kann tiefe Lebenssehnsucht letzten Endes nicht befriedigen: die Einheit und Innerlichkeit der Seele geht verloren, wo sie das letzte Wort redet. Wenn gerade der Deutsche diese Schattenseiten des modernen Lebens besonders eindringlich empfindet, so liegt das an seinem Grundcharakter, der nun einmal die Eingliederung der verschiedensten Kulturgebiete in eine umfassende Weltanschauung verlangt. Deutsche Art ist es. nur mit einer Welt sich abzufinden, der ein geistiger Sinn, eine Seele innewohnt. Woran hat sich .das Suchen einen Haltes" zu orientieren? An demjenigen Wesenszuge im nationalen Charakter des deutschen Volkes, der allezeit das Beste seiner Art bedingt kat: dem Trachten nach einem inwendigen Leben, nach Durchgeistung und Verinnerlichung des Daseins, nach „Innenkultur", einem Streben, das unsere Nation in den klassischen Zeiten ihrer Entwicklung bei aller Freudigkeit der Arbeit in der sichtbaren Welt ausgezeichnet hat Die Treue und Gründlichkeit im Größten wie im - Kleinsten der Arbeitsaufgabe haben das Wirken in der Welt zu einer ethischen Macht erhöht, welche die Arbeit zu mehr als bloßem Mittel die sie zum Selbstzweck gestaltet haben. Der systematische Charakter der deutn Leistung, die sich nicht damit begnügt, auf bloßen Ausschnitten des