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Bibliographischer Vierteljahresbericht für die jüdische Literatur · 1914-06-01 · 1 (1.6.1914) · p. Seite 15

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Journal
Bibliographischer Vierteljahresbericht für die jüdische Literatur
Volume
1 (1914)
Issue
1 (1.6.1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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kein Hehl. Wie sie zumeist in Hamborg sich aufhält, so mochte man fast von ihr sagen, in ihr wohne etwas von der Art Hamburger Kaufherrn, jener großzügige Geschäftsgeist, der kein krämerhaft Feilschen kennt, stets die allgemeine wirtschaftliche Konjunktur vor Augen hat, alle Handelsplätze der Erde überschaut. Hiermit weiß Glückel eine geradezu rührende Zartheit des Gemütes zu einen; alle die Tugenden, die man dem jüdischen Stamm im Kreise seiner Familien nachrühmt, weist sie in unvergleichlicher Ausprägung auf Ihr ganzes Sein gründet sie jedoch auf du Fundament der väterlichen Religion. Die konzentriert sich für sie im Gebote der Nächstenliebe, das sie vor übler Nachrede warnt und sie bestimmt, wo sie .Widersacher and Nebenbuhler erwähnt, deren Namen zu vermeiden, ihr Tun zu entschuldigen nnd möglichst auf unbekannte Motive zurückzuleiten. Unerschütterlich vertraut sie auf Gott, der alles zum Besten fügt und hieniedeh sichtbarlich eingreift, der selbst im gleichgültigsten Zufall seinen heiligen Willen triumphieren läßt. » Der Herausgeber begnügte sich nicht mit einer wörtlichen Übertragung des judisch-deutsch geschriebenen Originals, das einst David Kaufmann zugänglich machte. Er kürzte Weitschweifigkeiten, nahm mancherlei Umstellungen vor, strich die eingeflochtenen erbaulichen Geschichten, von denen er im Anhang drei Proben vorlegt. In der Übersetzung ging von der Eigenart und dem Zauber des ursprünglichen Textes nicht wenig verloren; die Schuld darantrifft aber nicht so, sehr den Herausgeber als vielmehr die deutsche Sprache selbst, die zu glatt und abgeschliffen, gleichsam zu kultiviert ist, als daß sie noch Natürlichkeit und Naivität zu erschöpfen vermochte. Die reichlichen Anmerkungen wie auch die Stammtafeln am Schlüsse werden dem Historiker zustatten kommen, der in die Geschichte der deutschen Juden tiefer eindringen möchte. Dem geschichtsinteressierten Laien wird eine Seite der Memoiren mehr sagen als ein dickleibiger Geschichtsband. Über die Ausstattung etwas zu bemerken, erübrigt sich bei den neueren Veröffentlichungen des Jüdischen Verlages. Es steht zu hoffen, daß er recht bald die dritte Auflage in die Welt hinaussendet. Leipzig. __...................................... Dr. R. Lewin. Dr. Adolph Kohut, Gekrönte und ungekrönte Judenfreunde. 199 S. 8\ Berlin. Verlag Dr. Bäsch & Co., G. m. b. H. Das Buch möchte Waffen liefern im Kampfe gegen den Antisemitismus: es richtet sich besonders wider den latenten Judenhaß der sogenannten gebildeten Kreise und sammelt, ihn zu entkräften, eine Reihe judenfreundlicher Aussprüche hervorragender, tonangebender Christen. Der erste Abschnitt führt Fürsten, Päpste und Staatsmänner vor. An Benedikt XTV, der sich gegen die Blutbeschuldigung wandte, reiht er Jeröme Napoleon, den westfälischen König von seines Bruders Gnaden, unter dessen Zepter Israel Jakobson seine segensreiche Tätigkeit entfalten konnte. Daran schließt er die Königin Luise von Preußen, deren Berliner Einzug vom Dezember 1793 geschildert wird, den englischen Staatsmann Lord John Rüssel, der sich um die Zulassung der Juden zum Parlament Verdienste erwarb, König Maximilian II. von Bayern, dem kurz nach Regierungsantritt die Emanzipation seiner jüdischen Untertanen am Herzen lag, und Kaiser Friedrich ÜL,

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