Bibliographischer Vierteljahresbericht für die jüdische Literatur
- Journal
- Bibliographischer Vierteljahresbericht für die jüdische Literatur
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 1 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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i4 aas dem Hebräischen übersetzt. In ihnen klingt leise eine Art nationalistischer Tendenz an, die vielleicht ohne bewußte Absicht einfloß. Leipzig. Dr. R Lewin. Memoiren jüdischer Männer und Frauen: Dr. Alfred Feilchenfeld. Denkwürdigkeiten der Glückel von Hameln, aus dem Jüdisch- Deutschen übersetzt, mit Erläuterungen versehen und herausgegeben. 328 S. 8*. Berlin, Jüdischer Verla« 1913. Wer die Lage des jüdischen Büchermarktes kennt, für den besagt die Tatsache genug, daß hier ein ernst zu nehmendes Bach, das man nicht unbesehen der üblichen Unterhaltungsliteratur zuweisen darf, binnen weniger Monate eine zweite Auflage erlebte. Es handelt sich um die Aufzeichnungen einer Jüdin des 17. Jahrhunderts. Glückel von Hameln, also nach der Heimat ihres ersten Gatten benannt, entschließt sich nach dessen Tode zur Niederschrift ihrer Memoiren. Sie verfaßt zunächst fünf Bücher, die mit Kindheit and Elternhaus einsetzen, Vermählung und EheglückTHeranwachsen der Kinder and Aufblühen des Geschäftes behandeln und bis zum 43. Lebensjahr reichen. Zwei weitere fügt sie an, abermals Witwe geworden: sie setzen ihre Biographie fort und führen sie bis in ihr Alter hinunter, das ihr zu Metz im Hause der Tochter beschauliche Ruhe vergönnt. Ihre Absicht geht dahin, soviel ihr bewußt ist und soviel es sich hm läßt, von ihrer Jugend an zu beschreiben, was ihr noch eingedenk.ist, was ihr passiert ist. Sich selbst mochte sie damit die melancholischen Gedanken and che schweren Sorgen vertreiben, die schlaflosen Stunden kürzen: ihre Kinder aber sollen Bescheid wissen, von was für Leuten sie herstammen, .wenn heute oder morgen ihre heben Kinder oder Enkel kommen und ihre Familie nicht kennen.* Die vielfach unterstrichene Tendenz läuft darauf hinaus, das religiöse Empfinden ihrer Nachkommen unantastbar zu festigen. Welch eigener Reiz die Blätter umschwebt, läßt sich nicht leicht veranschaulichen. Er geht nicht von dem Gewandten oder Packenden des Stiles aus:'die Sprache entbehrt im Gegenteil alles Kunstmäßigen, ist einfach und naturwüchsig, die Darstellung von Schwerfälligkeiten nicht frei. Es sind auch keine aufregenden, welterschütternden Abenteuer, die an dem Leser vorüberziehen. Im Grunde werden vier Themen abgehandelt: Geburt and Tod, Heirat and Geschäft kehren stets von neuem wieder. Nor ausnahmsweise werden politische Dinge gestreift, kriegerische Verwicklungen berührt, das Umfassendste ist die Bewegung, die der falsche Messias Sabbatai Zewi aufwühlt. Was an den Aufzeichnungen vornehmlich fesselt, das ist der Charakter, der aus ihnen entgegenstrahlt, der Mensch, der sonder künstliche Scheu, ohne einen Zwang sich aufzuerlegen, in ihnen sich ausspricht bald im behaglichen Plauderton von seinen Freuden erzählt, bald sein Herz ausschüttet und kerne seiner Schwächen, seiner Sorgen verschweigt. Man gewinnt diese Frau unwillkürlich heb. Sie imponiert einem mit ihrem gesunden, nüchternen Wirklichkeitssinn, wie sie den Dingen ins Auge schaut, frisch eingreift, wenn kein Zögern am Platze, kräftig zupackt, wo es drauf ankommen mag. Sie weiß drum, was Geld in der Welt bedeutet, and macht — anfangs befremdet es vielleicht bei der Lektüre — aus seiner Wertschätzung