Bibliographischer Vierteljahresbericht für die jüdische Literatur
- Journal
- Bibliographischer Vierteljahresbericht für die jüdische Literatur
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 1 (1.6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Abschnitte gegliedert ist: ssagische Wlnacharten, magische Künste. Es werden behandelt: der Name, der Gottesname, Fsgerssmet). Dämonennamen, der böse Blick, Astrologie, magische Quadrate. Traumdeutung, Physiognomik. Gedankenlesen, Chiromantie, die Einwirkungen der Suggestion, Magie nnd Gebet. Beschwörungen. Besprechungen, Heilmittel u. a. — Das Schlußwort seiet die Lügenhaftigkeit der . Justus-Rohimg-Pran attischen" Verleumdung: der Sohar lehre den .Ritualmord". Bischoff schließt diese seine Ausführung mit folgenden Worten: .Früher sollte die Lehre und das .Ritual' des jüdischen .Blutmordes" gewöhnlich im Talmud stehen. Als dieser auch christlichen Gelehrten im Urtext immer bekannter wurde, hieß es. die Nachricht befinde sich in einer der von der christlichen Zensor ans dem Talmud ausgemerzten Stellen: da deren Zusammenstellung aber leicht im Bachhandel erhältlich, indessen nichts von dem Behaupteten darin zu finden war. wurde dem im Vergleich zum Talmud wesentlich unbekannteren „Schar** die Ehre zuteil, als literarische „Ritualmord"- oder ,J3Iutmord"-Quelle za dienen. Nunmehr ist es auch mit diesem Trick nichts mehr! Es gibt tatsächlich im ganzen „Sohar** keine einzige Stelle, welche mit Recht im Sinne eines „Blutrituals" ausgelegt werden könnte " Bischoff ist kein objektiver Darsteller der Kabbalah, sondern als Mitbeteiligter, als „Adept" auch ihr Apologet. Panegyriker und Propagator. Er will nicht bloß durch eine gemeinverständliche Einführung den gebildeten Leser mit kabbalistischer Weltanschauung und Betrachtungsweise der Erscheinungen bekannt machen, sondern ihn auch für sie gewinnen. Er sagt nicht bloß, was die Kabbalah ist, sondern auch was sie dem Menschen ist: das einzige wahre Heil. Kabbalah oder Banausentum — ein drittes gibt ea nicht So sprechen die alten Kabbalisten. so die Schiler des „Beseht", die die nicht chassidisch-kabbalistischen Gelehrten als „Schedim" bezeichnen, so auch der protestantische Forscher Erich Bischoff. der seine christlichen und jüdischen nicht mystisch-kabbalistischen Kollegen ebensowenig sanft anfaßt und ausdrücklich erklärt: „ich gestehe die volle Absichtlichkeit meiner Unfreundlichkeit eis, mit der Begründung, daß es für mich nun einmal keinen größeren Scheuet und Greuel gibt als die heuchlerische und leugnerische, alles Obersinnliche verrationalisierende, alles Tiefe verselchteade und alles unbequem Echte unterschlagende, ebenso zerfahrene wie zerfasernde, hier ätzende, dort schwätzende, bald freche und bald feige, wissenschaftlich wie religiös absolut unfruchtbare und trostlose Theologafeterei dar „klingenden Schelle", deren Hanptakteure leider hüben und drüben auf dea maßgebenden „Stühlen Mosis" (Kanzeln und Kathedern) nisten". Eine solche Darstellungsweise ist natürlich von wissenschaftlichem Gesichtspunkt ans von geringem Wert: aber gerade dieser Subjektivismus und diese Begeisterung sind es. die Bischoffs Arbeit vor dem größten Usglück bewahrt haben, das einem populären Buch widerfahren kann: tot der Langeweile, die bei trockener Behandlung eir.es derartigen Stoffes unvermeidlich ist In der Tat werden Bischoffs „Elemente der Kabbalah" selbst von den entschiedenen Gegnern seines Standpunktes als ein interessantes Buch angesprochen werden müssen. Wien. "- V. Aptowitzerv