Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 12 (12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 312 (sequence 22)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4884546-5428396-5428438--341-4884866- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
_ s tung von hohem sittlichem Werte ist, kann daraus nicht geschlossen werden, das» alle, die auf dem Gebiete dieser Hilfeleistung weniger oder nichts sittlich Wesentliches geleistet haben, deshalb auch schon jenem Andern an sittlichem Werte ihres Lebens unterlegen sein müssen. Der eine oder der andere kann auf anderem Gebiete, auch ohne Mengenrekord, seinen helferischen Ernst betätigen. Uebersieht man dies und vielleicht auch noch, dass es nicht bloss Hilfeleistungen im Materiellen sondern auch im Geistigen gibt, — dann kommt man leicht zu Absurditäten, z.B. dazu, den sittlichen Wert des Wilnaer Goaun geringer einzuschätzen, als den eines Menschen, der in nicht hoch genug zu bewertender Aufopferung sein Leben ebenso intensiv wie uneigennützig in den Dienst der Armen und Kranken stellt. Der sittliche Rang von Hilfeleistungen ist also im allgemeinen nicht nur nicht von ihrer Menge, sondern auch nicht von ihrer Art abhängig. Wohlfahrtpflege. Wenn der Helfende seelisch beteiligt ist, so liegt es nahe, dass er nach Möglichkeiten sucht, den Hilfsbedürftigen nicht nur über den Augenblick "hinüberzubringen, sondern ihm auch auf die Dauer zu helfen. Diese Möglichkeiten sind in den meisten Fällen nur dann vorhanden, wenn sich eine grössere Gruppe zusammentut, um sie für die eine oder andere Art von Hilfsbedürftigen zu schaffen. Man spricht dann von Wohlfahrtspflege und es kann — kein Zweifel daran sein, dass hingebungsvolle Beteiligung an ihr wertvollste /tac/untmarbeit ist. Man verfalle aber nicht in den Fehler, der Wohlfahrtspflege zuliebe die Wohltätigkeit zu vernachlässigen. Es gibt eine ungeheure Zahl von Fällen, in denen überhaupt oder bis auf weiteres nur Wohltätigkeit in Frage kommt, die übrigens auch in zu be- ' stimmten Wohltätigkeitsrwecken zusammengeschlossenen Gruppen geübt werden kann. Ausserdem ist nicht zu übersehen, dass die Losung „Wohlfahrt statt Wohltätigkeit" oft dazu missbraucht wird, die eigene Unlust zum Helfen und Geben zu verdecken — umsomehr, als dies bei gruppenweisem Hilfsbetrieb leichter gelingt. HiWt, Wo diese Verdeckungstendenz, bewusst oder unbewusst," besteht, kann von Rachmim keine Rede sein. Es ist dann nur noch ein Unterschied, ob der Hilfszweck der Gruppe so geartet ist, dass er auch bei seelischer Teilnahmslosigkeit vieler Angehöriger der Gruppe bloss durch das Vorhandensein einer sittlich ernsten Führung und Verwaltung erreicht werden kann, oder ob er so beschaffen ist, dass alle Teilnehmer oder die Mehrzahl von ihnen 312