Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 12 (12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 311 (sequence 21)
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Der Möglichkeiten, die Würde des Unterstützten zu verletzen, gibt es unzählige. Es wäre vergebliches Reginnen, sie aufzählen zu wollen. Im allgemeinen kann man sagen: Das Verhalten gegenüber dem Hilfsbedürftigen darf nicht so sein, dass er in seinem Selbstbewusstsein, in seiner Ehre, in seinen Aspirationen, ja auch nur in seinen Illusionen gekränkt und geschwächt wird. Namentlich soll man ihm in Fällen ökonomischer Hilfeleistung so entgegenkommen, wie man ihm entgegenkam, als er noch nicht hilfsbedürftig war oder entgegengekommen wäre, wenn man ihn damals gekannt hätte. Im übrigen kommt es in jedem Falle auch auf die Persönlichkeit und die Lebensumstände des Unterstützten an. Man soll wohl auch unangenehme, anmessende und verkommene Menschen, wenn sie auf Hilfe angewiesen sind, mit Schonung behandeln. Doch ist es andrerseits verzeihlich und stempelt noch nicht zum schlechten Menschen, wenn .man angesichts besonderer Frechheit oder Verkommenheit eines Hilfesuchenden diese Schonung nicht mehr aufbringt. Es ist keine sittliche Pflicht, Leuten zu geben, von denen man bestimmt weiss, dass sie ihre Hilfsbedürftigkeit (bedrängte wirtschaftliche Lage, Krankheit, sonstige unglückselige Verhältnisse) nur vortäuschen. Ja, es ist sogar, falls es aus einer Art Bequemlichkeit geschieht und so seelisches Unbeteiligtsein beim Geben verrät, ein sittliches Manko. Nur, Wenn ihm nicht Bequemlichkeit, sondern eine Art gütiger, nicht gerne sich versagender Weichheit zugrunde liegt, kann man es nicht so nennen. Aber auch dann ist es ebenso wie im ersten Fall ein Unrecht an wirklich Hilfsbedürftigen, die dadurch verkürzt werden. Wertstufung der Hilfeleistungen. Eine Wertstufung der Hilfeleistungen einfach nach der Leistungsmenge, ob man mehr oder weniger Kräfte, Zeit oder Geld auf die Hilfeleistung verwendet, ist durchaus abwegig. Nur wo sich aus der Menge der Leistung auf eine entsprechende Intensität schliessen lässt, ist ein Anhaltspunkt für die Wertbestimmung der Leistung gegeben. Doch auch nicht mehr als ein Anhaltspunkt. Denn abgesehen davon, dass auch bei geringen Leistungsmengen eine hohe und umgekehrt bei grossen Leistungsmengen eine geringe Leistungsintensität vorkommt, — kann auch eine hohe Leistungsintensität mit einem schwachen seelischen ßeteiligtsein - und umgekehrt eine geringe Leistungsintensität mit einer starken seelichen Beteiligung verbunden sein. Aber auch dann, wenn es sicher ist, dass Jemandes Hilfeleis- 311