Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 12 (12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 308 (sequence 18)
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Mit der Erfülling der messianischen Menschheitsaufgabe ist aber für das Judentum eine innere Erneuerung im Schosse der eigenen Gemeinschaft unlöslich verknüpft. Denn diese ist heute ohne Saft und Kraft, ihre religiöse Glut gleicht heute der fast licht-und wärmelosen Stichflamme, die an Gasapparaten die Kontinuität des Brennprozesses aufrecht erhält. Erst wenn diese wieder in lodernde Piamme umgeschlagen sein wird, wird sie auch die Umgebung erleuchten und erwärmen können. Erst wenn das Haus Jacob zum Feuer und das Haus Josef zur,/' Flamme geworden ist, können sie das Stroh des Hauses Esau verbrennen1). Dieser Ausblick ist aber gleichzeitig immer ein Rückblick. Die Hoffnung auf die messianische Erneuerung kleidet Israels Gebet in die Worte: Gott möge in Erbarmen wieder nach Zion zurückkehren, „dass wir Dir dort dienen in Ehrfurcht wie in den Tagen der Vorzeit und in den Jahren der Vergangenheit." Es ist also nichts unbedingt Neues, was Israels messianische Hoffnung erwartet, sondern die Heimkehr zu jenem Geiste, der einst Israel im Lande seiner Väter erfüllte. Darum bezeichnet auch der Schlussvers aller Prophetenbücher es als Aufgabe des Propheten Eliohu, „den Geist2) der Ahnen zu den Enkeln zurückzubringen und den Geist der Enkel zu den Ahnen". Er wird dazu berufen und befähigt sein, den echten Geist der Ahnen den Enkeln wieder nahezubringen und dadurch den Geist der Enkel selber zu wandeln und ihn dem der Ahnen wieder zu nähern. Dann werden — von göttlichem Geiste erfüllt — Israels heut dürre Gebeine wieder Saft und Leben bekommen3), und mit der Kraft dieser Auferstehung wird Israel „zum Lichte der Völker"4) werden. Die messianische Zeit ist der Jungbrunnen, in den Gott die Menschheit tauchen lässt, wenn sie alt und morsch, geworden ist. Ursprungsquelle dieses Jungbrunnens zu werden, ist des jüdischen Volkes grosse, aber auch schwere Aufgabe. .►" Die messianische Idee des Judentums ist aber in ihrem Gehalt mit dem Bisherigen noch nicht erschöpft, sie hat vielmehr — zum mindesten in der rabbinischen Literatur — noch eine zweite, übertragene Bedeutung, die allerdings mit der ersten aufs innigste zusammenhängt. Bezog sich der ursprüngliche Sinngehalt nar auf einen einzigen Punkt im Ablauf ') Obadx I. 18. vgl. Sechar|a 12.6. *) .Lew'' hat — nach den vielfachen Angaben des jüdlachen Schrifttums — nicht die gleiche Symbolbcdeutunq wie da* deutathe .Herz", vielmehr einen stark intellektuellen Einschlag.- Das deutsche Wort .Geist" gibt das wohl ziemlich gut wieder („scharfer Geist und .froher Geist".) *) Et. Cap. 37. «J ]ct 12.6 und 49.6. JOS