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Der Aufstieg · 1932-12-01 · 12 (12.1932) · p. Seite 307

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
12 (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
Seite 307 (sequence 17)
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Bringer eines /neuen, besseren Aeons. Dabei gilt für das Judentum als Kern und Zentrum aller geschichtlichen Entwicklung die religiöse Einstellung der Menschen. So wie es auch Goethe einmal ausgesprochen hat1), dass „das eigentliche, einzige und tiefste Thema der Welt-und Menschengeschichte, dem alle übrigen untergeordnet sind, der Konflikt des Unglaubens und Glaubens bleibe". Es ist nun aber nicht etwa so, dass die messianische Zeit eine Epoche darstellt, in der es nur Edelmenschen gibt, denn von ihr heisst es ja Jes. 11.6: „Es werde der Wolf mit dem Lamm wohnen '. es wird also auch dann noch „Wölfe" geben, auch dann wird das Raubtiermässige nicht aus der Menschheit verschwunden sein, nur Schaden wird es nicht mehr anrichten, weil das religiös-sittliche Element die Oberhand hat: „Man tut nichts Böses und nichts Verderbliches auf meinem ganzen heiligen Berge, denn voll ist die Erde der Erkenntnis Gottes, wie Wasser das Meer bedecken" (Jes. 11,9). Von dem hier dargelegten aus kann auch die so heftig umstrittene Frage: Persönlicher Moschiach oder nicht? einer neuen Beleuchtung unterzogen werden. Solange man mit der konkreten Erwartung einer messianischen Zeit nichts anzufangen weiss und die Verwandlung in eine abstrakte Idee für eine Notwendigkeit ansieht, solange ist selbstverständlich auch für einen persönlichen Moschiach kein Raum. Befreunden wir uns aber erst einmal ernsthaft mit dem Gedanken, dass die Menschheitsgeschichte nach ebenso ewigen Gesetzen abläuft, wie die Bohnen des Sternenhimmels, dass sie, religiös gesprochen nach einem göttlichen Weltenplan gestaltet wird, dann macht auch die Annahme eines persönlichen Moschiach keine Schwierigkeiten. Fassen wir diesen im Sinne der bisherigen Darlegungen auf, so wäre er ein von Gott gesandtes, einzigartiges religiöses Genie, das eine neue religiös-sittliche Entwicklung der Menschheit einzuleiten berufen wäre. Wo immer wir aber hinsehn in der Geschichte, steht im Mittelpunkt religiöser Erneuerungen eine grosse schöpferische Persönlichkeit, wie etwa —' um nur das nächstliegende Beispiel aus der jüdischen Geschichte herauszugreifen — Israel bal Schern für die Entstehung der chassidischen Bewegung darstellt. Die messianische Hoffnung des Judentums geht nun speziell dahin, dass noch einmal, und zwar in Unerhörter Stärke und Tiefe, vom Judentum aus eine religiöse Erneuerung der Menschheit erfolgen und dass ihr erster Anstoss und ihr Zentrum ein gottbegnadeter Sohn des jüdischen Volkes sein wird. Man sieht, die echte und ursprüngliche messianische Idee ist durchaus nicht so wirklichkeitsfremd und utopistisch, wie moderner — ach so unendlich seichter 1 — Zeitgeist sich gewöhnlich einbildet. ') West-Östlicher Diwan. Notes und Abhandlung*« 307

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