Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 12 (12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 299 (sequence 9)
- Belongs to
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Den Hauptton legt er bei seinen Planen auf die hebräische Sprache, die allmählich so weit gebracht werden soll, dass sie als Unterrichtssprache, wenigstens für die judischen Fächer, dienen kann Den Vorzügen des Buches resp. des Verfassers entsprechen ihre Schwächen. Dr. Fink ist nicht nur ein mutiger Mann von weitem Horizont, sondern auch von einer bis an die Grenze des Möglichen gehenden Eigenwilligkeit und durch diese — trotz der kühnen. Lebensgestaltung weisenden Gedanken — in „aufklärerischen" Motiven befangen. Daher der bildungsphiliströse Unterton in seinem Programm einer stolzen, welterschlossenen Orthodoxie. Daher gewisse Einzelheiten in seinen Bildungsvorschlägen, die danach angetan sind, die ostjüdische Orthodoxie, an die er sich ja in erster Linie wendet, ganz kopfscheu zu machen. Daher seine gar zu summarische Einstellung zu den Ostjuden, mit denen er es ja im Grunde gut meint. Daher das starke Hervortreten des nationalistischen Elementes in seiner hebräischen Sprachbegeisterung Daher endlich sein hemmungsloser Hass gegen die jiddische Sprache. — ein Hass. der mit vollkommen unbedachten und der Wissenschaft ins Gesicht schlagenden Attributen und mit grellen Schimpfworten arbeitet; ein Hass. wie er heute selbst bei zionistlsch-hebraistischen Fanatikern und bei Assimilations-)uden ausgestorben ist und wie er. so wild um sich schlagend, nicht einmal dem seligen Graetz eigen war; ein Hass, der das eine Gute an sich hat, vollständig unschädlich zu sein, (Im übrigen bin ich der Ueberzeugung. dass es nicht dieser Hass war, der Dr. Fink veranlasste, die Uebersetzung seines deutschen Manuskriptes Jemandem anzuvertrauen, der ein jiddisch schreibt, das keines ist). Selbstverständlich brauchen wir uns von all diesem Negativen nicht die Freude an dem Buche verderben zu lassen. Gleichgiltig auch, ob man. sich durchaus seinen Gedankengängen und Forderungen anschliessen kann oder nicht und ebenso gleichgiltig. ob die an die „Agudas )isroel" und den ..Keren hatauroh", namentlich inbezug auf Einführung eines neuen Unterrichtssystems gestellten, an sich meist guten Einzelvorschläge Aussicht auf Annahme haben — so viel ist jedenfalls sicher: da ist „mal was anderes" und noch mehr, da ist mal was. das sich in wichtigen prinzipiellen Punkten mit •den'im „Aufstieg" vertretenen, mit den Aulim-Ideen begegnet. Soeben ist im Verlage „Bajs jakow" in Lodz eine neue Arbeit von Dr. Salomo Birnbaum, dem fachmännischen Repräsentanten der orthodoxen Bewegung für Jiddisch, erschienen. Wir werden die uns nach Schluss des Blattes zugegangene Schrift, die den Titel „Jiddisch werter-bichl" führt und über Orthographisches und Grammatikalisches informiert, in der nächsten Nummer besprechen. Uriel Birnbaum. — Volk zwischen Nationen. Ein zurückgewiesener Beitrag zu dem Sammelwerk "Der Jud ist ^schuld...!" — Wien 1932. im Selbstverlage des Verfassers. In dieser Broschüre behandelt der Maler und Dichter Uriel Birnbaum das so umstrittene Judenproblem mit jener Rücksichtslosigkeit gegen moderne Massenpsychosen und gegen den eigenen Vorteil, die nur absolut Ehrlichen, mit jener Klarheit, die nur Jenen eigen ist, die sich ihr Urteil nicht an der Oberfläche, sondern in der Tiefe des Wesens der Dinge holen. Wie der reine Stil den Künstler, verrät die Wucht, mit der die Gedanken ausgedrückt werden, den bis zu Stahlharte unbeugsamen Charakter des Verfassers. Der Züricher Zinnen- Verlag war an Uriel Birnbaum mit dem Ersuchen herangetreten, für das von Dr. N. H. FUER FREUNDE DER JIDDISCHEN SPRACHE. , \ „DER JUD IST SCHULD...! 299