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Der Aufstieg · 1932-12-01 · 12 (12.1932) · p. Seite 300

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
12 (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
Seite 300 (sequence 10)
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Antisemiten. Juden und Neutralen bestrittene Sammelwerk über den Antisemitismus "Oer )ud ist schuld...!" einen Beitrag zu liefern. Trotz Zusicherung völliger Meinungsfreiheit verlangte aber der Verlag später die Streichung mehrerer Stellen und gab. als der Verfasser dieses Ansinnen zur Wahrung der Grundtendenz seines Aufsatzes ablehnen zu müssen glaubte, die schon völlig druckfertig gesetzte Arbeit in letzter Stunde dem Autor zurück, der sie nun als selbständige Broschüre veröffentlichte "Es ist bezeichnend", heisst es in der Vorrede der Schrift, „dass die Stellen, deren Unterdrückung der Zinnen-Verlag versuchte, gerade solche waren, die sich gegen den linksradikalen Ungeist innerhalb der Juaenheit und gegen einige seiner Vertreter wandten..." Und es ist erfreulich, dass Uriel Birnbaum, nunmehr aller Rücksichten ledig, jene dem Zinnen-Verlag anstössigen Stellen durch verschärfte Herausarbeitung nur noch wirksamer gestaltete. Birnbaum unterscheidet scharf zwischen dem Judenhass als einem ewigen Phänomen und seiner heutigen, so fürchterlich gesteigerten Erscheinungsform. Für das Anwachsen des Judenhasses seit dem Weltkrieg macht er eben diesen und seinen Ausgang verantwortlich. Der Sieg der nationalistischen Idee im sogenannten Selbstbestimraungsre'cht der Völker, die Erhebung des Nationalstaates zur einzig möglichen Staatsform, die Ersetzung des Staatsbürgerbegriffes durch den Volksbürgerbegriff, musste am schwersten die Juden treffen, da sie dadurch überall zu Eindringlingen und Fremdlingen gestempelt wurden. Und als sie im Zionismus den europäischen Nationalismus nachahmten, entgingen die jenem Schicksal auch in Palästina nicht, wo sie ja wieder nur ewig bedrohte Minorität sind. Noch weniger aber halfen den Juden ihre Versuche, sich allüberall den umgebenden Völkern zu assimilieren; sondern diese Assimilationsbestrebungen förderten, durch Vermehrung der Reibungsmomente, den Judenhass nur noch mehr. Am deutlichsten zeigt dies, wie der Verfasser mit zahlreichen Zitaten erhärtet, die Geschichte gerade des deutschen Antisemitismus, der sich immer schärfer zu einer Ausscheidung jedes jüdischen Einflusses zuspitzt. Die Ablehnnng des Alten Testamentes, ja* sogar des Christentums als semitischer Elemente, die Erhebung des Rassentums zum tatsächlich angebeteten Götzen, stellt die letzte Phase dieser Entwicklung dar. In der Zurückführung dieses neuen Götzendienstes auf das alte Heidentum und auf die Gnosis liegt .einer der wertvollsten Gedanken dieser Schrift. M't vielleicht noch grösserer Schärfe arbeitet Uriel Birnbaum die Mitschuld der Juden selbst am Judenhass heraus. Diese Schuld findet er in der offenbar uralten Neigung der Juden zur Assimilierung, die sich ja nicht nur auf Völker, sondern noch mehr auf Ideen beziehen kann. Darum sagt er: "Die heute gefährlichste, für das Anwachsen des Judenhasses meist verantwortliche Abart jüdischer Assimilationsgier ist zweifellos das Sympathisieren weiter jüdischer Kreise mit der sozialistischen Weltbewegung und dem Bolschewismus." Mit prophetischem Zorn schildert er die Verseuchung des jüdischen Geisteslebens mit solchen ganz unjüdischen Ideen, brandmarkt er insbesondere jene noch religiösen jüdischen Kreise, die die Verteidigung des Judentums gegen den Antisemitismus gerade den unleidlichsten Vertretern eines pseudojüdischen Sozialismus überlassen. Und mit diesen international verbündeten Menschen selbst rechnet er mit schonungloser Namensnennung und mit ebenso schonungslos kennzeichnenden Zitaten ab. -.--- Vom religiösen Standpunkt aus hält Uriel Birnbaum den Judenhass für notwendig zur l'rhaltung des Judentums und vermeidet daher jeden Vorschlag zu endgültiger Lösung des Problems. Nur eine UeberWindung der gegenwärtigen krassesten Auswüchse des Antisemitismus erörtert er. Auch hier sieht er aber wenig Hoffnung, solange das Nationalstaatsprinzip an der Herrschaft bleibt; denn "hur dort, wo die staatlichen Machtmittel nicht dem Willen einer einzelnen Nation ausgeliefert sind, ist ein so unbedingtes Minderheitsvolk, wie das jüdische, vor den ärgsten, nämlich den gesetzlichen Ausartungen des Judenbasses gesichert. 300

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