Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 12 (12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 296 (sequence 6)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4884546-5428396-5428438--325-4884850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nackte Pogrom war. Und jetzt fällt ihnen nicht auf. dass ihnen die eingetretene Erleichterung auch nicht einmal zum kleinsten Teile von ihren „politischen" Kampagnen, sondern von Vorgangen ausserhalb ihrer Sphäre — Uebergang der Regierung an Papen und Wahlen vom 6. November — gekommen ist. Jetzt sehen sie auch nicht, dass sie trotz der Erleichterung noch nicht ruhig sein dürfen, solange sich nicht die Stimmung der Masse des deutschen Volkes gegenüber den Juden zumindest einigermassen beruhigt hat und dass Hiese Beruhigung nicht früher eintreten wird, als bis die bisherigen „politischen" Methoden aufgegeben sein werden und auf eine friedllch-schiedliche Auseinandersetzung in Wort und Tat hingearbeitet sein wird. Es ist dies allerdings eine Arbeit auf lange Sicht. Was jedoch die Arbeit auf kurze Sicht — diese Flucht vor der Klarheit — wert ist. das haben ja lange Jahrzehnte einer immer bittereren Erfahrung gezeigt. EINS, ZWEI, DREI, VIER, FUENF! Der Rat der Volkskommissare, die oberste Staatsbehörde des Sowjet Paradieses, hat sich mit neuem Ruhm bedeckt. Er hat einen Fünfjahrplan für die vollständige Ausrottung der Religion ausgearbeitet Für das letzte der fünf Jahre — 1936/37 — rechnet er mit dem Ergebnis, dass der Gottesbegriff aus dem Herzen des Volkes ganz ausgemerzt sein wird..... Wir haben in dem Plane wohl das letzte ■ Verzweiflungsmittel dieser ausgedörrten Golem-Seelen zu sehen. Sie mögen nur planen: sie werden den Gottesfunken nicht austreten. Zuletzt wird er zur Flamme werden, der sie verzehrt. DAS ZWICKELPROBLEM. Die freiwilligen und unfreiwilligen Witzblätter der freigeistigen Welt und ihrer Umgebung haben ein Fressen vorgeworfen bekommen, an dem sie sich delektieren. Das Preussische Innenministerium hat einen Erlass herausgegeben, durch den es gewisse öffentliche Schamlosigkeiten eindämmen wollte. Grund genug, um sich über die Behörde lustig zu machen und so lange zu querulieren, bis alles wieder fast so blieb, wie es seit langem war. Allerdings, was kann schon cm Zwickel-Er'ass helfen, wenn das Volk schon so weit gekommen ist. dass man von ihm ausdrücklich den Zwickel verlangen und ihm schliesslich einige Streifen Nacktheit mehr konzedieren muss? KONSEQUENZ. Das offizielle ..Gemeindeblatt" der Jüdischen Gemeinde zu Berlin widmet den ganzen publizistischen und feuilletonistischen Teil seiner November-Nummer dtm Andenken Spinozas. Falls keine Desavouierung der Redaktion durch den Gemeinde-Vorstand nachfolgt. — was wir noch immer hoffen — hat die Wiener Jüdische Gemeinde, die vor einiger Zeit Freud, den bekannten Psychoanalitiker und Verfasser der religionsfeindlichen und gottesleugnerischen Schrift „Das Ende einer Illusion" zu ihrem Ehrenmitgliede ernannte, in der Berliner Gemeinde eine ebenbürtige Schwester bekommen. Jetzt fehlte nur noch, dass beide Gemeinden sich zu einer. Anti-Gottlosen Aktion bewegen lassen — .was ja an sich zu begrüssen wäre — um den tragischen Mangel an religiösem Ernst im modernen jüdischen Gemeindetum voll aufzuzeigen. GEISTIGE OFFENSIVE TUT NOT. _ In der Deutschen orthodoxen Jugend ist gerade nicht zuviel Auftrieb zu bemerken. Umsomehr ist die Stimme eines jungen Mannes—wir wollen ihn Abo 296