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Der Aufstieg · 1932-12-01 · 12 (12.1932) · p. Seite 295

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
12 (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
Seite 295 (sequence 5)
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der deutschen OefFentllchkcit nacht mich nicht irre Ich weiss, was Religion bei einem — erschreckend grossen — Bruchteil meiner Volksgenossen gilt . — Wenn heute auf diesen mehr als I"] Jahre zurückliegenden Briefwechsel von mir hingewiesen wird, so hegt, ausser dem durch die Aufsätze von Dr. Kindermann neu und dringend in die jüdische Oeffentlichkeit hinausgegangenen Appell in dieser Sache, noch ein weiterer Grund vor. Die Vorgänge vom November 1930. soweit sie die Anteilnahme eines Vertreters des deutschen Judentums betreffen, haben neuerdings eine gewisse Aktualität erlangt durch einen in diesen Wochen ans Licht gebrachten Brief des Herrn von Papen. Herr von Papen, einer der Begründer des Deutschen Bundes zum Schutz der abendländischen Kultur, hatte unmittelbar nach jener Berliner Veranstaltung Anlass, einem jüdischen Herrn im Westen Deutschlands über eine die Juden betreffende Aeusserung seines dort (im Westen) gehaltenen Vortrags Aufschluss zu geben. Er hat das in einem Schreiben vom 22. 1L_1930 mit folgenden Worten getan: ------ 1 „Zur Beantwortung des gfl. Schreibens vom 20. 11. darf ich ausführen, dass es mir natürlich ganz fern gelegen hat. das Judentum in seiner Gesamtheit verantwortlich machen zu wollen .... Wie objektiv ich - in dieser Hinsicht denke, mögen Sie daraus ersehen, dass der von mir ins Leben gerufene „Bund zum Schutz der abendländischen Kultur" in seiner ersten grossen Protestversammlung im Berliner Sportpalast — vor wenigen l'agen — neben den Vertretern der christlichen Bekenntnisse den Kölner Rabbiner hat auftreten lassen, um die gemeinsame Front gegen den Bolschewismus zu demonstrieren". „Die gemeinsame Front gegen den Bolschewismus". Das damals von Herrn von Papen ausgesprochene Wort ist -mehr als eine gelegentliche Aeusserung. Wir glauben bestimmt, dass auch der Reichskanzler und Reichskommissar sich dazu bekennt. Und ebenso haben w i r uns dazu zu bekennen. Wenn Juden in unseren Tagen leiden, so schmerzensreich wie nur je in jüdischer Geschichte, um deswillen allein, weil sie zu Gott und Religion stehen: so haben sie Anspruch auf unsere Anteilnahme. Nicht zuerst und allein, weil es sich um Glaubensgemeinschaft handelt. Sondern weil, wo es um Gott und Religion überhaupt geht, nostra res a g i t u r und durum in dem uns zustehenden Bereich auch verfochten werden muss — als ein Teil der allgemeinen Aufgabe, die, wie ich damals schloss, „jedem an sich, allen miteinander" obliegt „für Gott und für die Menschhej t". Köln. August 1932. Rabbiner Dr. Rostnthal. BEMERKUNGEN. In dieser Rubrik sollen Geschehnisse auf ihren Hintergrund $der auf ihre Wirkungen hin in möglichster Kürze besprochen werden; auch Bucherseheinungen und sonstige literarische und künstlerische Ereignisse, -die ja auch Geschehnisse Im gesellschaftlichen Leben sind — doch, weil so betrachtet, ohne alle literatenhafte Ambition. Und ei muss auch nicht gerade immer Neue tes sein, wozu wir unsere Bemerkungen machen. Wenn Aelteres da ist. das auf noch Wirksames oder auf noch mögliche Wirksamkeit hinweist, so wollen wir es nicht deshalb übergehen, weil an seinem Beginn wir noch nicht da waren. WAS-NÜN? Drei Tage wollte Hitler Herr der Strasse sein. Hindenburg lehnte dankend ab. Die deutschen Juden aber hatten gar nicht gewusst, wie nahe ihnen der 295

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