Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 12 (12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 294 (sequence 4)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4884546-5428396-5428438--323-4884848- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
versteigen sich aber in "der Bewertung der bisherigen, nichts weniger als grossartigen orthodoxen Leistungen zu grosser Unbescheidenheit. Und. indem sie sich so versteigen, versperren sie dem Aufstieg den Weg. Oder halten ihn wenigstens noch eine Weile auf. Die letzte Entscheidung geht eben zwischen „letztem Aufgebot" unchden Aufsteigenden. DIE VERFOLGUNG DER JÜDISCHEN RELIGION IN SOWJETRUSSLAND. HERR VON PAPEN UND DER KÖLNER RABBINER. . An dieser Stelle hat vor kurzem Dr. Karl Kindermann aus Eindrücken, die er während seines zweijährigen Aufenthaltes in den Kerkern der Moskauer Tscheka empfangen hat, erschütternde Einzelheiten mitgeteilt über die Verfolgung der jüdischen Religion in Sowjetrussland, wie sie sich aus der Religionspolitik des Bolschewismus zusammen mit der Tätigkeit der russisch-jüdischen Kommu- . nisten entwickelt hat. Dabei wird hingewiesen auf die „betrübliche Tatsache, dass bis vor kurzer Zeit kaum der Versuch unternommen wurde, die gläubigen Kreisein Deutschland zu einem mutigen Auftreten gegen die Religionsverfolgungen der Sowjetgottlosen zu veranlassen. Nur Rabbiner Dr. Rosenthal- Köln und Dr. Nathan Birnbaum-15 erlin haben ihre Stimme mahnend und beschwörend erhoben und die Notwendigkeit einer Aktion des deutschen Judentums zu Gunsten der zahllosen Märtyrer im Osten Europas betont". Angesichts dieser Erinnerung an meine Teilnahme an der antibolschewistischen Veranstaltung des Deutschen Bundes zum Schutz der abendländischen K u I t u r im Berliner Sportpalast am 16. November 1930 und ihrer ebenso einwandfreien wie traurigen Rechtfertigung aus berufener "Feder, dürfte es nicht ohne Interesse sein, die damalige Einstellung massgebender jüdisch-publizistischer Instanzen in Deutschland heute kennen zu lernen. Eine Schriftleitung schrieb mir als Antwort auf mein geäussertes Erstaunen über ihr Stillschweigen zur ganzen Veranstaltung: „Es hat sich inzwischen herausgestellt, dass diese Veranstaltung durchaus politisch nicht so eindwandfrei aufgezogen war. wie der Eindruck auf den Aussenstehenden sich darstellt. Durch diese Kundgebung gegen die Sowjetunion steigt die jüdische Religionsgemeinschaft in die politische Arena herab, und die Kundgebung hat in politischen Kreisen recht böses Blut gemacht, weil man den Religionen nicht das Recht zugesteht, sich in rein politische Dinge zu mischen. Vielleicht sind Ihnen auch die wahren Verhältnisse in Russland nicht derart bekannt. De Sowjetregierung, für die wir keineswegs einstehen wollen und deren Pehler Vir öfters schon gegeisselt haben, schützt die Juden als solche wie kein anderer Staat vor eigentlichen antisemitischen Ausschreitungen, und eine Stellungnahme gegen die Sowjetunion kann unseren Glaubensgenossen nur schaden". In meiner Antwort gab ich zunächst einige Aufklärung Uber die Vorgeschichte des mir erteilten Rede-Auftrags, der zugestandenermassen „hinter ' den Kulissen" starkes Befremden erregt hatte, und führte weiterhin u.a. aus: .„De Verhältnisse in Sowjetrussland sind mir nicht ganz unbekannt, weder aus allgemeinen noch aus jüdischen Quellen. Des russisch-jüdischen Problems furchtbarer Problematik bin ich mir klar bewusst: an die Stelle der Judenverfolgung ist die Religionsverfolgung getreten. Höher noch als das Judentum (verstehen Sie mich recht!) stehen Gott und sein Sittengesetz. Aus diesem Ressentiment heraus habe ich gehandelt; auch nur mit einem Satz und in wenigen Worten jüdische Religionsanfechtung gestreift. — De unterschiedliche Stellungnahme 294