Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 11 (7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 282 (sequence 16)
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Publizisten von betandorer dcnkci ischer Qualität halten. Nun aber enthüllt er »ich um in einem Aufsatz „Au&erwähltes Volk" — das Thema war ihm von der Kedaktiuii gegeben — als eui Mann von euier gewissen religiösen Bedingtheit, auch bei der Beurteilung des judiscnen Volkes und sevner Schickaale. Die Juden, ug. 11 wann „uu.sci v.anli, wählen zu üuiku, aber auch wählen zu müssen — klarer, eindeutiger, absoluter als die übrige Menschheit" und wählten statt der Zeiitralgestalt des Ctiristentums „die irdische Macht, die Macht des Geldes". „Und sie haben die Verachtung: Knies der grossten "göttlichen Wunder, wenn man bedenkt, wie sehr irdische Macht, und zumal die des Keichtums, im allgemeinen geachtet wiid." Und er sc-nhosst nach niehilucher Variierung dieses Gedankens mit den Worten: „Ich habe nicht die Absicht, die Juden zu schmähen — das sieht man diesen Zeilen hoilciilhch an. Uiuiotig zu sagen, dass ich jeden Pogrom an i inem „ausei wählten Volk'' iur das grossie aller denkbaren Verbiechen halte. Auch irgendeine Entrechtung, in der ich nichts weiter als einen legalisierten Pogrom st iii . wair lui mich kaum etwas besseres. Lue Weihe des Gottesfluches ist ein Im allemal bestimmt, es ist der Fluch, aber auch die Wellie Kains, ruhelos zu sein uiid uoer die Erde zei streut, aber auch uiiberührbar, tabu, ein ewiges Denkmal der negativen Wahl. ,Wer Kam tolscnlugt, soll siebenfach 'gerächt werden'. Ich wünsche unserem Volke nicht die siebenfache Hache Gattes." Wir wurden es Herrn Jarcke nicht verübeln, wenn er bloss glaubte, dass die Juden i" einem Irr^uju,. belanget) sind, weil_sie sich vom ersten Augenblicke an so liarlnackig dem Clir.istciitum versagen. Das wäre sein gutes Recht als gläubiger Christ, wie es unser gutes Hecht ist, in unserer ablehnenden Haltung zu verharren. tYir wurden es üim auch nicht verdenken, dass er auf diesen angeblichen Irrtum die' angebliche Verdammnis der Juden zu Leid und Ruhelosigkeit zurückfuiut. Auen das ist noch sein gutes Hecht als gläubiger Ulirist. Auch das verargen wir ihm nicht, dass er nicht sieht, wie Kuropas und Amerikas Völker zugleich mit der in seinem Sinne positiven Wahl auch noch die Wahl von Macht und Geld mit •iner geradezu unerhörten Konsequenz getroffen haben. Denn es ist sein gutes Hecht als irrender Mensch, vor seiner' eigenen Tür nicht zu kehren. Aber, dass er m unserer Ablelmung des Christentums die gewollte Wahl von Macht und Geld twht, dass er die Augen so ganz und gar vor dem grossen Idealismus verschliesst, der sich m dem Leben unseres Volkes gerade in der Zeit nach seiner „negativen Wahl" offenbart, — damit im Gegensatz zu dem gegenwärtigen Papst, der im Dekret vom 2b. Marz 1928 das „jüdische Volk gegen ungerechte Verfolgungen in Schutz" nimmt und dieses Volk ohne jede Sinnvcrkünstelung als das von Gott aUser wählte bezeichnet; damit auch im Gegensatz zu dem protestantischen Bischof von Debreczen, Dr. Dcssider Balthasar, der sogar alle Bekehrungsversuche an Juden ablehnt, well „das Judentum mit vollem Rechte sich darauf bezieht, dass es der Welt die reichste Gottesidee und die höchste sittliche Auffassung gegeben hat", und weil „die jüdische Religion den Segen besitzt, gross und glücklich zu machen" — ist schon etwas, was wir ihm nicht so leicht nachsehen können und schliesslich doch nachsehen müssen. Denn, um es mit entsprechend geänderten Worten seiner Bibel zu sagen: Herr, verzeih ihm, denn er weiss nicht, was er spricht Er Weiss ja nicht einmal, dass er uns schmäht und dass seine Schmähung, wenn sie die gehörige Publizität erlangt, von verheerenden Folgen für unser Judentum werden kann, — und zwar umso verheerenderen, je seltsamer und schiefer und je ehrlicher gemeint sein Gedankengang ist und je mehr die grosse Masse von Vorurteilen gegen die Juden erfüllt ist Bei der merkwürdigen Verkuppelung von modisch antisemitischen und Im-