Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 11 (7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 281 (sequence 15)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4884546-5428396-5428436--309-4884835- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
schichtlicher Tatsachen, statt aufgrund willkürlicher Uuwirklichkeiten anstreben, sind sie auch — abgesehen von dem Säkularismus, den sie dabei entwickeln — auf der richtigen Fährte. Allein nicht, insoferne sie dabei hauptsachlich an Palästina denken — als an das Land, aas uns jetzt, da wir im Golus den Boden unter den Füssen verlieren, retten wird. Die Orthodoxie aber täte gut daran, dem Zionismus nicht gerade dessen problematischeste Geste — eben Palästina mit seinen riesengrossen Wenn und Aber als ausreichenden und direkten Ersatz für alle''die verlorenen Böden der Diaspora — abzusehen, sondern sich besser •an deren Eifer, auf Wahrheit und reinlicher Scheidung beruhende Beziehungen zwischen uns und unserer Umgebung zu schatfen. ein Beispiel zu nehmen. Dies umsomehr, als ihr jüdisches Volkstum ganz unvergleichlich wesenhafter ist als das der Zionisten Leider kann sie sich noch immer nicht von der liberalen Ideologie, an der sie nach wie vor mit naiver Gläubigkeit klebt, losreissen und sich neue Wege, die ihrem Geiste entsprechen, bahnen. Schade! Denn gerade jetzt wäre sie, die Orthodoxie, kraft ihres Sinnes für Kontinuität und Autorität in erster Linie berufen, für einen neuen Modus unseres Zusammenlebens mit den Völkern zu wirken. das hxssliche geschehen. Wenn jüdische Studenten geprügelt, wenn jüdische Mädchen niedergeschlagen und mit Füssen getreten, wenn jüdische Eisenbahn-Reisende überfallen werden und nur mit knapper Not dem aus dem Zuge Herausgeworfen werden entgehen; wenn jüdische Verunglückte von Aerzten im Stiche gelassen werden, sobald diese merken, dass sie Juden vor sich haben; wfnn ein jüdisch aussehender Mensch, sobald er auf die Strasse tritt, riskiert, eben wegen seines jüdischen Aussehens zum Krüppel geschlagen, erwerbsunfähig oder verunstaltet zu werden; wenn er beim Herankommen eines Trupps übermütiger Menschen oder eines als Rohling erkennbaren Einzelnen fürchten mirss. dass ihm das Verhängnis naht; wenn es bisher schon weit über hundert Friedhof- und Synagogen-Schändungen gegeben hat und immersfort neue hinzukommen,-dann-ist dies ein Zustand, der von den Schrecken des Strafgerichtes, das in der Bibel Israel für den Fall ceiner Untreue angedroht wird, wahrlich nicht mehr weit entfernt ist. Und es ist gar nicht abzusehen, worauf wir noch gefasst sein müssen, wenn nicht in den nationalen und national-konservativen Kreisen, die jetzt zur Geltung gekommen sind, bald die,JJeberzeugung an Boden gewinnt, dass den Unholden entgegengetreten werden muss. Noch können wir hoffen, dass solche einsieht durchdringt. Aber vorläufig ist nichts von ihr zu merken, nicht einmal >ei jenen gemässigten Kultur-Nationalisten, dte nichtsweniger als Huligans und "iuligansführer sind und die sich gelegentlich im Prinzipe gegen alle wider die uden gerichteten Gewalttaten, ja sogar gegen alle Entrechtungen aussprechen, ndem sie das hässliche Geschehen in aller Gemütsruhe zu übersehen belieben, egitimieren sie es. Vielleicht tun wir zu wenig, um ihr Gewissen zu wecken. A GEISTIGE VERKRAMPFUNG. "\* Wir haben schon einmal über Heinrich J a r c k e gesprochen (Heft Nr. VIII, Bemerkung „eine Etappe weiter") und. ihn, der sichtlich ehrlich ist und sich aus reinen Motiven mit uns auseinandersetzt, gegen verständnislose Schmähungen eines jüdischen Blattes in Schutz genommen. Wir können ihn auch heute nicht anders beurteilen. Denn wenn uns auch eine neue Veröffentlichung von ihm in der „Literarischen Welt" überrascht, so nur deshalb, weil wir daraus ersehen, daas wir uns in Hinsicht auf seinen Ort im Geistigen täuschten. Nach »einem ersten Artikel in dar „Literarischen Welt" durften wir ihn für einen nationalistischen 281