Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 11 (7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 280 (sequence 14)
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BEMERKUNGEN. In dieser Rubrik sollen Geschehnisse auf ihren Hintergrund oder .Ulf ihre Wirkungen hin in möglichster Kürze besprochen werden; auch liucherscheinungen und sonstige literarische und künstlerische Ereignisse, die h auch Gi-schehnisse im gesellschaftlichen Leben sind — doch, weil so befrachtet, ohne alle literatenhafte Ambition. Und es muss auch nicht gerade immer Neuestes Sein, wozu wir unsere Bemerkungen machen. Wenn Aelteres da ist. das auf noch Wirksames oder auf noch mögliche Wirksamkeit hinweist, so wollen wir es nicht deshalb übergehen, weil an seinem Beginn wir noch nicht da waren. DIE „PLÖTZLICHE WENDUNG". Die deutschen Juden stehen wie niedergedonner der „plötzlichen" Wendung ihres Schicksals gegenüber. Dass die Plötzlichkeit nur eine scheinbare' ist, dies zu begreifen, das haben ihre^. Führer in den letzten 150 Jahren sie nicht gelehrt .... Hei aller Kwigkeit und Unbändigkeit des Judenhasses, — so weit musste es nicht kommen Nur etwas mehr Einblick in die Gegebenheiten des Verhältnisses zwischen Juden und Deutschen und etwas mehr positive Aufbauarbeit an der ..emanzipierten" Judenheit war nötig. Und dieser Einblick und dieser Arbeit sehlten eben .... Ob sie jetzt und in Zukunft da sein werden, um uns durch die schweren Zeiten hindurch allmählich in erträglichere zu führen, das ist die grosse Frage. Vorläufig ist von solcher Selbstbesinnung nicht viel zu merken Jjjx allgemeinen wird noch immer so daher geredet, als hätte die bisherige lächietllche und unwahrhaftige Methode des Kampfes gegen den Antisemitismus nicht soeben den jämmerlichsten und augenscheinlichsten Bankrott erlebt. Immerhin lüsst sich jedoch das Auftauchen einer gewissen unwillkürlichen Neigung, sich endlich doch auf den Boden der Tatsachen zu stellen, nicht verkennen. So, wenn das „Jüdische Familienblatt" schreibt: „Wir Juden als Gemeinschaft so verschieden die Stellung des Einzelnen zu den politischen Systemen sein mag. haben keinen Grund, einer Regierung mit Misstrauen zu begegnen, die sich auf die Kräfte der Autorität im Staatenleben stützen will. Ks ist em Irrtum, wenn uns nachgcsag{vvird. dass die Juden in ihrer Gesamtheit ein Interesse an einer Linksregierung^haben." Oder gar. wenn ein jüdischer Amtsgerichtsrat in Baden. Hugo Marx, die Xijeichberechtigung. „die von dem naturrechtlichcn Grundsatz egalitärer Demokratie^ausging", verwirft und klipp und klar verlangt: „Die Juden müssen die Rechte nationaler Minderheiten für sich in Anspruch nehmen. „Man kann sich nun gerade zu dieser letzten Forderung verschieden stellen. Man kann finden. dassvja Uberhaupt die Mehrheitsvölker immer mehr Lust zeigen, die Rechte der Minderheiten mit Füssen zu treten. Man braucht sich aber auch andrerseits nicht zu verhehlen, dass, wenn die heutige Stimmung gegen die Juden sich als Dauerzustand erweisen sollte, eine religiös-nationale Kultur-Autonomie auch für die deutsche Judenheit — trotz ihrer verhältnismässig weit fortgeschrittenen Assimiliertheit — zumindest eine Art chrejxuuller Kückzugslinie bedeuten könnte. In jedem Falle aber weist es auf den Durch bruch einer neuen Bctrachtungs- und Denkweise hin, wenn ein deutscher Jude, ob er nun richtige oder falsche Wege zeigt, dahinter gekommen ist und es ausspricht, dass der bisherige Weg der deutschen Judenheit ins Unfreie, ins Leere geführt hat. Die Zionisten speziell wissen das freilich schon lange. Und soweit sie eine würdige Auseinandersetzung mit den Nichtjuden aufgrund natürlicher und ge- 280