Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 11 (7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 274 (sequence 8)
- Belongs to
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„Wir haben zwar verschiedene Konfessionen, aber es gibt nur einen Gott, der im Herzen aller Gläubigen wohnt!" Diese unverwischbaren Eindrücke — und nicht zuletzt die Ehrfurcht vor den gläubigen Märtyrern aller Glaubensbekenntnisse — haben mich nach meiner durch die deutsche Regierung erfolgten Rettung aus den Todeskammern von Butyrka veranlasst, seit 1926 in Wort und Schrift für diese Opfer des Bolschewismus meine Stimme zu erheben. Während mich die katholischen und evangelischen Kreise Deutschlands in jeder Weise zur Mitarbeit" heranzogen, so dass ich als Israelit in grossen katholischen Versammlungen in allen .Teilen Deutschlands sprechen durfte, ünd ein sehr bekanntter evangelischer Verlag in Berlin-Steglitz mein Erlebnisbuch*) in vergangenen Jahre herausbrachte, fand ich in jüdischen Kreisen leider nicht immer Verständnis für diese Fragen, denen heute kein gottgläubiger Mensch mehr aus dem Wege gehen kann. Darum ergreife ich sehr gerne und dankbar die Gelegenheit, durch bolschewistisches Tatsachenmaterial, das mir durch die Lektüre der antireligiösen russischen Publikationen in grossem Masse zur Verfügung steht, auf die Gefahren hinzuweisen, die der jüdischen Religion in Russland drohen. Es ist nicht meine Aufgabe, Mittel und Wege zu finden, um der Gefahr VHerr zujtyerden. Ich will hier nur Warner sein.....___ü Die gerade zynische Offenheit des von Emmanuel Jaroslawski-Hubelmann geleiteten Bundes der kämpfenden Gottlosen ermöglicht es. die sogenannte „Religionspolitik" der Bolschewisten eingehend kennen zu lernen. Jaroslawski, der einst als Provisor in einer Apotheke begann, gehörte schon vor dem Kriege zu den radikalen Bolschewisten um Lenin. Zusammen mit seinem Freunde Lunatscharski verkündete er bald nach dem Oktoberumsturz die „Befreiung von Gott" und wandte sich in verschiedenen Aufrufen auch an die jüdische Bevöl^ kerung der Sowjetunion mit dem Aufforderung, den „törichten" Gottesglauben abzulegen. Er bezeichnet sich gerne als „unversöhnlichen Feind Gottes" und ist heute durch Stalins Gnaden der antireligiöse Grossinquisitor der Räterepublik. Als Präsidialmitglied der geheimen Abteilung der Moskauer OGPU. die sich ausschliesslich mit der Religionsbekämpfung befasst. spielt Jaroslawki bei der Erschiessung von Rabbinern und bei der Schliessung von Synagogen eine bedeutende Rolle. Dieser Mann hat vor einigen Jähren eine Schrift herausgegeben, welche zu den abstossehdslen Verhöhnungen Gottes gehört. In diesem Buch, das bezeichnenderweise den Titel „"An der antireligiösen Front" *' .■ . . -"»j** ■" 1 •i Zwei Jahre in Moskauer Totenhäusern. Der Moikdurr Studentenprozess Und dt* Arbeitsmethode der OGPU. Eckart-Verlag, lierlin Letpzlu 1931. - Rezension dieses Buche« In der vorigen Nummer des „Aufstieg ". Die Redaktion. 274