Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 11 (7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 273 (sequence 7)
- Belongs to
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alias OGPU schmachten, fa er wusste sogar von flüchtigen Gefangenen, dass auf den berüchtigten „Toteninseln", Solovki im Weissen Meere 1931 etwa 2300 katholische Priester, 5600 evangelische Gemeinschaftsmitglieder und 850 Rabbiner unter den menschenunwürdigsten Bedingungen gefangen gehalten werden! Beim Abschied meinte er dann: . - _ „In meinen Kreisen reden' sie immer noch von der angeblichen Toleranz der Sowjetregierung gegenüber der jüdischen Religion. Ich weiss, dass diese Auffassung manchmal mit antisemitischen Tendenzen zusammenhängt, aber ich halte es für einen taktischen Fehler, dass von jüdischer Seite in „Deutschland bisher gar so wenig getan wurde, um dieses Märchen zu widerlegen. Die deutschen luden sollten durch die Tat beweisen, dass sie die antireligiöse Kampagne in Sowjetrussland nicht nur moralisch verurteilen, sondern sie sollten auch mit allen ihnen zu Gebote stehende Mitteln dieser Verfolgung ihrer Glaubensgenossen entgegenwirken, wie dies von christlichen Kreisen versucht wird. Glauben Sie mir, jeder gottgläubige Jude, der mit uns zusammen Kulturbolschewismus kämpft, wird von uns gern als Mitstreiter gesehen werden!" Leider hat mein Bekannter die Situation richtig geschildert. Es ist eine betrübliche Tatsache, dass bis vor kurzer Zeit kaum der Versuch unternommen wurde, die gläubigen jüdischen Kreise in Deutschland zu einem mutigen Auftreten gegen die Religionsverfolgungen der Sowjetgottlosen zu veranlassen. Nur Rabbiner Dr. Rosenthal-Köln und Dr. Nathan Birnbaum-Berlin haben ihre Stimme mahnend und beschwörend erhoben und die Notwendigkeit einer Aktion des deutschen Judentums zu Gunsten der zahllosen jüdischen Märtyrer im Osten Europa's betont! Es ist endlich höchste Zeit, eine heilige Pflicht zu erfüllen, deren Auswirkungen in jeder Beziehung segensreich sein werden..... Während meines zweijährigen Aufenthaltes in den Kerkern der Moskauer Tscheka hatte ich oft genug Gelegenheit, leidende und verfolgte jüdische Menschen aller Richtungen kennen zu lernen. Neben vielen Zionisten sah ich ehrwürdige Rabbiner aus der Ukraine, jüdische Kolonisten aus der Krim, beste und leidensfreudige jüdische Jugend aus dem fernen Sibirien, hörte das Angstgeschrei jüdischer Mütter, die in den hellen Sommernächten durch die stillen Korridore des Innengefängnisses in der Moskauer Ljubianka zur Erschiesssung geführt wurden. Alle, von Gott erfüllt, sahen dem Tode ruhig entgegen und starben gefasst. Sie wurden zusammen mit christlichen Gottesdienern und mohammedanischen Gläubigen hingemordet, und ich kann, wenn ich mich an diese herzzerreissenden Scenen erinnere, nur die letzten Worte meines Leidenskameraden Mirza Narkul wiederholen, der im Glauben an Allah mir sagte : ^- ' 273