Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 11 (7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 272 (sequence 6)
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Verfallserscheinungen nicht Wunder nehmen. Nur Erkrankung des religiösen Empfindens selbst kann die Ueberzeugungsunslcherheit der Masse der judischen . Frommen erklären. Wie bei Erkrankung des im Felsenbein verborgenen Gleichgewichtssinnes, der „Schnecke", der davon Befallene taumelt und jedes räumliche Unterscheidungsvermögen verliert: So wankt das ganze jüdische Volk, wankt sein doch so ehrlich frommer Kern, wankt selbst die religiöse Führerschaft verständnislos, der moralischen Unterscheidung geistiger Werte mehr und mehr beraubt, ziellos und sinnlos dahin. Die Erhebung des Volkskörpers über den Volksgeist, die Ehrfurcht vor jedem sich als berühmt spreizenden Gottlosen und die unkritische Annahme seiner Aussprüche, als seien es Ehrentitel und herrliche Blüten echt jüdischen Geistes: Wie soll man das alles nennen? Zu den wenigen Verboten, die auch zur Rettung des Lebens nicht übertreten werden dürfen, gehört das des Götzendienstes. Eine veraltet scheinende Strenge, da wohl kein gläudiger )ude je wieder einen Zwang zur Verehrung des Baal oder der Astarte. des Zeus oder des Jupiter zu fürchten brauchen wird- Aber doch nicht veraltet, wenn man den Begriff der Götzen Verehrung sinngemäss etwa weiter fasst: Wenn man darunter auch jene Anbetung lasterlicher Ideen, satanischer Programme, falscher Propheten versteht, die in unaufhörlicher Tücke gegen Gott ankämpfend heute die Welt erfüllen; erkennt man aber erst die Götter und Götzen auch In dieser Form, erkennt man das neue verkleidete Heidentum als dem antiken offenen Heidentum verwandt, ja als noch gottloser und greulicher — dann mag man mit starrem Entsetzen erkennen, wie tief in das jüdische Denken und jüdische Leben, in das Denken und Leben gerade auch der Frommen, all dies sich schon eingefressen hat — wie religiöse Juden sich nicht scheuen. Menschen zu verehren nicht ihrer Tugenden halber, sondern ihres Ruhmes wegen, der aus Gottlosigkeit erwuchs. Wie sie ihre Nation Vergöttlichen in deren heidnischen, wenn auch jüdisch geborenen Repräsentanten, ganz so, wie der römische Senat mit den Imperatoren tat. Wie sie den von jenen Zeitgöttern vorgetragenen Greueln in allen Zeitungen Altäre errichten, ihnen räuchern und sie lobpreisen. Und dann mag es mit Grausen und Abscheu erfüllen, wie luden, gewohnt, in täglicher Frömmigkeit zu Gott zu beten, Schlagworte und deren Träger anzubeten wagen — wie fromme Juden, von Literaten verleitet, mit dem irren Zeitgeist und seinen eitlen Heroen Götzendienst treiben! DIE VERFOLGUNG DER JÜDISCHEN RELIGION IN SOWJETRUSSLAND. Von Dr. KARL KINDERMANN. » —--■*» E come I gru van cantando lor lal Facendo in aer dl se lunga riga, Cost vid lo venlr traeodo gal Orabre portale dalla detta briga. * Dante. Als ich vor einigen Monaten in Berlin mit einem führenden Politiker der Rechtskreise über die Religionsverfolgüngen in der Sowjetunion sprach, zeigte sich mein Gesprächspartner über den gegen die jüdische Religion von den Bolsckcwisten geführten Vernichtungskrieg ausgezeichnet unterrichtet. Er wusste und bedauerte lebhaft, dass sehr viele Rabbiner seit Jahren in den Gefängnissen und „Isolatoren" der alirussischen Tscheka 272