Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 11 (7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 271 (sequence 5)
- Belongs to
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eingefangen haben soll — man bewundert die Heilerfolge und die Seelendurchdringung von Preuds Psychoanalyse, man bestaunt den Siegeslauf der Menschlichkeit im Marxismus und sonnt sich vor allem in dieser Männer Weltruhm, den durch ständiges Protzen mit ihren Namen eifrig mitzufördern man bestrebt ist, — wie man ja auch in den orthodoxen Kreisen die fragwürdige jüdischvölkische Methode mitmacht, jeden, ob auch noch so sachlichen, mathematischen oder medizinischen oder volkswirtschaftlichen Hinwand gegen die I ehren Einsteins, Freuds. Trotzk'ys und Anderer einfach auf Antisemitismus zurückzuführen — womit offenbar der Einwand als erledigt angesehen wird. Dass die [.ehren jener Männer und ihrer Mitläufer falsch sind, dass sie, trotz Formeln. ^Heilerfolgen und Wcltumfassung falsch sein müssen, weil sie dem klaren Sinn des Gottcsgloubens widersprechen — das bleibt ungesagt. Und ungesagt bleibt, dass das Wirken dieser Männer, wie das Zalloser ihresgleichen, von Weininger bis Reinhardt, aller jüdischen Weltverbesserer, Literaturdiktatoren und Snobs, für die Juden keine Ehre ist Ungesagt bleibt, dass ihr Wirken eine schwere Gefahr' werden muss, sobald die anderen Völker ihr gegenwärtiges Mitmachen jener Zeitideen überwunden haben und sehen werden, wie die jüdische Gesamtheit, vom freidenkerischen und bolschewikischen bis. zum sich gläubig nennenden Flügel, bewundernd und applaudierend hinter allem Irrdenken und Irrereden jüdisch geborener Führer stehen zu müssen glaubt. Die Blindheit der Orthodoxie in diesen Dingen ist unfassbar und kann nur erklärt werden durch völlige Verseuchung mit dem Gift nationaler Selbstsucht und Eitelkeit. Die sich religiös nennende Presse verzeichnet ohne Widerspruch Aeusserungen Einsteins wie die. er ..glaube an Spinozas Gott, der sich in der Harmonie des Weltalls offenbart", und schliesst daraus noch erfreut auf den Nicht-Atheismus, also die Religiosität dieses ..grossen Gelehrten". Nicht einmal die Berufung auf Spinoza schreckt mehr ab. der insbesondere seit seiner Heiligsprechung durch Goethe und trotz seiner nackt gottesfeindlichen und judentumsfeindlichen Hetzphilosophie bis tief in die fromme jüdische Gasse hinein als ein grosser )ude empfunden zu werden beginnt, jene alberne amerikanisch-jüdische Wertung jüdischer Heroen, die etwa Moses, )esaja, Christus, Spinoza und Marx als „die grössten Juden" zusammenbündelt, Esra, Akiba, Raschi, Halevi, Maimonides abe/vergisst/ ist ganz ^offensichtlich schon in die innersten Kreise des frommen Juae^Hum<vorgedrungen, wo man doch noch inbrünstig nach Moses. Esra und Karo, nicht etwa n/ich Marx lebt. ........ Eine solche Entwicklung ist nur auf nationalistischer Basis möglich — und ebenso ist nur nationalistisch zu erklären die gänzlich unjüdische Selbstsucht, die von den grossen Propheten so grimmig verworfene Messung aller Erscheinungen nach deren Nutzen oder Schaden für das jüdische Volk und die daher rührende Neigung zum Linksradikalismus, die bis zu den scheinbar weltabgeschiedensten jüdischen Frommen bemerkbar ist. zumindest als grundsätzlicher Hass gegen alle ..Reaktion", welche doch meinstens dem jüdisch-religiösen, Denken näher und auch wohlwollender gegenüber stünde, als die angeschwärmte Freiheitlichkeit. Wie unheimlich weit jene ebenso altheidnische wie bolschewikische moralfeindliche Fdcologie, wonach zum Nutzen der eigenen Gruppe,, ob nun Vaterland oder Nation oder Klasse, schlechthin alles erlaubt sei — wie weit jene Anbetung des eigenen Volkes, bei der. wie im Zionismus und der zionistisch infizierten Orthodoxie, auch Religion nur als Volksbesitz wichtig ist. gehen kann, bewies kürzlich wahrhaft erschreckend ein Vortrag im Kreise der Berliner Agudo; der Redner, ein Rabbiner, sprach über den Bolschewismus und sagte ein Abflauen der antireligiösen Terrormassnahmen voraus — zumindest bezüglich des Judentums, da ja die Sowjetmachthaber bald darauf kommen würden, dass das Judentum gar kerne Religion sei, sondern nur eine Erziehungsmethode. Die orthodoxe Presse berichtete über diese Rede ohne Protest noch Kommentar. Wo das Glaubensfundament der Religion derart erschüttert ist. können 271