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Der Aufstieg · 1932-07-01 · 11 (7.1932) · p. Seite 270

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
11 (7.1932)
Date
1932-07-01
Page
Seite 270 (sequence 4)
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Verschwimmen von deren Gottgegebenheit, ihre Anrechnung alt einer jüdischen Leistung ergeben. Damit aber wird die Bibel, Thora wie Propheten, ein jüdisches Werk wie manch anderes auch, und in unterscheidungsunfähigem Durcheinander wird selbst der fromme ]ude zwar Moses und fesaja verehren, aber ebenso stolz sein auf Heine und Marx, Lassalle und Einstein, Schnitzler und Werfel und unzählige arrogante jüdische Literaten, auf den ganzen jüdischen Pen-Klub und eine siegreiche jüdische Pussballmannschaft. Stets merkbarer verschiebt sich in den jüdischreligiösen Kreisen die Blickrichtung ins Nicht jüdische. Die altüberkommene l'hrfurcht vor Thora und Talmud und religiöser Literatur bis auf unsere Zeit, bis auf den Chofez Chajim. bleibt eine sozusagen hausliche, ehrlich geliebte, etwas hausbacken herzrührende Angelegenheit. Aber wonnevoll schlagen auch die frömmsten Herzen, wenn jene offiziell als jüdisch geltenden Namen erklingen, von denen die Welt spracht, — der „berühmten Dichter" und „weltberühmten Gelehrten", vor denen die Nichtjuden, freilich unter diesen nur die Unfrommen, so viel Respekt haben. Widerspruchslos wird dieser Respekt von der frommen judenheit übernommen! Wie mit einem starren seligen Lachein. wie mit tausend entschuldigenden Bücklingen wird, wo es um der innersten religiösen Sphäre willen " schon gar nicht anders geht, Kritik an ihnen geübt. Von einer heidnischen, göttesfeindlicben Welt lassen diese frommen Juden sich vorschreiben, wen unter den )uden sie als gross bewundern sollen, wagen, nur hie und da ehrerbietig gemurmelte Ein Wendungen, würden aber wie vor einer Gotteslästerung, nein, mehr als vor einer Gotteslästerung davor' zurückschrecken, die Grösse dieser ihnen vorgestellten Koryphäen erst einmal raher zu erörtern. Natürlich lehnt man Einsteins Pantheismus und Preuds Atheismus ab, will aber ja nicht den wissenschaftlichen Leistungen und den grossen Ideen dieser Leuchten nahetreten Und denkt nicht daran, dass wissenschaftliche Lehren nicht weltanschauungslos in der Luft hängen, dass sich in Relativitätstheorie wie Psychoanalyse bestimmte Denkprinzipien äussern, die. auf mathematischem und psychologischem Wege, ganz wie der von jenem anderen jüdischen Heros Marx vertretene Sozialismus auf moralischem, auf allgemeine Relativierung., der Welt, der sichtbaren wie der unsichtbaren, hinauslaufen — dass aber eine derart relativierte Welt unvereinbar ist mit dem Begriff eines absoluten Gottes und seines absoluten Sittengesetzes-. Von Irrtümern vergangener Zeiten eingeschüchtert, wie etwa der Verwerfung der kopernikanischen Lehre aus religiösen Gründen, ist man gegen die eigene religiöse Argumentation so misstrauisch geworden, dass man ausser Acht lässt, wie es sich hier und heute um Grundfragen handelt, so dass die Anerkennung ihrer Lösung in dem sich wissenschaftlich nennenden Sinne Gottesjlauben fürderhin unmöglich machen würde. Wenn .-Freud Recht hat. ist der Mensch unverantwortlich, es gibt kein gut und Böse, weder Sünde noch Busse, und alle Religion ist. wie Freud es ja auch offen herausgesagt hat. eine Illusion; wenn Einstein Recht hat, gibt es in der Welt keinerlei festen Massstab für Räume und Zeiten und, folgerichtig. Handlungen — in einer Welt voneinander abhängiger, ja einander gegenseitig erst gestaltender Grössen ist alles Zwang und ist Freiheit unmöglich, der Mensch unverantwortlich, und Religion eine Relativität zwischen Relativitäten.. Wenn Marx und Trotzky Recht haben, ist der Mensch willenloses Werkzeug materieller Wirtschaftskräfte, ohnmächtiges Objekt seiner Klasse, seelisch tote Summe aus Erbanlage, Umwelt und Erziehung, also unverantwortlich, und Religion ist Narrheit oder Betrug: Opium. Man sollte nun meinen, dass das religiöse )udentum aus diesen Folgerungen auf die Prämissen zurückschliessen — das heisst. die geistigen Grundlagen jener Lehren verwerfen und bekämpfen müsste. Aber fast unerklärlicher Weise geschieht nichts dergleichen. Man erschauert vor <ren sechs Seiten Mathematik, auf denen Einstein nach zehn Jahren Denktätigkeit wieder ein paar Weltratsel 270

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