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Der Aufstieg · 1932-07-01 · 11 (7.1932) · p. Seite 269

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
11 (7.1932)
Date
1932-07-01
Page
Seite 269 (sequence 3)
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durch deren blutige Austilgung, so doch durch Ausschluss der Schädlinge aus der jüdischen Gemeinschaft, durch Ausschneidung des Eiterherdes aus dem jüdischen Organismus. Wie klar das jüdische Volk hiebet zu Werke ging, beweisen am besten die religiösen Neuströmungen, die trotz ihrer Neuheit au jüdisch anerkannt wurden, wie beispielsweise der Chassidismus — der angenommen wurde aus der gleichen Instlnkstsicherheit heraus, die zur Verwerfung der Gnosis, zur Trennung vom Judenchristentum, zur Eindämmung des Hellenismus, zur Ausstossung der Karaer. Dönmäh und Prankisten. zum Bann über Spinoza führte. Mochten auch alle diese Irrungen aus im jüdischen Blute selbst keimenden Stoffen spriessen, sie wurden doch aus eigener Kraft ausgeschieden und unschädlich gemacht. Unschädlich wie nach innen so nach aussen, da selbst Uebel wollen nicht den Trennungsstrich übersehen konnte, den dass Judentum zwischen sich und seinen närrischen oder abtrünnigen Söhnen zog. Das musste sich aber ändern, als, getreu nach dem Vorbild der anderen Völker, auch bei den Juden an Stelle des lebendig erwachsenen Volksbewusstseins ein automatenhaft von Phrasen betriebenes Nationalgefühl trat. Denn damit verlor das Volk sein feines Empfinden dafür, wer wirklich zu ihm gehöre, und lernte, sich mit jedermann zusammengehörig zu fühlen, der aus den äusserlichsten. rein leiblichen Gründen, nämlich der Abstammung nach, ein Jude, oder drastischer gesagt, jüdischer Nationalität war. Und verlor ferner durch dieses Jasagen zu allem, was jüdischen Ursprungs war, jede Pähigkeit zur Reinhaltung seines wirklichen Wesens, zur Verteidigung seiner wahren Würde. Alles Premde und Feindliche konnte, war erst ein Jude ihm verfallen oder hatte gar es ausgeheckt, ungehindert ins innerste Judentum vordringen: Die nationale Eitelkeit /ersetzte das jüdische Blut bis ins innerste Herz — auch die Gesetzestreuen und nrommen haben durch sie die Kraft verloren, mit der notwendigen Unbedingtbeit das wirklich jüdische Geistesgut zu verteidigen. Er ist kein Trost, dass es hiemit dem jüdischen Volke nicht anders ging, als den Völkern. Bei diesen hatte ja die Spannung zwischen Volkstum und Glauben seit jeher eine gewisse gefährliche Selbständigkeit des Nur-Nationalen bedingt, die also jetzt lediglich weiter ausartete: während in Israel die Verwurzelung des Volklichen im Religiösen, das Volk als ein vom Glauben Geschaffenes, weitaus mächtigere Widerstände gegen jede Verwässerung des Volkswesens erzeugt hatte: Gab Israel jetzt nach dem Muster seiner Umgebung für seine animalische Existenz seinen Sinn preis, so bedeutete das einen viel tieferen, sträflicheren Sturz. Wenn auch das Unrecht, das dem Judentum von Jenen getan wird, die es gottlos nennen, auf einen Pehler im Urteilen beruht, so fusst dieses doch insofern auf richtiger Beobachtung, als ein selbst im Judentum stehender Betrachter oft zwischen gesetzestreuen und gottlosen Juden kaum mehr einen Unterschied wahrnehmen kann. — Treue und Abtrünnige sich nur mehr durch ihre Stellung zum religiösen Gebot selbst nebst einigen roigerungen daraus, etwa den Prägen der Bibelkritik und Kalenderreform, von"einander unterscheiden. Aber sogar diese Gegnerschaft ist so oberflächlich, dass bis tief in die Orthodoxie hinein bereits eine Ueberschätzung des Wissenschaftlichen merkbar wird, die gar nicht ahnt, wie sie in aller Frömmigkeit mithilft im Kampf gegen Gott. Recht bezeichnend hiefür ist die Genugtuung, mit der jede Ausgrabung, die die Geschichtlichkeit der Bibelerzählung beweisen zu können scheint, in allen religiösen jüdischen Blättern begrüsst wird: Womit doch ein Recht der Wissenschaft auf ein Urteilen in Glaubenssachen vorausgesetzt — also logischerweise auch die offiziell angefeindete Bibelkritik anerkannt wird. Wobei solche Berichte, wörtlich oder zwischen den Zeilen, obendrein den Vermerk zu tragen pflegen, dass „sogar die Wissenschaft" die Glaubwürdigkeit der Bibel zugeben müsse — zu welcher lächerlichen Wissenschaftsüberwertung dann stets noch ein Stolz auf diese so gerechtfertigte, nun auch für gebildete Menschen mögliche Bibel tritt: Selbst bei den Frömmsten aus« sich im Gefolge solcher eitel nationalistischer Freude an der Bibel ein 269

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