Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 10 (4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 265 (sequence 23)
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bedeutet für die Hebräer „gegen die eigene Natur" und „gegen die all Natur nuftretende Ordnung überhaupt" vorgehn, „was das Ziel der sittlichen Autonomie im metaphysischen Sinne ist". Man hat von vielen Seiten Goldberg als einen neuen, grossen Kampfer gegen die Bibelkritik begrüsst. Und es wird wohl auch wirklich unter den durch die europäische Bildung gegangenen Juden kaum einen zweiten geben, der so konsequent wie er die Bibel und nur die Bibel zitiert, wenn er etwas beweisen will, und keinen ihrer Berichte für Legende erklärt. Aber es kommt doch auch darauf an, ob sein Beweisen aus der Bibel ein Herausarbelten aus ihr oder ein Hineinarbeiten in sie ist, ob er den wahren Kern herausschält oder, ihn ignorierend, einen in seinem Gehirn gewachsenen Kern in die Schale hineinzwängt. Und mich dünkt, dass letzteres sein Tun ist. Die Art, wie er gerade die schwer zu erklärenden Mitteilungen und Gebote im Pontateuch. wie z. B. die Bluthräutigam- Erzählung ans dem lieben Moses, die Bileam-Geschichte, das goldene Kalb, die Opfer, das Stiftszelt u s.w. im Sinne seiner Theorieen ausdeutet, ist ja eine geistige I-oistunr von hoher Qualität, aber sie ist eben doch nur Ausdeutung und nicht etwa richtige Lesart, wie er glaubt. Gewiss wirkt erim ersten Augenblicke oft bestechend, aber nicht etwa, weil er absolute Wahrheit gibt, sondern weil alle seine Erklärungen in grossartiger Gleichartigkeit in die unglaubliche Geschlossenheit seines System« hineingefügt sind und so den Schein von Wahrheit erzeugen. Wer sich von der Wirkung dieser Gleichartigkeit und Geschlossenheit zu befreien vermag, der merkt bald die Gezwungenheit der Beweise Goldberg*s, die er sogar für Experimcntalbeweise anspricht, ja der kann sogar an manchen Stellen - insbesondere auch bei Erklärung der Bedeutung hebräischer Worte (zB. Jfodamrh. toieaud) — in einen gelinden Zorn über soviel konzentrierte Eigenwilliekeit geraten. Er wird sieh aber allerdings bald wieder beruhigen, wenn er bedenkt, dass die Beweise füglich dem, was zu Beweise steht, entsprechen müssen: nämlich einer Mythologie, die, bisher der erste und einzige Fall in der Geistesgeschichte der Menschheit, von einem Einzelmenschen geschaffen wurde, und nicht wie die andern Mythologieen — der Autor verzeihe mir meine Unbelehrbarkeit — plastische Gedanken- und Wunschgebilde sind, die sich verschiedene Völker, deren Ahnen göttlicher Sphäre nicht zu geistigem Erkennen der universalen Gottheit sich erheben konnte, als Antwort auf die Frage der Fragen, ihrer Artung nach verschie^an gaben. (Wobei gar keine Notwendigkeit vorliegt, dem Volksgeist in seinem tatsächlichen Sonderwaltcn eine eigene, materiell-metaphysische Substanz zu geben, ihm einem besonderen „Ort" in einem Reiche metaphysischer Dinge anzuweisen.) Und es ist dem Verfasser bitter ernst um seine Mythologie. Man glaube nur nicht, dass das Ganze auf ein absichtsvolles Gleichnis zum Beweise rassen- und volksmassiger Grundlage der Religion hinauslaufe. Seine Lehre will von einer Bildung der Götterwelt in den vom Ahnen des Göttlichen ergriffenen Menschenherzen und -Hirnen durchaus nichts wissen. Die Völker sind durch die Götter, die ihre transzendenten Urbilder sind. Die Götter sind keine Gleichnisse, sondern transzendente Wesenheiten. Sie sind nicht mit den Stortm, den Schutzpatronen der einzelnen Völker nach jüdischer Auffassung, zu vergleichen, die, wenn man sie selbst als die Geister der Völker, als sozusagen deren geistige Präformationen und Gewalten ansehen will, doch von Gott aufgestellte Figuren in seinem Plane, Geist von seinem universalen Geiste sind.'Die Goldbergschen Elokhn (aus der endlichen Wirklichkeit) sind wirklich als Götter gedacht, mit eigenem in seinem Ziel nicht recht erkennnbaren Macht willen und eigenen Macht brreichen; sie streiten weltepochenlang mit Eloklm J..... der wieder seinerseits sozusagen von Glück 245