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Der Aufstieg · 1932-04-01 · 10 (4.1932) · p. Seite 266

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
10 (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 266 (sequence 24)
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sprechen kann, daas er in der Goldberg'schen Theorie etwas mehr als «ine Art Saar de* judischen Volkes geblieben ist. Im übrigen hat Goldberg in Hinsicht auf diesen Elokim J.. .. die alte Frage: wie kann ein der Unendlichkeit Antfehöria'ir für die endliche Welt massgebend werden?, nicht gelöst. Denn die Feststellung, dnss der Durchbruch des vorweltlichen, unendlichen Gottes in die Endlichkeit, seine Manifestation ungeheuer schwierig ist und nur mit einem Machtmanko erkauft werden kann, ist — abgesehen davon, dass die Vorstellung eines höchsten Gottes, der sich nicht so rühren kann, wie er will, seltsam genug ist — keine Antwort. Die angeblichen Schwierigkeiten und der angebliche Machtverlust sagen doch nichts darüber aus, wie das Unendliche endlich, das Unmögliche möglich werden kann. Die Frage bleibt nach wie vor offen, wenn man sich nicht entschliesscn will, den angeblichen fundamentalen Widerspruch zwischen Unendlichkeit und Endlichkeit insoferne zu bestreiten, ala man die endliche Welt mit Zeit, Raum und Kausalnexus nur als für uns Menschen endlich, in Wahrheit aber oder für Gott — was dasselbeist — als einen laufenden Ausschnitt der Unendlichkeit ansieht, den er für uns sichtbar gemacht hat und in dem er als Unendlicher genau so sich bewegen und wirken kann wie in der Unendlichkeit, soweit sie nicht nach aussen projiziert ist. So einzigartig und neu im übrigen das von Goldberg aufgeführte mythologische Gebäude ist, so wenig einzigartig und neu ist was sich daraus als Lebensgesetz und Lebensziel Israels ergibt, und ebenso wenig einzigartig und neu sind die in ihm unbewusst wirkenden Stimmungen, die ihn zur Aufführung seines Gebäudes brachten. Wir begegnen da einerseits jener grossartigen Intuition, die aber wahrlich nicht erst eine Mythologie ad hoc braucht, um zu siegen, — dem intuitiven Wissen nämlich von dem Wege Israels vom Sinai bis zum Ende der Tage, von der Offenbarung durch die Einsamkeit seines Sonderschicksals hindurch bis zur grossen Wendung der Menschheit ins Universale. Und wir treffen da andrerseits auf die gangbaren Stimmungen der letzten zwei jüdischen Generationen, ebenso auf die nationalen wie auf die revolutionären und staatsgegnerischen, und überall in seinem Werke nuf einen deutlichen materialistisch-mechanistischen Zug. In seinem System, das als Ganzes und noch mehr In den Details eine gewisse Unheimlichkeit ausströmt, stoxsen sich -sozusagen die Götter im Räume, arbeiten mit metaphysischen Mittelchen und Mechanismen, um ihre Zwecke zu erreichen. Und selbst Elokim J.... arbeitet, solange er sich nicht ganz durchgesetzt hat, damit und nur damit, — er, der bis auf weiteres nicht nur nicht allmächtig, sondern auch nicht allgerecht und nicht allwissend und nicht allgütig sein soll. Er wühlt sich förmlich zum Lichte, an das man nach soviel Finsternis nicht glauben kann. Man darf es dem Verfasser, trotz seiner unverkennbar spiritualistischen Geisteswurzel, bescheinigen: wenn in unserer Zeit noch Volksmythologieen wachsen würder., sie könnten nicht zeitechter sein, als diese geniale Privatmythologic mit ihrer, fast möchte man sagen, neuen Sachlichkeit als Grundzug. Wie ich höre, hat Goldberg schon eine Anhängerschar, in der Erich Unger, — der «ine Art kurze Einführung in die Lektüre des Goldberg'schen Werkes geschrieben hat, und die Goldberg'schen Ideen gegenüber der allgemeinen wissenschaftlichen Welt vertritt, — besonders hervorragt. Es ist nicht unmöglich, daas sich bei der herrschenden verzweifelten Deroute inbezug auf das Religiöse dieser Kreis von Intelaktuellen vergrüssert. Aber zu entscheidender Geltung dürfte er wohl nie kommen. Trotz der an sich grossen Leistung Goldbergs und trotzdem •r sicher tausendfach seelenhafter ist als diese selbst Die religiösen Vorstellungen, in denen das Volk in seiner Breite die Goldberg'schen Ideen irgendwie leben konnte, sind ja gar nicht dankbar. 2*6

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