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Der Aufstieg · 1932-04-01 · 10 (4.1932) · p. Seite 262

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
10 (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 262 (sequence 20)
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GOLDBERG'S „WIRKLICHKEIT DER HEBRÄER" Von Dr. NATHAN BIRNBAUM. Otkar Goldberti — Die Wirklichkeit der Hebräer. Einleitung in da* System tUs Pentateuch. F.rnter Band. Deutscher Text zur hebräischen Ausgabe. — Verlag David, Berlin 1925.»; F.s Ist sicher, dass das, was uns der Verfasser sagt, neu ist, gmr nicht neuer sein kann. So hat noch Niemand die eigentümliche Laufbahn des jüdischen Volkes und übrigens auch die Laufbahnen der andern Völker erklärt, so noch Niemand die kosmischen und ethnischen Zusammenhänge gesehen. Und fast ebenso sicher ist, dass diese Erklärung, diese Sicht — zu welchem Urteile über ihren Wert man auch schliesslich kommt — einen Menschen verrät, dessen Konzeptionen und Kombinationen geradezu gigantisch, dessen Kenntnisse ausnehmend gross sind. Er kann keine Rede davon sein, im Rahmen einer Rezension, der noch obendrein nicht allzuviel Raum zur Verfügung steht, den Gedankengang und den Inhalt eines Werkes ganz wiederzugeben, das in allen seinen Teilen unter der Kontrolle einer leitenden Theorie steht und mit unzähligen Beweisstellen aus der so gründlich gekannten heiligen Schrift arbeitet. Manche bedeutsamen Momente müssen Ubergangen werden. Es muss ein Auszug genügen, wenn nur, was ich hoffe, das verblüffende Nochniedagcwesensein der neuen Lehre aus ihm zu erkennen ist: „Es gibt eine endlose Anzahl in sich abgeschlossener Welten mit eigenem Raum, eigener Zeit und eigener Kausalität, die sich als Abwandlungen der beiden Weltelemente Geist und Materie darstellen". Es gibt nicht nur eine Transzendenz des Geistes, sondern auch der Materie. Zwischen Geist und Materie liegt „eine diese beiden Bereiche völlig trennende Kluft. Die letzter« hat noch eine besondere Punktion. Sie ist... die Kategorie des Organischen oder der Biologie. Da nun Geist und Materie die beiden Faktoren der endlichen Wirklichkeit sind, so ist die Kluft zwischen Geist und Materie zugleich der Ort für die endlose Anzahl in sich abgeschlossener Welten, von denen oben die Rede war. Diese Welten sind somit *) Diese Rezension hat eine kleine Vorgeschichte. -Das Buch ist schon seit Jahren in meinem Besitze und ich habe es schon vor Jahren gelesen. Auch war Ich sofort entschlossen, es zu besprechen. Dass Ich dies aber erst jetzt tue, hat ausser, in äusseren Hindernissen aller Art seinen Hauptgrund darin, dass ich angesichts des offenbaren Ernstes des Werkes immer wieder prüfte, ob ich ihm mit meiner ablehnenden Haltung nicht Unrecht tue. Schliesslich wurde es mir klar, dass ich meine Meinung nicht ändern könne, und ich beschloss, die Rezension in der nächsten Nummer des .Aufstieg" zu veröffentlichen. Da veranlasste mich ein Artikel von Isidor Hepner Im Leipziger .Allgemeinen Jüdischen Familienblatt" vom 20. November 1931 die Besprechung sofort in Angriff zu nehmen und noch in vorliegender Nummer erscheinen zu bissen. Der Verfasser des Artikels greift nämlich in diesem die Orthodoxie an, weil sie sich nicht zur Auaeinandersetzung mit Goldberg stelle, und konstatiert dann: „Mit der deutschen Orthodoxie schwegt auch Nathan Birnbaum, dessen .Aulim" eine Erweckung innerhalb der gesetzestreuen Juden vergeblich versuchte." Den zweiten Teil dieses Satzes verzeihe ich Herrn Hepner, der auf sehr schnelle Erweckungen eingestellt zu sein scheint. Was den ersten TeÜ, betrifft, so ist darin wohl der Vorwurf ausgesprochen, dass ich mich über Goldbergs Werk, trotz Wissens von seiner umwälzenden Bedeutung, ausschweige. Vielleicht sieht nun Herr Hepner ein, dass ich. da Ich wohl den grossen geistigen Gehalt, aber nicht die umwälzende Bedeutung des Goldbergschen Werkes anerkenne, nicht daran denken musste, mit besonderer Beschleunigung zu rezensieren. Der amerikanische" Professor Hoschander, den er zitiert, mag ja überzeugt sein, dass „wir alle unsere Auffassungen Uber Israels Religion, Geschichte und Literatur werden revidieren müssen" — ich bin dieser Ueherteugung eben -nicht Wir wenigstens werden'! nicht müssen. 262

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