Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 10 (4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 259 (sequence 17)
- Belongs to
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Kapital de« Buches ist dem Standpunkt de* mosaischen Gesetzes in der behandelten Frage gewidmet. Wir lesen dort ein Zitat aus dem Buche eines englischen Arztes, Dr. Melville' C. Reith, das ~ folgendermassen lautet: „Dies ist das unveränderliche Gesetz und je bälder die Menschheit es erkennen und seine Wichtigkeit verstehen lernt, umso besser wird es physisch und geistig mit ihr bestellt sein. Darum rufe ich ihr im Namen des Lebens und der Gesundheit, im Namen der Millionen von verkrüppelten, schwachsinnigen, elenden und toten Kindern zu: befolgt diese höchst weisen Gebote .... Es ist die Beachtung dieses Gesetzes, was die Liebe in Millionen von jüdiseflen Familien erhält. Es gibt keinen Israeliten (gilt leider nicht mehr. N. B.) der dieses Gesetz nicht kennt, während wir Christen in bezug darauf mit Blindheit geschlagen ~zü sein scheinen." Das Buch von Paula Messer-Platz ist das intellektualistische Gegenstück zu dem Buche Hassenbachs. Sind dessen Ausführungen lnpidar und schlicht, so sind die ihrigen kompliziert und gepflegt. Es geht beiden im Grunde um dasselbe, um den Widerstand gegen den blinden Trieb. Aber während Hassenbach diesen Widerstand im Namen der alten ewigen und einzigen Moral fordert und sich dann damit bescheidet, dessen Notwendigkeit mit dieser Moral selbst, aber auch mit den Erfahrungen des Lebens und der Wissenschaft zu begründen, fordert ihn Paula Messer-Platz im Nomen einer neuen Moral, also unter Aufgabe des absoluten Sittengesetzes, und gibt eine Menge von Anweisungen, wie ihn durchzusetzen. Sie weiss dabei sehr viel — und darunter manch' Nachdenkliches und Fruchtbares — über das Verhältnis von Mann und Weib sowie über die Aufgabe der Frau zu sagen. Als ausgesprochenste Wissenschaftsoptimistin und Vernunftidealistin vergisst sie, das es nicht lauter sich Rechenschaft gebende Edel menschen, _ oder was sich dafür hält, gjbt und dass auch bei diesen die angepriesene Bewusstheit sehr bald vor dem Triebe versagt. Sie übersieht, dass die breite Masse von dem „Wissen" um das Problem nur Schaden genommen hat Was sie anstrebt, wird, soweit es sich mit religiösen Forderungen deckt, Wahrheit erst dann werden können, wenn einmal wieder die Zeit der Religion gekommen sein und diese ihr Gesetz wieder mit elementarer Strenge verkünden wird---- Immerhin ist das Buch von Paula Messer-Platz Berufenen und Gefestigten zu empfehlen. N. B. DER SOHAR. Ernst Müller. — Der Sohar. Das heilige Buch der Kabbala. Nach dem Urtext herausgegeben. - Verlag Dr. Heinrich Glanz, Wien. Von den grossen Büchern des jüdischen Schrifttums Ist der Sohar das selbst innerhalb der Judenheit, auch ihrer traditionellsten Schichten am wenigsten bekannte. Es i.st,^wTgen seines Welträtsel aufgebenden Inhaltes und wegen seiner umschreibenden Sprache nur Wenigen zugänglich und auf diese Wenigen blickt das Volk mit einer Art scheuen Bewunderung. An dieser Sachlage kann auch eine deutsche Uebersetzung nicht zu viel ändern. Denn abgesehen davon, dass nur ein kleiner Teil des jüdischen Volkes deutsch liest, ist eben das Buch auch für die Intelligenz des Durchschnitts nicht recht verdaulich. Nichtsdestoweniger hat sich Emst Müller ein grosses Verdienst damit erworben, dass er grossere Teile des Sohars ins Deutsche übersetzte, da nunmehr deutsch lesende Berufene einigermassen in das Geheimnis des Sohar werden eindringen können. Dabei ist seine Uebersetzung, was bei der Eigenart des Themas und der Sprache viel bedeutet, sehr gut. Die Sprache ist leicht und gibt, ohne zu archaisieren, etwas von der Atmosphäre des Originales wieder. Die Einleitung de« Uebersetzer» ist 299