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Der Aufstieg · 1932-04-01 · 10 (4.1932) · p. Seite 257

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
10 (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 257 (sequence 15)
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Freilich sind wir nicht unschuldig daran, dass ein Schriftsteller, der am Ende wohl doch nicht fähig ist, bewusste Unwahrheiten vorzubringen, unbewvsst ao sehr die Wahrheit verletzen kann. Denn warum berichten wir nicht (in aller Oeffentlichkeit und bis ins Detail über die haarsträubenden Verfolgungen, denen die jüdische Religion, die jüdische Religionsübung und die Juden, die ihrer Religion treu bleiben wollen, in Russland ausgesetzt sind? Warum protestieren wir nicht gegen die Gottlosenbewegung? Muss es dann nicht scheinen, dass wir besondere Proteges, also wahrscheinlich geheime Gesinnungsgenossen der Gottlosen sind? Warum bleiben alle Mahnungen nicht länger zu schweigen, ungehört? Dürfen wir den so ganz und gar unbegründeten Vorwurf auf uns sitzen lassen, dass wir mit den Gottlosen unter einer Decke stecken? Hat nicht insbesondere die Orthodoxie die Pflicht, aufzutreten und vor Gott und den Menschen Zeugnis* gegen die Gottlosen abzulegen? Ohne Furcht! Wer denn, wenn nicht sie? KOMMUNISMUS ALS ERZIEHER. Bezeichnend für die Verheerungen, die der Marxismus in den Köpfen von Juden, die von ihm befallen sind, anrichten kann, ist das Verhalten eines bekannten Berliner Anwaltes im Prozesse gegen die Huligans vom Kurfürstendamm. Selbiger — zuerst Assimilant gewesen, dann Zionist und sogar Vorsitzender der Berliner Zionistischen Vereinigung, zuletzt Marxist und insoferne auch eine ausgezeichnete Illustration zu der in vorstehender Notiz besprochenen kommunistischen Gefahr für den Zionismus — hat von seinem Fenster aus viele Gewalttaten beobachtet, aber erst zur zweiten Verhandlung (gegen Graf Helldorff und Genossen) als Belastungszeuge sich gemeldet. Uud warum nicht zur ersten? Nun, weil es sich da um Proletarier handelte und er gegen Proletarier nicht aussagen wollte____ Man bedenke den Grad der Verstiegenheit: Wenn es Proletarier sind oder richtiger, wenn der Herr Anwalt sie für solche halt, dann dürfen sie des Weges kommende Juden ruhig misshandeln und martern. Dann wird die Empörung auf Eis gelegt und erst hervorgeholt, bis Nichtproletarier auf der Anklagebank sitzen____ Kommunismus als Erzieher! * ^_ EIN DOKUMENT. Dr. Karl Kindermann. — Zwei Jahre in Moskaus Totenhäutern. Der Motkauer Studentenprozeu und die Arbetdsmethod« der OGPU. — Eckart-Verlag, Berlin- Leipzig 2931. Wer ein zeitgeschichtliches und menschliches Dokument ersten Ranges kennen lernen will, lese dieses Buch. Wenn ich zeitgeschichtlich tage, so habe Ich damit nicht nur die Begebenheiten als solche im Auge, von denen es erzählt, sondern vor allem auch, was an allgemeinen Ursachen, Begleitumständen und Wirkungen hinter diesen Begebenheiten steckt Im Grunde sind die entsetzlichen Justiz-, Kerker- und sonstigen Mordgreuel, die, wohl beglaubigt, am Leser vorüberziehen, nur Chronik. Aber die Gesinnungen, die hinter und neben diesen Taten hervorleuchten, die Verderbnis, die man aus ihnen über das ganze Russische Reich hinwuchern sieht, die Rache der Zukunft, die man schon schwelen fühlt und die Welthetze im Hintergrunde des russischen Geschehens, von deren Urorganisierung durch die Mlssetitsr und ihre Sendling« wir Zeugen werden, — sie sind echteste Zeitgeschichte. Und der besoffene Gefängniadirektor der Tscheka, der nicht nur weibliche Häftlinge mit seiner Neigung beglückt, sondern auch Gotteslästerungen und .Leugnungen rohester und lächerlichster Art hervorgröhlt, ist geradezu eine iym- 257

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