Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 10 (4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 255 (sequence 13)
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zu verzeichnen. Er empfing anlässlich einet Aufenthalts in Zürich den Z ^Mitarbeiter der dort erscheinenden „Jüdischen Presszentrale' und äusserte sich sehr ausführlich über aktuelle jüdische Fragen. Sehr interessant ist, was er über den Zionismus und die mit diesem zusammenhangenden Probleme sagte. Hier soll aber nur seine Stellungnahme zun Judentum im allgemeinen und zur Judenfrage in Deutschland vermerkt werden Er betonte seine positive Einstellung zu den konstruktiven Ideen des Judentums, welclie die westeuropäische Kultur mitbilden halfen. Universalistischer Geist sei ein natürliches Erbteil des seit Jahrhunderten zum Mittler erzogenen jüdischen Menschen und in diesem immer universalistischer werdenden Zeitalter werde 4*c Rolle der Juden wachsen. Indem er auf die nationalsozialistische Partei zu sprechen kam, bezeichnete er deren geistigen Inhalt und speziell die Rassentlieorie für verfehlt, widerlegt und ad absurdum geführt Aber die Juden, fügte er hinzu, dürfen nicht den Fehler begehen, auf den Antisemitismus, der zwar ein zur Zeit virulenter, aber doch kein wesentlicher Bestandteil des Bewegung sei, den Hauptakzent zu legen. Nichts gebe dem Antisemitismus berechtigtere Nalirung, als solche Zuspitzung einer grossen nationalen Bewegung auf ihre Stellung zum Judenproblem, als sei eine nationale Erhebung nichts als Judenhetzc.... Eüie zweite Stmme ist die des Reichskanzlers Brüning. Wenn es sich auch um Aeusscrungen handelt, die in einem bald nach dem Tode Rathenaus geschriebenen Artikel getan wurden — sie sind jetzt in einem neuen Buche „Brüning" von Dr. Alfons Nobel mitgeteilt — bo ist doch lücht anzunehmen, dass Brüning heute, wesentlich anders denkt. Für ihn ist der plumpe Antisemitismus der deutschen Jugend falsch und vcrurteilenswert. Er meint, dass der Antisemitismus nur das Problematische im Juden erblicke und die wertvollen Eigenschaften des noch gläubigen Juden übersehe. Aber er stellt andrerseits fest, dass die Mehrheit der deutschen Juden die schlechten Eigenschaften der Deutschen angenommen und nachgeahmt hatte und ebendadurch den Antisemitismus in gewaltigem Masse hervorrufe. Zu diesen schlechten deutschen Eigcitschaftcn, welche., die Juden übernommen hätten, rechnet Brüning u.a. die Unfähigkeit, das eigene Ich freiwillig grösseren Zielen unterzuordnen, den Glauben, die Welt mit Theorieen schematisch gestalten zu können, dem Willen, den Gegner nicht nur als Politiker kaltzustellen, sondern ihn mit allen Mitteln auch moralisch zu vernichten. Er rechnet dazu weiter das Niederzissen jeglicher Autorität, die widernatürliche Scham vor der eigenen geschichtlichen Vergangenheit, die Sucht, aus Lastern sittliche Wertmasstäbe zu machen, das Aufrichten des goldenen Kalbes als einzigen Gottes und er appelliert schliesslich an die deutschen Juden mit den Worten: „Wollt Ihr es gestatten, dass Eure Stammesgenossen alles niederreissen und mit Hohn und Ironie die grosse geistige Erbschaft eines Volkes versetzen dürfen?" Unsere deutschen Juden werden natürlich diesen Brüning nicht sehr goutieren und im stillen Kämmerlein die Köpfe über ihn schütteln. Wir aber meinen, dass gerade dieser Brüning, trotz der Irrtümer, die ihm bei seinem Urteile unterlaufen, den deutschen Juden als solchen weit mehr zu sagen hat als Brüning der Politiker und Reichskanzler. SPANIEN UND DIE JUDEN. Die gross* Rede des spanischen Kultusministers, Fernando de los Rio«, in der verfassunggebenden Versammlung und manche Aufsätze in der spanischen Press« haben in Spanien und in der ganzen Welt Aufsehen und speziell bei den 235