Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 10 (4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 254 (sequence 12)
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ein ganz anderes geworden. Alierdinga, dann wäre ja auch von vornherein alles ganz anders.... 1 ZURUECKHALTUNG TUT NOT. Die zionistische .jüdische Rundschau" wies in Hinsicht auf die deutsche Reichspräsidentenwahl darauf hin, dass selbst Theodor Wolff in einem Artikel im „Berliner. Tageblatt" seinen Lesern Zurückhaltung empfiehlt, um es rechtstehenden Kreisen zu erleichtern, sich der Hindenburgfront anzuschliessen, — wobei er allerdings diesen Rat durch den höhnischen Ton gegenüber den politischen Gegnern stark beeinträchtigte. Daran anknüpfend schrieb die „Jüaische Rundschau": „Die sensationelle Aufmachung, die man in diesen Zeitungen der Frage der Staatsbürgerschaft Hitlers gegeben hat, hat gewiss viele Juden peinlich berührt. Wir wollen nicht missverstanden werden. Wir wissen, welche Bedeutung dem Abwehrkampf gegen Hitler und gegen den Nationalsozialismus zukommt. Ganz abgesehen davon, was sich aus Gründen der deutschen Politik hierüber sagen liisst, — für uns als Juden, die vom Nationalsozialismus unverhüllt auf das schärfste in ihren Rechten und in ihrer Position, ja geradezu in ihrer physischen Existenz bedroht werden, bleibt gewiss keine andere Wahl. Aber dieser notwendige Kampf soll auf der richtigen Ebene ausgefochten werden. Als unwirksam empfinden wir et, wenn man gerade eine formelle Frage, die der Staatsbürgerschaft Hitlers, der immerhin von vielen Millionen unbestreitbarer Deutscher als Führer anerkannt wird, so sehr akzentuiert in den Vordergrund stellt." Wir stimmen diesen Ausführungen durchaus bei. Wenn aber die „Jüdische -Rundschau" betont, daas zu einer Einsicht wie der ihrigen nur jüdische Jourrialisten und Redakteure kommen können, welche die jüdisch-nationale Schule durchgegangen sind, so hat das einmal gestimmt. Allein, die Zionisten haben selbst Jahrzehnte lang diese Einsicht vergessen. Erst in der jüngsten Zeit besinnen sie sich wieder auf ihren anfänglichen Standpunkt inbezug auf das Verhältnis zu den Volkern, unter denen wir wohnen. Und auch dies nur sehr allmählich und nur zu einem geringen Teil. Denn dieser Standpunkt verlangt nicht nur Absage an den . albernen und nutzlosen Anti-Antisemitismus, sondern auch an das ebenso alberne und nutzlose und obendrein der jüdischen Geistestradition widersprechende Radikalinskitum. Und gerade darin zeigt sich bei den Zionisten vorläufig nur eine sehr geringe Besserung. Womit wir aber nicht sagen wollen, dass wir nicht allen Grund haben, ihnen auch nur für die Teilbesinnung' dankbar zu sein. Denn vielleicht entschliesst sich jetzt unsere orthodoxe Jugend, die so gerne dem Zionismus auf seinen verschlungensten Pfaden folgt, ihm auch einmal auf einem Wege gesunder Vernunft und vornehmen Takts zu folgen. ERNSTE STIMMEN. Die von einer gewissen Gruppe von Intellektuellen jüdischen Stammes unseren deutschen Juden — Liberalen, Zionisten und leider auch Orthodoxen — suggerierte Gewohnheit, sich gegen Stimmen von Nichtjuden, die nicht zu den sogenannten „linken" politischen Parteien gehören, als -gegen „antisemitische" die Ohren zu verstopfen, bringt es mit sich, dass sie vieles nicht zu hören kriegen, was keineswegs übelwollend ist und jedenfalls durchgedacht zu werden verdient. Umsomehr scheint es uns geboten, auf Stimmen aufmerksam zu machen, die nicht gerade von „rechts" kommen, aber so klingen, dass sie ganz gut von gemässigt« ren Leuten der verfehmten „rechten" Seite kommen könnten. Da war« zunächst die Stimme des Philosophen Orafen Keyserling 254