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Der Aufstieg · 1932-04-01 · 10 (4.1932) · p. Seite 253

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
10 (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 253 (sequence 11)
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BEMERKUNGEN. In dieser Hubrik sollen Geschehnisse auf ihren Hintergrund oder auf ihre Wirkungen hin in'möglichster Kürze besprochen werden; auch Hucherschcinungen und sonstige literarische und künstlerische Ereignisse, die ja.auch Geschehnisse im gesellschaftlichen Lehen sind doch, weil so betrachtet, ohne alle litcraten- % hafte Ambition. Und es muss auch nicht gerade immer Neuestes sein, wozu wir unsere Bemerkungen machen. Wenn Aelteres da ist, das auf noch Wirksames öder auf noch mögliche Wirksamkeit hinweist, so wollen wir es nicht deshalb übergehen, weil an seinem beginn wir noch nicht da waren. . TROST. Es ist bekannt worden, das aus Anlass der pogromartigen Vorgänge am Kurfurstendamm die Berliner Gruppe der Quäcker (Gesellschaft der Freunde) an die Berliner Jüdische Gemeinde folgerTdes Schreiben gerichtet hat: „Liebe Brüder und Schwestern! Mit Schmerz und Scham denken wir an da* Leid, das die würdelosen Vorgänge am Kurfurstendamm Uber Euch gebracht haben. Wir fühlen uns mitverantwortlich und mitschuldig, weil wir nicht genug getan haben, um dle'Tiasserfülltc Atmosphäre zu entgiften. Deshalb bitten wir Euch um Verzeihung für das, was Euch angetan wurde. Wir danken Euch, wenn Ihr nicht Hass mit Hass vergeltet. Wir haben Eurer in unserer heutigen Andacht gedacht: Euer Leid ist unser Leid. Wir bitten Euch, in uns Eure Freunde zu sehen." Die Berliner Jüdische Gemeinde hat diesen Brief folgen de rma—rn beantwortet: „Sehr geehrte Herren! Wir bestätigen Ihr gefälliges, am 22 d.M.. hier eingegangenes Schreiben und sprechen Ihnen für Ihre verständnisvolle 'Anteilnahme unseren verbindlichsten Dank aus. Mit vorzüglicher Hochachtung Vorstand der Jüdischen Gemeinde." Es ist klar, dasa diese Antwort die Bedeutung des Schreibens der Quicker vollständig verkennt. Wir gehören gewiss nicht zu denjenigen, die uns an Irgendeinem freundlichen, Worte aus nichtjüdischem Munde nicht genug erlaben können. Wir pflegen sogar eine tüchtige Portion skeptischen Gleichmutes gegen derlei aufzubringen. Allein, die Kundgebung der Quäker ist eben nicht bloss das Ergebnis einer politischen KonstellaUon, durch die man in die Nähe der Juden geraten ist, sie ist auch .nicht bloss eine Manifestation in Wahrung eines Prinzips oder einer Weltanschauung. Sie ist sogar mehr als eine löblichermassen gefühlte und erfüllte Pflicht des Protestes gegen huliganische Untaten. Sie ist — aus Entsetzen Uber diese Untaten, aus unendlichem Wehe über die unserem Volke angetane Schmach, aus tiefstem Tröstungsdrange geboren — ein wahrer Trost in der Trostlosigkeit unserer Lage. Und dafür kann unsere Anerkennung nicht rückhaltslos genug und unser Dank nicht he in genug sein. Im übrigen hat sich hier wieder einmal bestätigt, was wir, damit es endlich im Sinne der Tat auf uns wirke, nicht oft genug bestätigt erhalten können: Das* wir die jüdische Allgemeinde brauchen. Hätten wir sie gehabt und die Quäcker an die Repräsentanz des ganzen jüdischen Glaubensvolkes sich gewandt, diese, hätte ihnen mit ganz anderem Nachdrucke erwidert und das Echo beider Kundgebungen war»

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