Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 9 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 234 (sequence 16)
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schwerer als die Taten der Huligans und ab die Sanktion durch die schadenfrohen ruhigen Zuschauer.-Und sie wiegt am schwersten, wenn sie nicht nur von antisemitischen Journalisten ausgeht, die ihre HuKgans vor Strafe bewahren wollen, sondern auch von Leuten, die an sich gar keine Antisemiten sind, aber im nationalen Inten-,die für die Huligans direkt verantwortliche Partei vor üblem Rufe zu schützen bestrebt sind, zugleich aber auch, aus einer gewissen Scham heraus, nicht gerne als Genossen, von/' Pog) omanstiftern und Pogromhelden dastehen mochten. Ks ist ein schmerzliches Cef ül, zu seilen, wie Menschen, die man als solche von Niveau und Persönlichkeit .kennt, von denen man weiss, dass sie gegen die Juden zwar gewisse Beschwerden haben, aber ihnen trotzdem Anerkennung und Achtung nicht versagen — so leichten Herzens die Tatsache hinnehmen, dass in einer der belebtesten Strassen Berlins Juden an ihrem Neujahrstage auf dem Wege aus der Synagoge von entmenschten Wüterichen verprügelt, niedergeschlagen, verwundet werden. Sie verkehren doch auch freundschaftlich mit Juden, schätzen ihre Leistungen oft hoch ein, rühmen so manche von ihnen: Hütte ihnen da nicht, wenn sie schon nicht von den Geschehnissen an sich erschüttert wurden, zumindest der Gedanke kommen müssen, dass doch auch einen dieser ihnen nahestehenden oder von ihnen gefeierten Juden das Missgeschick hätte treffen können, mit den Stiefelabsätzen eines Huligans Bekanntschaft zu machen und hatten sie da nicht ihren Prolest gegen das Furchtbare, das auf dem Berliner Kurfürstendamm geschah, in die Welt hinausschreien müssen? Nun, da dies alles nicht geschehen ist, wie soll da unter den deutschen Juden die Erkenntnis wachsen, dass es für sie besser wiire, ihren notwendigen Abwehrkampf gegen den Antisemitismus nicht als politischen Kampf gegen deutschnationale und konservative Ideen und Strömungen zu führen? Vielleicht denken die Herren ein wenig darüber nach---- NICHTS RÜHRTE SICH. Die vorhergehende Bemerkung war schon gesetzt, als bei der, Gerichtsverhandlung gegen Graf Helldorf und Genossen die ganze Scheußlichkeit der Kurfürstendamm-Krawallc erst so recht deutlich zutage trat. Daraufhin ging die "Deutsche Allgemeine Zeitung" doch schon so weit, dass sie die diffamierendsten Zeugenaussagen veröffentlichte, sodass ihre Leser endlich doch erfuhren, wie die Huligans gewütet haben. Aber weiter ging sie nicht, und ebenso nicht alle die national Gesinnten, die von sich, und meist sogar der Wahrheit gemäss, behaupten, dass sie keine Antisemiten seien. Keine Stimme leidenschaftlichen Grolles, kein Aufschrei der Empörung ertönte. Nichts rührte sich. Man kann doch den Huligans und ihren Hintermännern nicht zu nahe treten ... -----_ PFERDEGEBISSE, BEBFGESICHTER.. ,\ In der "Berliner Jüdischen Zeitung", einem neuen zionistischen Blatt, veröffentlicht Professor Dr. Theodor Lessing (Hannover) einen Artikel unter dem Titel "Kräftespiel in Palästina", dessen Inhalt uns hier bis auf eine Stelle nicht weiter interessiert. An dieser einen Stelle-lässt sich nämlich Herr Professor Lessing, ein bekanntlich etwas unruhiger Herr, den der am eigenen Leib stark verspürte Antisemitismus zu den Zioniften trieb, folgendermassen vernehmen: "Zwischen den religiös fanatisierten Arabern und den energiegeladenen, vom Zukunfsglauben beschwingten Juden wandeln säulenstarr und unbewegt baumlange, dürre Kerle 234