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Der Aufstieg · 1931-11-01 · 9 (11.1931) · p. Seite 232

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
9 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 232 (sequence 14)
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wie ursprünglich, eine nachdenklichere Stellungnahme zum Problem des Judenhasses sich geltend zu machen scheint. Wenigstens kann man die Worte, welche die "Jüdische Rundschau" — allerdings das Organ der Zionisten Berlin-Prager Prägung — aus An'..., der Berliner Vorfalle zu sagen hat, nicht anders verstehen. "... Wer die ernstere nationalistische Publizistik in Deutschland verfolgt," heisat es dort, "weiss wohl zu würdigen, dass hier neue Wege gesucht werden, und dass es falsch wäre, die nationale Bewegung irr Deutschland mit Unbildung oder gar mit Radau-Heldentum zu identifizieren, wie es in manchen Teilen der liberalen Presse - - die dann leider auf jüdisches Konto geschrieben wird — oft geschieht. Je stärker der Nationalismus wird und je naher die Möglichkeit rückt, dass er in irgend einer Fuim veiantwortlich an den Staatsgeschäften teilnimmt, umso grösser wird das Bestreben der im nationalen Lager zur Führung strebenden Kreise sein müssen, auch auf die gegebenen Realitäten eine Antwort zu finden und mit der politischen Konstellation zu rechnen. Es wäre daher verfehlt, die politischen und geistigen Entwicklungen lediglich unter dem Gesichtspunkte des Antisemitismus zu betrachten; je ernster der deutsche Nationalismus seine .Aufgabe wird nehmen müssen, umso geringer wird die Rolle sein, die der Judenpunkt in seinem Programm spielen wird." Wenn die "Jüdische Rundschau" diesem richtigen Urteil den ebenfalls richtigen Hinweis auf das trotzdem Gefährliche der heutigen Situation folgen lässt, so wird dadurch das Urteil durchaus nicht umgestossen. Wie verfehlt es ist, jeden der sich mit stärkerer Betonung als nationalen Deutschen bekennt oder um es mehr tagespolitisch auszudrücken, zur „Rechten" gehört, eo ipso als Antisemiten zu betrachten, dafür liefert z.B. die Persönlichkeit des bekannten Dichters Freiherrn Börries von Münchhausen einen schlagenden Beweis. Derselbe Mann, welcher der ältesten Aristokratie Deutschlands angehört, durchaus adelsstolz und, konservativ ist, der so sehr "rechts" steht, dass er an der jüngst stattgehabten Harzburger Tagung der "nationalen Opposition", also geineinsam mit den Nationalsozialisten teilnahm, hat sich — nach „J. P. Zürich" — über seine Stellung zu den Juden befragt, u.a. folgendermassen geäussert: „Bei aller meiner Liebe für das Judentum und den Zionismus habe ich nie die Auswüchse bei manchen Juden übersehen und dieselben öffentlich gegeisselt. Doch verwahre ich mich dagegen, mir nur die leiseste antisemitische Tendenz zuzuschreiben. Der Antisemitismus ist mir fremd. Wie könnte ich sonst meine Gedichte "Juda" geschrieben haben und mich heute noch zu ihnen bekennen?... Ich habe beobachtet, dass die Adlichen sich mit den Juden eher verstehen können als vielfach der Deutsche Bürger. Uns ist die bei jedem von uns gepflegte eigene Tradition gemeinsam. lieh zähle viele Juden zu meinen Freunden und besuche noch heute öfters jüdische Gotteshäuser, wie letzten Freitag auch hier in Karlsbad, wo ich zur Kur weile." -; — Sehr lehrreich inbezug. auf das, was Münchhausen andeutungsweise "Auswüchse, bei manchen Juden" nennt und auch wieder ein Beweis dafür, dass viele, die nach dem höchst einfachen Schema unserer führenden und verführenden Intellektuellen automatisch unter das Stichwort "Antisemiten" fallen, in Wahrheit dem jüdischen Volke in Hochachtung gegenüberstehen — sind folgende Ausführungen des Dichters Hans Grimm in der "Deutschen Allgemeinen Zeitung": "Ich sehe nämlich mit immer neuen Erstaunen, dass die staatlich erlaubte Deutschheit eines Deutschen,.'.. dass die Art seines Volksgefühls, dass der Ausdruck seiner vaterländischen Hoffnungen, dass seine Freiheit und Gebundenheit, dass angebliche heimliche Pai teizugehörigkeiten zunächst von Leuten beurteilt und entdeckt werden, die wohl nicht weniger fleissige Arbeit leisten und nicht weniger die Staauburgerpflichten erfüllen und die gewiss in ihren und allgemeinen Dingen feine und empfindliche Seelen haben mögen, die nur eben — Gott weiss warum — 232

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