Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 9 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 228 (sequence 10)
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sich selbst arbeiten, sich selbst zu erziehen und zu bessern suchen und das eigene Tun und Lassen einer genauen Prüfung unterwerfen. Denn wie kann ein Mensch von seinem Kinde verlangen, dass es besser sei als er selbst, dass es seinen ungestümen Trieb dort hemme, wo er selbsi ihn nicht zügelt? Und das ist der Sinn der Worte von Habbi Elosor ben Asarjo: Die Kinder sollten zur Hakhcl-Vcrsammlung mitgebracht werden, damit man für si<> Lohn empfange. Ks sollte gleichsam den Alten gezeigt werden, dass sie sich ihren Kindern zuliebe zu bessern hätten. Es sollte ihnen gesagt^scin: Wenn Ihr Eure Fehler ablegt, so werdet Ihr den Segen Eures Tuns an Euren Kindern wahrnehmen, und für sie und an ihnen den Lohn empfangen. Verharrt Ihr aber bei euren alten Sünden und Verfehlungen, so werden -sich die Folgen eures Tuns an Euren Kindern rächen und ihr werdet an ihnen die Strafe empfangen. Dass eine solche Bilanz wesentlich geeignet ist, eine Besserung herbeizuführen und dass wiederum eine Hebung und Besserung nur aufgrund einer solchen genauen Bechenschaft möglich ist, können wir leicht feststellen, wenn wir die Wirkung und Auswirkung einer Bilanz dort beobachten, wo sie am häufigsten angewendet wird, nämlich im (ieschäftsleben. Die jährliche Bilanz prüft die Geschäftsvorgänge des abgelaufenen Geschäftsjahres aufs genaueste, sjellt eventuelle Fehler, die zu beseitigen sind, fest und zeigt, was einer Hebung und Förderung bedarf und wo sie nötig sind. Oder wenn ein Geschäftsmann einen Bückgang in seinem Geschäfte merkt, so greift er ebenfalls sofort zur Bilanz, um den Grund des Uebels herauszufinden und sein Geschäft rechtzeitig vor dem völligen Untergang zu retten.Wie ist es aber im Geistigen? Sollten wir nicht auch da von Zeit zu Zeit eine eingehende Bilanz machen? Müssten wir nicht auch da genaue Untersuchungen anstellen, wenn wir einen Bückgang bemerken, um den Grund des Uebels herauszufinden? Weshalb denken wir aber nicht daran? Duss es bei uns, in unserem geistig-religiösen Leben seit einiger Zeit immer mehr bergab geht, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Wir registrieren diese Tatsache schon sehr lange, ohne etwas dagegen zu tun, ohne die Ursache des Verfalls aufzuspüren, um eine Besserung herbeiführen zu können. In keiner Zeit war ein Hakhcl. ein C.hrschbaun hanefesch des jüdischen Klal notwendiger als jetzt. Wir hätten schon längst daran denken müssen und hätten damit manches Unheil verhütet. Wir hatten den Segen an unseren Kindern wahrgenommen Und eine gute und wirkliche gottesfürchtige Jugend gehabt. Wir hätten rechtzeitig 228