Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 9 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 225 (sequence 7)
- Belongs to
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mente leben, — eine erbärmliche Verirrung, die hoffentlich bald Episode geblieben sein wird. Die Absage an die Moderne ist die erste Voraussetzung für alle weiteren Schritte, um zur Religiosität in voller Kraft und Auswirkung zu gelangen. Mit dieser Absage bekommt man die weitesten Möglichkeiten in die Hand, vor allem eine ganz andere Macht zur Beseitigung jener Ursachen, die ausser Moderne und der ihr vorausgehenden "Aufklärung" an der Verdünnung der jüdischen Religiosität mitgearbeitet haben. Denn daran sind nicht nur diese schuld, sondern auch gewisse tatsächliche Bedingungen des jüdischen Lebens, die das Aufkommen einer irreligiösen Mentalität begünstigten. Gegen diese Bedingungen, die einseitige Handelstätigkeit einerseits und die Anarchie in der geistlichen Führung unseres Volkes andererseits, müssten beseitigt werden. Das lässt aber die Moderne nicht zu. Gegen eine weitgehende und tatsächliche VeTländlichung sträubt sich der grosstadtfrcundlk'he, betriebswütige, tempogicrige Geist der Moderne, gegen eine strenge religiöse Disziplin die alte, von christlichen Aufklärern übernommene, Phrase vom Klerikalismus und Pfaffentum. Fällt die Moderne, so fallen diese hinderlichen Schlagworte, hinter denen sich im besten Falle unreifer Krakchl gegen Notwendigkeiten, sonst direkte Beligionsfeindsehaft verbirgt. Aber, das ist noch nicht die Hauptsache. Die Hauptsache ist, dass mit der Absage an die Moderne der durch sie unterwühlte, in seiner Entfaltung und Steigerung, in seiner Auswirkung gestörte, der eingeengte und gefesselte religiöse Geist von seinen Behinderungen und Fesseln frei werden, wieder er selber sein kann. Wenn in den letzten Jahrzehnten die religiös gebliebenen Juden sich zur Behauptung ihrer Weltanschauung und Lebensführung gegen die anstürmenden Gegner zusammenzuschliesscn begannen, ist das ja nicht unerfreulich. Aber wie soll man des Erfolges froh werden angesichts einer Jugend, für die es schon einen Aufschwung bedeutet, dass sie die Zjonisten und Sozialisten um ihre "grossen", "greifbaren" Ziele "beneidet, gelegentlich sich sie auch bei ihnen ausborgt und die damit verrät, dass sie, die angeblich religiöse, nicht einmal mehr ahnt, welche Grösse und "Greifbarkeit", welche gewaltigen Entladungsmöglichkeiten dem religiösen Ideal, dem Streben nach Heiligung des jüdischen Volkes im Sinne der Thora innewohnen? Was nützt aller Zusammen- M'hluss, wenn der religiöse Geist verdampft ist? Was nützt alle Betriebsamkeit, wenn man gleichzeitig dem Götzen Moderne opfert? Absage an diesen Götzen tut not! Erfolgt sie nicht, werden