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Der Aufstieg · 1931-11-01 · 9 (11.1931) · p. Seite 224

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
9 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 224 (sequence 6)
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und walten lässt, sondern sie bestimmten Sittlichkcitsregeln unterwirft? Ist es nicht höchste "Reaktion", wenn das Judentum Beschränkung der Kinderzahl verbietet? Wenn es den Frauen die Fähigkeit, Zeugin vor Gericht zu sein, und so manches andere abspricht, was ihnen bei den nichtjüdischen Völkern zum Teil schon vor den modernen Bestrebungen ohne weiteres zustand? Wenn es der Jugend kein Zeugniss des Bosserwissens ausstellt, sondern sie gerade im Gegenteil anweist, sich nach dem Beispiel der Aelteren zu formen? Ist das nicht alles "Reaktion" in Reinkultur? Warum ulso vor dem Urteil der anderen zittern, warum so drehen und deuteln, so erfinderisch und geistreich tun, um diese "Reaktion" vor der Aussenwclt und vor dem eigenen schlagenden Gewissen zu vertuschen oder ihr ein liberales Mäntclchen umzuhängen? Wozu das alles, warum sich nicht zur "Reaktion", d.h. zur Zurückweisung der Planne jener bekennen, welche die breiten Spuren Gottes in der Menschheitsgeschichte verwischen wollen? Warum nicht zu jener Gesinnung zurückkehren, der die Ewigkeit mehr wert ist als alle Zeitgeister zusammengenommen und die auch Erlösungsparolen verwirft, wenn sie Einflüsterungen der Sitro achro sind? Wann jsvird man erkennen, dass nur die sogenannte reaktionäre Gesinnung, d.h. die Bejahung der göttlichen Urforderungen an die menschliche Gesellschaft, die von der Moderne verneint werden, religiöse Gesinnung verbürgt? Dass dem dunklen Drang nach Auseinandersetzung mit der Modern«. d.h. nach verschämtem Anschluss an sie, sich hingeben, nicht Teilnahme an einer .epochalen Wandlung der Welt, sondern an einer tragikomischen Episode ist; dass dieses Nicht ruhen des modernen jüdischen Menschen, bis er sich nicht in das Heer dajr1 Tüftlcr,~der Nivellierer, der Schablonierer, der Gcschichtskalkulanten eingereiht hat, nichts weniger als ein Ehrentitel ist, sondern ein¬ Stigma, dass uns blosstellt? Wann wird man endlich als Jude dies sagen können, ohne von einer durch den Modernismus platt gedrückten Mehrheit missverstanden und verhöhnt zu werden? Absage an die Moderne tut not. Sic ist die erste Voraussetzung für die gläubige jüdische Jugend, um sich ihre Religiosität zu erhalten oder besser zu gewinnen. Sie braucht nicht zu fürchten, dass sie sich damit die Verbindung mit der übrigen Kulturwelt abschneidet. Denn Moderne ist nicht Kultur, sondern Kultur auflösung. nicht Vertiefung, sondern Verflachung, nicht etwa identisch mit europäischer Kultur, sondern innerhalb dieser grossen menschheitlichen Erscheinung, - in der nebst den griechischen, römischen und germanischen starke jüdische Ele- 224

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