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Der Aufstieg · 1931-11-01 · 9 (11.1931) · p. Seite 223

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
9 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 223 (sequence 5)
Belongs to
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eine Sache der Gottlosen einspannt. Und dies ist eine der ernstesten Tatsachen in dem heute so heissen Kampfe zwischen Glaube und Unglaube — umso ernster, weil es hauptsächlich die Jugend, die religiöse Jugend ist, die von der Nachgiebigkeit gegenüber der Moderne ergriffen erscheint. Diese besondere Ergriffenheit der Jugend mag wohl für sie so wie für viele andere ein Reweis dafür sein, dass die Moderne auf dem richtigen Wege ist. Aber in Wahrheit ist sie der Reweis für das Gegenteil. Denn nur krnft ihrer Modernität erhebt ja die Jugend den Anspruch, Orakel des Zukunftsweges der Menschheit zu sein und in deren Rat die entscheidende Stimme zu haben. Und das ist doch ein Anspruch, der gegen die elementarsten naturgeschichtlichen und geschichtlichen Lehren und Erfahrungen Verstoss!. Gewiss kann die Jugend Redeutung für die Allgemeinheit erlangen, doch nur auf grund ihrer natürlichen Vorzüge: dadurch, dass sie sich ihr mit ihrem Temperament, mit ihrer Leidenschaft und mit ihrem ganzen Kräftevorrat zur Verfügung stellt. Allein aus eigenem geben, selber diktieren, das kann sie nicht, auch wenn sie glaubt, es zu können oder gar es zu tun. Sic nimmt und gehorcht — nach dem Gesetze der Masse; his vor nicht langer Zeit denjenigen, die ihr Ueberlieferung und Religion predigten, jetzt denjenigen, die sie zum ersten Eaktor der Weltgeschichte unidichten, die ihr viel Schmeichelhaftes sagen und obendrein volle Freiheit in Tun und Lassen gewähren. Und sie gehorcht mit dem ganzen Elan der Jugend. Jede Verschrobenheit der Moderne wird peinlich mitgemacht. Und dabei ist man unglaublich — "fromm". Resonders stark hat sich diese Verkehrtheit in der jüdischen Jugend eingebürgert. Ui\d das ist kein Wunder, wenn man be¬ Tradition dafür gibt, die Zeitmode mitzumachen, alles, was diese Mode Reaktion nennt, unbesehen in den Rann zu tun und dabei nicht in Retracht zu sieben, dass die Religion und die Religiosität und ganz besonders die jüdische für die ungeheure Majorität der Modernen zur Reaktion gehört. Und hat denn diese Mehrheit von ihrem Standpunkte nicht Recht? Und tnuss ihr nicht die winzige Minderheit, die gläubig und modern sein will, geradezu grotesk erscheinen? Gibt es denn etwas "Reaktionäreres" als die mizutaut maassiaut, die der neuen Sachlichkeit — nicht zu verwechseln mit der alten, besser ewigen — so sehr widersprechen? Oder ist es nicht höchste "Reaktion", wenn das Judentum nur eine absolute und keine relative Moral kennt? Oder wenn e* die Geschlechtsleidenschaft nicht ganz frei schalten Judenheit schon eine gewisse 223

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