Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 9 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 222 (sequence 4)
- Belongs to
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Beschränktheit oder aus einer gewissen Ucbcrspitztheit heraus - den absolutcii Gegensutz zwischen der Moderne und der Religion und damit die ungeheure (iefnhr nicht sehen, die dieser von jener droht, ja, sich ineist sogar mit Fanatismus im Namen der Religion für die Ideen der Moderne einsetzen, für sie werben, ihren anti religiösen Trägern und Verfechtern allerlei Komplimente machen. Ihr Irrtum wird doppelt gross, wenn sie sich nocli einbilden, dadurch den religiösen Verfall ihrer Umgebung aufzuhalten. In Wahrheit beflügeln sie ihn noch, indem sie lausenden anderen, die nicht gleich ihnen die Anlage zu soviel Widerspruch in sich selbst besitzen, das Zeichen zu völliger Flucht aus der Religion geben. Ja, aber insofernc die Moderne die Menschheit zur Herrin ihres eigenen sozialen Schicksals machen, die Enterbten erlösen will — soll sich auch das nicht mit Religion und Hingabe an Gott vertragen? Soll man. Wenn man ihre sonstigen Forderungen und Leistungen ablehnt, auch auf diesem Gebiete nicht mit der Moderne gehen dürfen öder besser müssen? Zweifelsohne, wenn das, was die Moderne anstrebt, nur wirklich Erlösung wäre, wenn ihre Methode nicht so beschaffen wäre, wie sie ist, wenn ihr seelischer 4fusgangspunkt nur nicht so ganz der religiösen Gesinnung zuwiderliefe. Aber es ist doch a priori klar, dass ihre soziale Moral aus dem inneren Gesetze und Wesen, das sich in ihren allen anderen Prinzipien, Forderungen und Leistungen mit kecker Aufdringlichkeit offenhart, nicht herausfallen kann. Religiöse Menschen, wenn ihre Religiosität echt und tief ist, müsslen diese Art von Weltbeglückung fiehen. Nicht nur wegen der Gewalt, mit der sie sich durchzusetzen sucht, sondern vornehmlich in der Erkenntni dass aus dem aller JGottcssehnsucht und aller Gottesgebot-Erfüllung baren System kein Menschheitsglück erblühen kann. Ihre religiöse Intuition müsste ihnen sagen, dass die soziale Frage nicht wie eine mathematische Aufgabe, in der die Rechnung restlos aufgeht, gelöst werden kann, dass in die Weltgeschichte keine Luftschlösser hineingebaut werden können und dass der unstatt hafte Versuch hierzu noch unstatthafter ist, wenn er von Hass gegen Gott und Menschen begleitet wird. Sie müssten einsehen, .dass vor der messianischen Erlösung der Menschheit nur Ein Wep beschrcitbar ist: Der des Aufstiegs in geduldigem Streben nacl« liebevoll und überlegt helfender Gegenseitigkeit der Menschen. Nun ist es aber einmal so, dass die Erkenntnis und Intuition der Religiösen schwach geworden ist, sodass sich ihr in der Schule der Religion gut gewordener Wille jetzt leicht und gutgläubig für 222