Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 9 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 221 (sequence 3)
- Belongs to
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dass er an die Erkenntnis der (irundelemente des Modernen gar nicht herangekommen ist, vielmehr an einzelnen seiner Aeusscrungseigenheiten haften bleibt, so z.B. an der - notabene neuen - Sachlichkeit, an der Aktivität, am Tempo, am noch nicht Dagewesenscin, an der kollektiven Methode. Daraus geht hervor, dass sich die Meisten im Volke, dus ju im Grunde eine natürliche Scheu vor ganz grossen Experimenten hat, der Moderne nicht deshalb anschliessen, weil sie in ihr eine VicJtultigkcit und einen Wesens* Zusammenhang all des Vielfältigen erkennen, sondern weil sie sich bloss einer harmlosen Neuheit auf diesem oder jenem Gebiete oder auch auf etlichen Gebieten gegenüber sehen. Sind sie aber einmal an einem Endchen erfasst, dus sich, wie gesagt, so harmlos ausnimmt und keine Weiterungen vermuten lässt. dunn ist ihr religiöses Schicksal meistens schon entschieden. Wer A gesagt hat, muss dann auch B sagen und sagt meistens auch C und I) und viele kommen dann bis zum Z. Wer z.H. die nette Institution des Familienbades als Ausdruck einer wiedergewonnenen naiven l'nbefangenheit in erotischen Dingen zu betrachen sich gewöhnt hat, der kommt auch leicht dazu, über allerlei rnkeuschheit den Mantel der Kunst zu breiten, im weiteren Zuge überhaupt keine sexuelle Moral anzuerkennen und schliesslich, da in einer Welt ohne diese kein Platz für Besinnung auf Gott ist, auch Gott zu leugnen. - Eine besondere Art von solchen der Moderne Verfallenden sind diejenigen, die in der Hauptsache nicht von den Freuden der Moderne, sondern von ihrem vermeintlich erlöscrischen Inhalt, der den Forderungen der Beligion entsprechen soll, angezogen und mehr oder weniger leicht überwunden'werden. Der eine wird von die Luft durchschwirrenden Irrlichtphrasen Wie »las schon ermähnte "Alles begreifen" bezaubert. Der andere erliegt einem der verschiedenen Wcltbcglückungssystcme und hat er einmal seine Nase in diese Dinge hineingesteckt, dun wuchst er fast immer weiter hinein und immer weiter aus der Beligion heraus. Dabei sind sich alle diese Leute, sowohl diejenigen der ersten als diejenigen der zweiten Art, wenigstens darüber klar, dass sie von Gegensatz zu Gegensatz gewandert sind. Allein, die Moderne gewinnt auch Freunde, die sich durch sie ihre Religiosität - eine klar um risse ne, nicht etwa die nebelhafte der Neureligiöscn nicht nehmen lassen wollen und nicht nehmen lassen, ja oft Bcli- . Mise strengster Observanz bleiben. Es sind dies seltsame Naturspiele der Intellektualität, die — entweder aus einer gewissen 221