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Der Aufstieg · 1931-11-01 · 9 (11.1931) · p. Seite 220

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
9 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 220 (sequence 2)
Belongs to
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der Religion selbst und andrerseits ihre SterilisTcning durch Ab- •kehr von Religionsgemeinschaft und religiöser Fonn; so die Untcrwaschüng von Hecht und Gerechtigkeit durch einen famosen Missbrauch des bekannten "Alles begreifen"; so die Emanzipation des Fleisches; so der Kollcktivicrungsfauatismus auf der einen und der l'nfug des Sichauslebcns auf der andern Seite; so die Verachtung aller Autorität, aller Ueberlieferung und des älteren Menschen und damit in Zusammenhang die Ucberschätzung und «las aus ihr sich ergehende in den Vordergrund schieben der Jugend. Was ist die Lehre von der Relativität der Moral und der ( nnbliängigkeit der Moral von der Religion anderes als eine Absage an die Religion selbst und damit auch an die Voraussetzung und das Ziel aller Religion, an die Gottheit? Wie sollte Religion, Hingebung an Gott, sich bei Menschen entfalten können, die dns gottgegebene einheitliche Sittengesetz leugnen? Was soll ein Gott, welcher der Menschheit, seiner wichtigsten Klientel, nicht den Weg zeigen könnte? Oder der sexuelle Freibrief an die Menschen — dieses Glnnzstück der Moderne — ist er etwas anderes als eine Absage an die Religion, wenigstens in ihren höheren Gestaltungen, an die Religion, die den Menschen dazu erzieht im Sturm der Leidenschaften aufrecht zu bleiben, oder wenn er schon einmal fiel, sich wieder aufrichten zu können? Ist dieser Freibrief etwas anderes als eine Absage an Gott, der in seiner Herrlichkeit, in der Gewaltigkeit seines Weltenbaues nicht möglich wäre, wenn er die Liebe der Geschlechter als eine wirre und widerliche Riesenorgie gewollt haben sollte? Oder dies alberne Sichfühlcn der Söhne gegenüber den Vätern, der Töchter gegenüber den Müttern, überhaupt der Jungen gegenüber den Alten - ist es nicht in tiefstem Grunde der Beweis eines Aufrührertums gegen Gott,-der den Respekt der Kinder vor den Eltern geboten hat und die Aellercn gereifter werden Hess als die Jungen? Wie soll ein Mensch frommen Gemütes sein können, der naseweiss, eingebildet, bockig ist, der nicht innc geworden ist, dass aus Rescheidung der Jugend und Entscheidung des älteren Menschen Geschichte wird? Kurz, der Gegensatz zwischen Moderne und Religiosität liegt offen zutage. Aber ebenso offen liegen die Gefahren, die, diesem Gegensatz entsprechend, der Religiosität von Seiten der Moderne drohen. Hört man einen von den Hunderttausenden über das, was modern ist, sprechen, so macht man fast durchwegs die Erfahrung, II 220

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