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Der Aufstieg · 1931-04-01 · 8 (4.1931) · p. Seite 214

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
8 (4.1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 214 (sequence 20)
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hervor eine Hamme, die kleinere Flammen verschlingt. Vergeistigte Schwermut geht von ihnen endloses Suchen nach dein Unendlichen, her Metra Jiter fühlt die Tragik der Ausefwähltheit. Pen Eindruck des Wartens, den Airne* Pallicre mit hellseherischer Klarheit l>ei seinem ersten Besuche In einer westlichen Synagoge hatte am Jomkippur, dem einzigen lag do Jahres.' wo wirklich eine Annäherung /.wischen Ost- und W esthlden criolgt l>ekomnit man hier, auch bei gröberer Sehkraft, an jedem I .ige. Es ist aber ein Warten, das den ganzen Menschen erfüllt und ihm den Sinn des Lehens ausmacht. Die Worte Davids: Nafschi I a s c Ii e in in i s c Ii a u m r i m I a b a u k e r, s c h a u m r i m lab a uk e r* vielleicht der prägnanteste Ausdruck des eigentlich Jüdischen, den es Kit; werden hier täglich neu geprägt und erlebt. I genartig ist es. daß das Nichterkennen. mit dem der Westjude dem h.tttaiuudcn im ersten Augenblicke begegnet, trotzdem im tiefsten Verwandtschaftsgeffihl wurzelt. Gewiß, sie sind uns fremd. Die Fremdheit aber ist derjenigen ähnlich, die wir mitunter beim zufälligen Anblick des eigenen Gesichtes im Spiegel empfinden. Ganz unbewußt haben wir uns die europäische Schönheitsnorm zu eigen gemacht. Mit einem Frstaunen. das nicht frei von Unlust ist, nehmen wir bei den Kaftanjuden unsere eigene Seele in ihrem ehern orientalischen Gepräge Wahr. Und dann erhebt sich in uns der im Westjuden schlummernde ewige jüdische ' ieist mit gewaltiger Kraft und ringt mit der Assimilation von üenerutionen. Wir haben erkannt, dalj wir dem jüdischen Volke der Geschichte begegnet sind, den Stämmen Israels, die für uns verloren waren. Und wir fragen uns: Sind wir selbst noch Israel? Wir haben unsere Figenart von uns getan. Wir,sind wie die anderen gekleidet, singen unseren Kindern ihre Lieder, steigen auf den Stufen, die ihre Hände bauten, in das Gotteshaus hinauf. Unsere Stimme hat selbst vor Gott den Widerhall ihrer Stimme. Wir lel>en in einem Frdteil. der sich seit Jahrhunderten immer weiter vom Urlicht des Orients entfernt und sich auf diesem Wege folgerichtig zur heutigen Kultur der Sachlichkeit entfaltet hat. Wir haben uns alhHTlhlicli dieser Entwicklung eingefügt, wir sind entorientajisiert. Wir können die unsichtbaren Stufen, die vom Abendins Morgenrot fuhren, nicht mehr iinden. Weil wir unsere eigene Seele verleugneten, können wir nichts Großes schaffen. Das tritt zum Beispiel im Bereiche der Kunst klar hervor Wir ahmen die Kunst der Volker nach. Aber der Künstler muß nach den Gesetzen seines Wesens schaffen und kann es nicht nach denjenigen eines anderen. Der Jude kann keinen germanischen Dom großen Entwurfes bauen. Auch kann von ihm kein germanisches Volkslied oder Epos kommen. Und wenn er es versucht, dann muß er. bewußt oder unbewußt, fälschen, Und wer sein Werk bewundert. Jude oder Nichtjude. hat sich selbst \erkannt. Wir müßten erst unerschrocken unsere schimmernde Chamälconshülle abwerfen., mutig die Figenart unserer geistigseelischen Struktur erkennen. Dann werden uns ungeahnte Kräfte zuströmen und sich zu urjüdischen Werken verdichten, (iewiß. es ist ein schwerer Weg dieser Rückweg zu unserem judischen Ich. Aber w ir brauchen ihn doch nicht ohne Unterstützung" zu " Heine Seel« h-irrt .iuf Qotl mehr als Wächter .nif den Morsen. 114

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