Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 6 [7] (2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 188 (sequence 18)
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HEBER DEN ANTIHEHITIHMI N Zu unserer unter obiger Ucberschrift in Heft 6 des „Aufstieg" erschienenen Rezension seines Buches „Der Antisemitismus als Gruppenerscheinung' sendet uns Herr P, B c r n s t e i n, Rotterdam, einen Brief, den wir, ohne dazu verpflichtet zu sein, hier.nernc zum Abdruck bringen. Er lautet:' Ihre in Hell <> Ihrer Zeitschrift erschienen: Besprechung meines Buches , Der Antisemitismus als Oruppcncrscheinung" veraulaUt mich, Sie um Aufnahme folgender Bemerk Uli (ei zu bitten. Ich selbst halte mein von Ihnen besprochene*: Buch nicht für gründlich. IS enthalt wichtige Teile, die-sogar oberflächlich erscheinen können. Dies liegfUeils an der verkehrten Anlage, teils an dem Umstand, dali das ganze Gebiet der „(Iruppcnerscheinujigen" damals noch Neuland war und heute größtenteils noch ist. Man soll aber jedenfalls Gründlichkeit, wenn sie unbequem ist, nicht Uebergrundlichkeit nennen, um die Methode und damit die Schlußfolgerungen zu disqualifizieren. Ich verstehe, dali Ihnen diese nicht genehm sind; das enthebt Sie jedoch nicht der Pflicht, meine Darlegungen mit ernsten Argumenten zu entkräften. In diesem Muchc ist nämlich von Zielsetzung keine Rede. Eine tOZ'ÖlogiscIlf Betrachtung ganz allgemeiner Art ist auf den jüdischen Fall angewendet worden und fuhrt zu bestimmten Schlußfolgerungen. Wer diese auf Grund meines Buches bekämpfen will, muß entweder die allgemeine Betrachtung als unrichtig oder die Konklusion als falsch gezogen nachweisen. Beides haben Sie nicht getan. haß Ihnen meine Gruppentheoric zunächst etwas befremdlich vorkommt, wundert mich nicht. Eigentlich hätten Sie dieselbe auf Grund Ihrer Auflassungen von Ethik und Willensfreiheit bekämpfen müssen. Dies taten Sie jedoch nicht, sondern erklarten nur,-daß sich allerlei kaum aufrecht erhalten lassen wird, daß e n QedailKC uberspitzt ist und daß man etwas nicht zu glauben braucht, lieberraschenderweise seheint Ihnen dabei die Komplementärfunktion der Gruppe nacii, Hillen, nämlich die soziale und Liebe erweisende, gänzlich entgangen zu sein, obwohl ich dieselbe für die verschiedenen Qruppierungsarten ..übergründlich" entwickelt habe. Mindestens 'glaube ich sagen zu dürfen, daß so allgemein gehaltene Einwände eine Theorie nicht entkräften, -die ihre Richtigkeit in der ausführlichen Anwendung auf tägliche Erscheinungen zu erweisen sucht. Nicht ich verlange, daß man etwas glaube. Mein Tatsachenmaterial ist nicht im*" l.ahoratnriutti erarbeite! und nicht aus Archiven ausgegraben. Es ist jedem Laien zugänglich. '"v ''■■m"«■ vl'vii krltr" Gedankengange sollten mit den Denkmethoden geprüft werden, deren vir uns alle bedienen. Mehr verlangt niemand. Daun eine Richtigstellung, habe nirgends gesagt oder angedeutet, daß der versuchte indische ,.Aui.Micc" zu höheren ethischen und ästhetischen Lebensformen den Antisemitismus fordert. Ich habe behauptet, daß man den Antisemitismus nicht beseitigt, wenn mau als Jude versucht, den anlisemitischen Bemängelungen entgegen M kommen und daß mau damit den Antisemiten nur zwingt, seine Zuflucht tu gewundeneren und fiktiveren Anschuldigungen Zu nehmen. Ich glaube, daß sieh diese Behauptung a*us der Alltagspraxis mit reichstem Material belegen läßt. Schließlich die indische Religion, Aber ich bitte Sie' Natürlich ist sie Indisches Qrappcnmcrkmal. Ihrer Ansichi nach das beherrschende und wichtigste. <lut. Alier doch nicht das einzige. Ist die jüdische Totalit.it Ihrer Absicht nach etwa keine „historisch geschlossene l'ortpflalizungsgemciiischaft"? Wie wäre denn der nichtreligiosc Jude als Jude erkennbar, wenn er keine anderen als religiöse < Iruppcnmcrkmale besäßeV IM