Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 6 [7] (2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 186 (sequence 16)
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. (inuiden zu Ruderer Zeit intensiver einzuspannen «der Ihn gar mit besonderer ti.iurscharfcr (icnaiiigkcit ZU kontrollieren! F.s ist ferner keine „Privatsache", wenn heute MiindeMe von lüdJschcn jungen Leuten stellungslos od«r nur mit dein Bruchteil eirie> Existenzminimums herumlaufen und verelenden müssen!" Audi folgende Feststellungen sind nützlich; „In den religiösen Kreisen unserer niclltjüdischen, vor allein unserer katholischen Umgebung, schreitet die Wandlung, das (lernet des Religiösen wieder zum Faktor der Lebensgestaltung tu machen, mit größter Konsequenz voran. Man verlangt die klare Linie des Itekemicns lud scheut sich nicht, radikal zu andern, wenn der Huden, auf dein man Uenerationcn hindurch fest zu stehen geglaubt, hat, morsch und brüchig geworden ist Die Kirchenaustritte haben Anlaß zu jener christlich-entschiedenen Arln-it gegeben, die sich um Namen wie Pater Stratlunann, Nikolaus Ehlen; Kaplan Fahsel, i»r. l'hde. Prof. Keller. Prof. Martin Rahde gruppiert Viele dieser Führer sind mutig und tapfer genug, um persönliche Enttäuschungen und Zurücksetzun- M, ja stlbst den Mo.vkott der sogenannten (iesellschaft. aul sich zu nehmen. 4 eine religiöse Bewegung mir Märtyrern'der Oesinnung ist fest verwinkelt In den Herzen der Masse. Es ist nicht Iiier-der Ort, auf die unerbittliche religiöse Aufrüttelung jener Männer naher einzugehen." Und wenn Raphael fortfahrt: „Ks ist auch des weiteren nicht nötig zu sageii, daß dieser Weg, der die Religion und besonders das Judentum aus den schmachvollen Ketten einer Privatsache herausführt, opfervoll und schwer ist" so Kinnen wir ihm auch darin nur zustimmen. Allein zu deutlich schwingt in dem Artikel auch ein 'Ion aus der Musik des Zeitgeistes mit. jenes Zeitgeistes, der sich nicht nur im Mechanismus und Materialimus def heutigen Wirtschaft, sondern auch in den geschichtsloscn und zerstörerischen Konstruktionen de modernen Menschheitsbeglücker offenbart. „Nicht bloß, daß der Jude ■andsrs betet." sagt Raphael, „er hat auch eine andere Auffassung von den 15cgrnien. die anscheinend weltgeschichtlich und realpolitisch stabilisiert sind, — der Jude s.ttht anders zum Wesen der Wirtschaft, ihrer Methoden und Auswirkungen i.nd zum Prinzip des Eigentums'', Mau merkt die Schule und wirJ verstimmt. Auch iius den Sätzen „alles drangt zur Kollektivierung" und „das JudCMtum... mub in der Sprache dieser Armen (nämlich der „Entwurzelten, Ausgestoßenen. Verdrängten und Verzweifelnden") reden", hört man die Musik des Zeitgeistes heraus. Köllektbdsierung ist ein viel zu allgemeine/» Wort. Da muO nun schon genauer sagen, wohin die fahrt führen' soll. Und: „Das Judentum muß in der Sprache der Entwurzelten usw. reden..."? Ein eilig hinge- CRrfebenes, den Prjiger selbst tauschendes Wort. Nein. Religion kann weder in der Sprache der Entwurzelten, noch in der Sprache etwa an der Entwurzelung Schuldiger reden. sie kann nur ihre Sprache sprechen. Freilich geboren Mcnschenseelefl dazu, die bis zum Rande mit Religion gefüllt sind. Und die gibt es leider vorläufig nicht____ « V.1NV. VK1XK ABITUR UND IHR ERA'NTKR HINTKRURl'ND Liii iüdisch-literariscber Klub in TcUAyiv lud den bekannten hebräischen Dichter Aghon cm, aus seinen eigenen Werken zu lesen. Die Vorlesung war auf einen Sabbat festgeset/t. Agnon, einem feinsinnigen Manne, der religiöse Dinge ernst nimmt, pafitc das nicht, aber er willigte schließlich unter der Bedingung ein. d.iß wahrend der Veranstaltung nicht geraucht werde. Der Vorsitzende glaubte nun der übernommenen Verpflichtung damit gerecht zu werden, daß er vor Be- IM