Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 6 [7] (2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 177 (sequence 7)
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den zu erstreben? Er liefert dieses überzeugende Beispiel seiner Geduld, seiner Liebe, seiner Weisheit dadurch, dali er den „Völkern" implizite Absolution erteilt für vergangene und zukünftige Gewalttaten, Pogrome und Pogrömchen, und daß er seinen irrenden Brüdern und Schwestern „die Völker auf den Hals hetzt". (Juod erat demonstrandum. Ihr in vorzüglicher Hochachtung ergehener » Saul K a a t z. * » Der Verfasser des von Herrn Dr. Kaatz beanstandeten Artikels äußert sich zu vorstehendem Schreiben wie folgt: t:s spricht nicht für Herrn Dr. Kaatz, daß er sich, statt in Ruhe seine Meinung ZU äußern, durch meine Gedanken, — die übrigens bisher in jetler. Nummer des „Aufstieg" irgendwie zürn Ausdruck kamen, und in der Schrift „Im Dienste der Verheißung" (1927) ausführlicher dargelegt wurden, — von Zorn übermannen und zu Insulten verleiten läßt. Daß er, — offenbar auf das einzige Wort „Friede" in meinem Artikel sich stützend — mit solcher Vehemenz wegen des Pazifismus gcgen_ mich anrennt, beweist, daß seine Erbosung weniger der Besorgnis um die angeblich von meinem Artikel ausgehende Pogromgcfahr, als seinem pa- . zifistischen Eifer zuzuschreiben ist. Jedenfalls wird er mir schon gestatten müssen, abseits von seinen großen Wahrheiten, an eine Friedensliebe unabhängig vom landläufigen Pazifismus — an den ich übrigens heim Schreiben des Artikels nur erst in letzter Linie dachte — und au eine soziale Gerechtigkeit, unabhängig vom Kommunismus, zu glauben. - I'Ind. nicht nur selbst daran zu glauben, sondern auch dafür zu wirken, daß die Friedensliebe und das soziale Gefühl, dem Geiste der Bibel und unserer Weisen gemäß, im jüdischen Volke Seelenbeschaffenheiten und nicht Programme werden, daß sie, frei von Oberflächlichkeit, Gezwungenheit und VerranntheittJm Sinne seelisch-sittlicher Ertüchtigung des Einzelnen und in Harmonie mit den anderen Erfordernissen eines hochgearteten Gesamtheitlebens sich entfalten, daß sie sich, um m drr Wimmder Aulim zu sprechen,' als Rachamim (Erbarmen) mit Daas (Erkenntnis) und Tifercs (Form und Maß) verbinden. Wenn Herr Dr. Kaatz es unternimmt, mich mit hämischen Redewendungen der Angst zu zeihen und lächerlich inachen zu wollen, so nimmt sich das geracfiTSbei ihm, der augenscheinlich vor jeder neuen Wendung in der1 Betrachtung der jüdischen Dinge erschrickt und, wie jede Zeile seines Schreibens verrät, über das allerprhnitivste Zittern vor dem ..Risehus" nicht hinausgekommen ist. sehr merkwürdig aus. Wenn er in . gesteigertem Zorn meinen Artikel als die Arbeit eines durch „krankhafte Angst in Verwirrung gebrachten Geistes" bezeichnet und mich überhaupt wegen meiner Anschauungen wie ein unbeherrschter Schulmeister einen Schuljungen abkanzeln zu dürfen glaubt, so überlasse ich es-ruhig der Oeffentlichkeit, selbst der ähnlich wie er orientierten, m entscheiden, \vas,\ noch Inhalt, Form und Verantwortungsgefühl von meinem Aufsatze und von seinem Urteile zu halten ist. Herr Dr. Kaatz macht mich für künftige Pogrome verantwortlich, weil ich zugebe, daß es auch jüdische Hetzer und Zersctzer gibt und daß 177